Wittlicher Einzelhandel ist an den Grenzen des Wachstums

Wittlicher Einzelhandel ist an den Grenzen des Wachstums

Wittlich ist und bleibt Einkaufsstadt. Zwar hat der klassische, kleine Traditionshändler teils zu kämpfen. Doch die Zahl der großen Betriebe nimmt zu, nicht nur im Vitelliuspark (der TV berichtete). Dabei sind die Grenzen des Wachstums bald erreicht. Ein Grund: Flächen sind endlich.

Darf es ein bisschen mehr sein? Netto, Matratzen Concord, Burger King und Dunkin' Donut, Möbel Roller, ein Drogerie- und Tierfachmarkt im Vitelliuspark, die anstehende Umwandlung des jahrelangen Leerstandes Möbel Heinz in der Friedrichstraße in Möbel Arenz, die Erweiterung des Realmarktes, die Vergrößerung von Lidl in der Kurfürstenstraße: Die Einkaufsmöglichkeiten in der Kreisstadt Wittlich nehmen teils rasant zu. Da kann der Kunde schon mal den Überblick verlieren.

Nimmt man als Beispiel allein das Gebiet Vitelliuspark und schaut auf die bereits bestehenden großen Geschäfte, kommt man mit Globus, Edeka E-Center, Aldi, Expert, Gartenland Schmitt schon jetzt auf zusätzliche 20?360 Quadratmeter Verkaufsfläche - ohne den Platz für für Ware etwa draußen.
Groß sind auch traditionsreiche große Standorte wie Bungert am entgegengesetzten Stadtrand mit 12?000 Quadratmetern.

Doch nicht nur an der Außengrenze sind neue Einkaufsmagnete entstanden wie an der Schlossstraße mit dem DM-Drogeriemarkt, Baubedarf Hieronimi oder Takko nebst Deichmann oder die Lebensmitteldiscounter und zwei Schnäppchenmärkte.

Dagegen ist die Altstadt kleinteiliger. Flächenmäßig gesehen ist das Textilfachgeschäft Charles Vögele am Marktplatz mit 1300 Quadratmetern ein Sonderfall. Das sind rein von der Fläche her auch die Ankermieter der Schlossgalerie mit C & Auf 1230 und Drogerie Müller auf 1650 Quadratmetern.
Diese Zahlen legt aktuell der Handelsatlas der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier für alle Betriebe ab 600 Quadratmeter vor.

Rein von den Flächen her gesehen wäre Wittlich dabei ein Riesengeschäft für alle, die sich mit Bau-, Hobby-, Heimwerker- und Gärtnerbedarf eindecken wollen: Sie haben dafür Auswahl auf rund 18?000 Quadratmetern in Läden der größeren Art.

Zum Vergleich: Lebensmittel im großen Stil, also ohne Bioladen, Metzgereien, Bäckereien, gibt es bei den Discountern auf rund 13?720 Quadratmetern, so die Statistik. Kreisweit gibt es in diesem Segment insgesamt fast 37?000 Quadratmeter. Das heißt: In Wittlich sitzt knapp die Hälfte der großen Lebensmittel-Discounter, was die Fläche angeht. Immerhin hat Wittlich ja mit rund 18?500 Einwohnern schon jeden sechsten Bürger im Landkreis (rund 111?000 Einwohner insgesamt) zu ernähren. Hinzukommen die Menschen, die Wittlich als Arbeitsort täglich aufsuchen. Und die besondere Funktion der Stadt.

Ursula Bartz, Pressestelle der IHK Trier sagt: "Wittlich hat als Mittelzentrum ja einen zentralen Versorgungsauftrag, dem es mit einer Einzelhandelszentralität von 202,2 schon jetzt gut nachkommt." Deshalb sei nach Vorgaben der Landesplanung auch keine Deckelung der Verkaufsflächen vorgesehen, "solange Neuansiedlungen keine negativen Auswirkungen auf die Geschäfte in den Nachbarkommunen haben. In Wittlich sind also grundsätzlich weitere großflächige Ansiedlungen möglich."

Allerdings sei die Lage entscheidend. Denn, so Ursula Bartz: "Wir sehen in Wittlich aber weiterhin das Problem, dass wegen der räumlichen Verteilung der Geschäfte mehrere von der Innenstadt entfernte Anziehungspunkte für die Kunden entstanden sind. Das Kundenpotenzial für Wittlich ist zwar vorhanden - die Frage ist aber, wo neue Angebote entstehen sollen. Hier wäre die Stärkung der Innenstadt von hoher Bedeutung. Wir würden uns anstatt des weiteren Ausbaus der Einzelhandelsflächen in den außerhalb gelegenen Gebieten eine gezielte Lenkung von typischen Innenstadtsortimenten in die City wünschen. Der Vitelliuspark beispielsweise ist nicht in die Innenstadt integriert, er konkurriert mit der Innenstadt."

Zudem sind dort die Flächen so gut wie vergeben. Wo gäbe es denn noch Möglichkeiten? Einige listet theoretisch das Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Wittlich vom Mai 2015 für eine mögliche Entwicklung auf: Die Fläche neben dem Fürstenhof welche "auf einer Größe von 3600 bis 7700 Quadratmetern Potenzial für Ansiedlungen bietet."Der Parkplatz vorm Stadthaus der "aber "nicht durch bauliche Anlagen überplant werden" solle.Der "Gebäuderiegel entlang der Schlossstraße. Hier befindet sich unter anderem die Altimmobilie des Wittlicher Kinos." Der Parkplatz Karrstraße, der mittlerweile jedoch durch den Bürgerentscheid anderweitig verplant ist.Die "Baulücke in der Zeilenbebauung zwischen Feldstraße und Trierer Straße" mit 460 Quadratmetern.Die Fläche in der Oberstraße (ehemals Kaienburggelände)Ehemals Henkel an der Ecke Himmeroder Straße/BöhmerstraßeDer ehemalige Hela, der derzeit noch als Afa für Flüchtlinge genutzt wird. Und was ist die Sicht der Stadtverwaltung? Inwieweit kommt Wittlich im Blick auf den großflächigen Einzelhandel an die Grenzen seines Wachstums?
Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung Wittlich, sagt auf TV-Nachfrage. "Realistisch gesehen, sind die Grenzen des Wachstums hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Flächen gegenwärtig erreicht. Durch die gesetzten Rahmenbedingungen sind die Entwicklungspotentiale der Stadt Wittlich begrenzt." Und im Hinblick auf rein theoretisch denkbare Flächen sagt er: "Tatsächlich kann die Stadt Wittlich gegenwärtig keine städtische Fläche für die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel auf dem Markt mehr anbieten. Auf private Flächen hat die Stadt jedoch zunächst keinen Einfluss, es sei denn, der Eigentümer würde eine baurechtliche Überplanung beauftragen. Solche Vorhaben müssten allerdings auch dem in dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschriebenen rechtlichen Rahmen entsprechen."

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