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Wittlicher Häftling steht wegen versuchtem Mord vor dem Landgericht Trier

Justiz : Gefangener greift Vollzugsbeamten mit Rasierklinge an – Prozess startet Donnerstag

Er hat einen Vollzugsbeamten verletzt: Ab Donnerstag steht ein Ex-Gefangener der JVA Wittlich wegen versuchtem Mord vor Gericht.

(red/will) Ein Mann, der in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wittlich inhaftiert war, muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Gleich zweimal soll er Beschäftigte der JVA angegriffen haben, einmal sogar in der Absicht, den Mann zu töten. Deshalb lautet die Anklage auf versuchten Mord.

Der JVA-Insasse soll im ersten zu verhandelnden Fall, so die Anklageschrift, am 27. März 2019 einen in der Justizanstalt Beschäftigten als „Hurensohn“ beleidigt und anschließend auf ihn eingeschlagen haben. Knapp vier Monate später soll er erneut aggressiv geworden sein: Am 20. Juli 2019 soll der Angeklagte eine aus einem Einmalrasierer ausgebaute Rasierklinge mitgenommen haben und damit den Bediensteten der JVA angegriffen haben.

Der Häftling war auf dem Weg zum Hofgang und hat den Bediensteten im Treppenhaus von hinten angegriffen, als der ihm kurz den Rücken zugedreht hat. Das soll der damals 21-Jährige in Tötungsabsicht getan haben, so die Anklage.

Trotz der Verletzung konnte der Beamte den Angreifer, der als Untersuchungshäftling in Wittlich untergebracht war, überwinden und fesseln. Der Angreifer war zuvor von der Jugendstrafanstalt in die psychiatrische Abteilung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich verlegt worden (der TV berichtete am 27. Juli 2019). Der Angeklagte soll bei der Tat schuldunfähig gewesen sein. Er ist seinem 14. Lebensjahr polytoxikoman, nimmt also mehrere verschiedene Drogen gleichzeitig oder innerhalb kurzer Zeitabstände ein. Seit seinem 16. Lebensjahr zeigt er immer wieder Symptome paranoider Schizophrenie.

Der Angeklagte ist vorbestraft und befindet sich seit Ende Juli 2019 in einstweiliger Unterbringung im Klinikum Nette Gut.

Der Vorfall war nicht der erste, bei dem Vollzugsbeamte in der JVA Wittlich von Gefangenen angegriffen wurden. 2018 hat ein Häftling vier Beamte mit Schlägen, Tritten und Bissen verletzt. Er war erst ein paar Tage zuvor aus dem Zweibrücker Gefängnis verlegt worden, weil er dort eine Beamtin mit heißem Teewasser verbrüht hatte. Zudem wies im gleichen Jahr das Landgericht Trier einen 26-Jährigen in die geschlossene Psychiatrie ein, nachdem er mehrmals Beamte im Wittlicher Gefängnis angegriffen hatte.

Zuletzt hatte er sein Bett in der Zelle angezündet und anschließend die herbeigeeilten Beamten attackiert – mit einer Stichwaffe, die er sich selbst aus einer Zahnbürste und einer Rasierklinge gebastelt hatte.

Im Oktober 2019 wurde ein damals 37-Jähriger am Landgericht Trier verurteilt, weil er einen Bediensteten der Wittlicher Justizvollzugsanstalt attackiert und mit dem Tod bedroht hat.

Der mehrfach vorbestrafte Rocker hatte den Mann nach einem Besuch im Sanitätsbereich am Hals gepackt, weil er seiner Meinung nach nicht schnell genug in die Zelle zurückgebracht wurde.

Als es wegen dieses Vorfalls zu einem Prozess kommen sollte, legte der Häftling noch einmal nach und drohte dem JVA-Beamten über eine eigens angelegte Internetseite indirekt mit dessen Tod. Unter dem Bild einer geköpften Person stand der Text: „Irgendwann, irgendwo finden wir dich (...). Für deine Lügen wirst du zahlen.“