Wittlicher Hoteliers fürchten City-Hotel

Tourismus : Wittlicher Hoteliers fürchten City-Hotel

Die Wittlicher  Hotelbetreiber sagen, ein weiterer Betrieb mit 120 Zimmern bedrohe ihre Existenz. Ihre Auslastung sei eh schon gering.

Mit den fortschreitenden Plänen für ein großes City-Hotel in der Wittlicher Innenstadt (der TV berichtete) sehen die etablierten Hoteliers der Säubrennerstadt ihr Ende nahen. Die Betreiber der sechs Wittlicher Hotels sagen, der Stadt Wittlich fehle ein Tourismus-Konzept. Bevor man ein weiteres Hotel in der Stadt baue, und damit die Bettenzahl verdoppele, solle man zunächst mal touristische Attraktionen schaffen. „Aber das würde die Stadt ja Geld kosten“, sagt Michael Braun, der zusammen mit seiner Frau Nicole in Wittlich das 4-Sterne-Hotel Vulcano Lindenhof betreibt. Man fühle sich vom Stadtrat vor vollendete Tatsachen gestellt, sagen Ute Engel und Jürgen Hörth vom Hotel Rotenberg.

Der Slogan „Angebot schafft nachfrage“, den Bürgermeister Joachim Rodenkirch für das Hotelprojekt propagiere, sei unlogisch, sagt Hörth: „Wie soll eine Verdoppelung der Bettenzahl bei einer so geringen Auslastung wie hier in Wittlich bewirken, dass es für alle besser wird“, fragt er, „das ist doch unlogisch.“

Zunächst müsse doch mal ein touristisches Konzept geschaffen werden und in sechs oder sieben Jahren später können man vielleicht mal darüber nachdenken, ein neues Hotel in der Säubrennerstadt anzusiedeln, meint Hörth. „Aber ohne weiteren Tourismus können wir sonst zumachen.“

Die sechs Wittlicher Hotels kämen jährlich auf 25 900 Übernachtungen, sagt Braun. Um wirtschaftlich arbeiten zu können bräuchte das City-Hotel jedoch allein schon 28 000 Übernachtungen, meint Hörth. „Aber wo sollen in Wittlich insgesamt 54 000 Übernachtungen herkommen, damit alle davon leben können?“

Der Bürgermeister und der Stadtrat, sagt Hörth, sähen die Chancen vor den Risiken. „Aber nicht für uns“, sagt Nicole Braun. „Wir können nicht mal zehn bis 15 Prozent unserer Gäste abgeben, sonst können wir dichtmachen. Dann ist Ende im Gelände. Wobei hier viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.“ Wie Braun schätzt, „haben die bestehenden Betriebe mehr Arbeitsplätze zu verlieren als ein neues City-Hotel schaffen könnte“.

Und bevor man ein weiteres Hotel aus dem Boden stampfe, sagt Hörth, solle die Stadt zunächst mal touristische Nachfrage schaffen.  „Die Stadt vermarktet sich nicht“, sagt Hörth. „Dabei verwundern die Tabakfelder die Touristen und hier gibt es den besten Rotwein an der Mosel. Altertümliche Sachen werden versteckt und die Stadtmauern wurden zugeschüttet.“ Dazu werde nun auch noch das Schwimmbad abgerissen, das viele Hotelgäste nutzen würden. Braun: „Hier fehlt einfach ein Tourismuskonzept.“

Doch die Hotelbetreiber vermissen für das geplante City-Hotel auch Gutachten und Expertenmeinungen. „Man sollte dringend Experten mit ins Boot holen“, sagt Braun.

Der dickste Hammer sei jedoch, sagt der 4-Sterne-Hotelier, „dass der Bürgermeister gesagt hat, in Wittlich herrsche ein Defizit an adäquaten Übernachtungsmöglichkeiten“. Für die Wittlicher Hoteliers sei das ein Schlag ins Gesicht, sagt Braun. „Man zieht uns den Boden unter den Füßen weg und macht gegen uns Stimmung.“

Sie könnten nicht verstehen, sagen die Hoteliers, dass den meisten Fraktionen im Stadtrat die bestehenden Betriebe, die den Standort Wittlich seit Jahren voranbrächten, hier zig Millionen investiert haben und Gewerbesteuer zahlen, einfach nur egal seien.

Ein Modell des geplanten City-Hotels mit 120 Zimmern und 200 Betten, das in der Wittlicher Oberstadt in der Kurfürstenstraße entstehen soll. Foto: TV/Christian Moeris

„Aber wo ist der Gewinn“, fragt Friedhelm Schneck, Inhaber des Gasthauses Schneck, „wenn wir alle zumachen und eine Hotelkette 45 Arbeitsplätze schafft. Wir haben mehr zu verlieren.“ Zudem, so sagt Ute Engel, hätten die Wittlicher Hoteliers erwartet, dass man von Seiten der Stadt zunächst mal auf sie zugekommen wäre und mit ihnen das Gespräch gesucht hätte, um in der Stadt etwas neues zu entwickeln.

Mehr von Volksfreund