Wittlicher rümpfen die Nase über Hundekot
Wittlich · Frei herumlaufende Hunde und ihre Geschäfte sind ein Ärgernis für Spaziergänger, Touristen und Mitarbeiter der Stadt. Selbst an Orten wie dem Friedhof, die für Vierbeiner tabu sind, häuft sich das Problem.
Wittlich. Reine, klare Luft, das Rauschen der Lieser im Ohr, knisternde Kieselsteine unter den Füßen - wie schön könnte ein Spaziergang an der Lieser am frühen Morgen sein. Doch der Spaziergänger ist nicht allein. Große und kleine, dicke und dünne Hunde teilen das Vergnügen und tapsen den Weg entlang. Und so ist es mit der reinen Luft hier und da schnell vorbei - der Geschäfte wegen, die die Tiere hinterlassen.
Die Mehrheit der Herrchen greift zwar beherzt zu und entsorgt den Haufen im nächsten Abfalleimer, doch immer wieder zucken schwarze Schafe unter den Hundebesitzern mit den Schultern und gehen schnurstracks weiter ihres Weges. Und so säumt am Morgen gerne mal ein Haufen nach dem anderen den Beginn des Lieserpfads, der am Stadtpark entlangführt, und rottet tagelang vor sich hin.
Ein Stein des Anstoßes nicht nur für die Wittlicher, sondern auch für die Wanderer und die Mitarbeiter der Stadt. Sie treffen zudem auf dem Radweg und im Stadtpark selbst häufig auf die Hundehinterlassenschaften - gerade beim Rasenmähen eine unschöne Begegnung. Den Dreck zu entfernen gehört aber nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben, teilt die Stadt mit.
Geht man davon aus, dass jeder Hund 300 Gramm Kot am Tag ausscheidet, kommen bei den 854 in der Säubrennerstadt gemeldeten Vierbeinern 256 Kilogramm am Tag zusammen. Ergibt im Jahr 93 513 Kilo.
Selbst auf dem Friedhof, den Hunde gar nicht betreten dürfen, treten Besucher immer wieder in Haufen, hat der Wittlicher Heinrich Kunsmann beobachtet. Die Ecke zwischen der Oberen und der Mittleren Kordel würde gar täglich als Hundeklo benutzt. "Wenn man die Leute darauf anspricht, bekommt man noch eine freche Antwort. Ich mag Hunde wirklich gern, aber das ist nicht in Ordnung."
Auch Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadt, berichtet von den Klagen: "Teilweise sprechen die Bürger, die Hunde beim Verschmutzen von Wegen und Plätzen beobachten, direkt die Hundehalter an, teilweise erreichen entsprechende Beschwerden auch das Ordnungsamt." Dabei bietet der Bürgerservice der Stadtverwaltung Wittlich kostenlose Hundekotbeutel an. Davon weiß aber nicht jeder Hundebesitzer, mutmaßt Petra Kind, die eine mobile Hundeschule in Wittlich betreibt. Sie rät dazu, die Halter darauf hinzuweisen und an der Lieser Hinweisschilder anzubringen, dass die Geschäfte zu entsorgen sind.
Kotbeutelspender als Lösung
LaVerne Schmidt, Schriftwartin der Wittlicher Ortsgruppe des Schäferhundevereins, hält Kotbeutelspender entlang des Weges für einen möglichen Lösungsansatz. Diese gab es vor einigen Jahren zwar in Wittlich, sie wurden aber wieder abgeschafft, da sie immer wieder zweckentfremdet wurden und die Tüten in der Umgebung verteilt worden waren.
Die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt schreibt vor, dass sich der, der einen Hund sein Eigen nennt oder mit ihm spazieren geht, darum kümmern muss, dass Straßen und Wege nicht verunreinigt werden. Sie müssen Dreck sofort beseitigen. Wer dagegen verstößt, muss tief in die Tasche greifen - und so kann ihn das Geschäft seines Dackels oder Dalmatiners bis zu 1000 Euro kosten. Doch weder 2010 noch 2009 hat die Stadt Bußgeld verhängt.
Auch frei laufende Hunde ziehen den Zorn vieler Spaziergänger und Jogger auf sich. Thomas Schlösser zum Beispiel, Leiter des Wittlicher Lauftreffs FixWieNix, klagt über die Mentalität "Der macht nix, der will nur spielen". Dabei heißt es in der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt: "Auf Straßen innerhalb des geschlossenen Stadtgebietes und in Anlagen dürfen Hunde nur von aufsichtsfähigen Personen und nur angeleint geführt werden. Bissige oder bösartige Hunde sind an kurzer Leine bei Fuß zu führen." Spielplätze sind wie Friedhöfe tabu.
"Einen Hund nicht angeleint auf öffentlichen Wegen laufen zu lassen, ist gefährlich und unvernünftig", sagt auch Kind. Doch bei den Haltern stoße man oft auf taube Ohren.
Meinung
Kontrollen her!
Es könnte alles so einfach sein: Wer Dreck macht, macht ihn auch wieder weg. Doch immer und überall gibt es Hundehalter, die sich nicht daran halten, die sich nicht belehren lassen. Zweifelsohne - das ist nicht die Masse der Besitzer, sondern nur ein kleiner Teil von ihnen. Dennoch bringen die schwarzen Schafe alle Herrchen in Verruf. Das Einzige, was hilft, sind Kontrollen. Wer früh am Morgen am Pfad entlang der Lieser Patrouille läuft, wird täglich Hundehalter antreffen, die Haufen Haufen sein lassen. Dann müssen gleich empfindliche Strafen folgen. Und sobald sich dies herumspricht, werden sich auch die, die sich sonst nicht an die Regeln halten, mit ängstlichem Blick auf ihren Geldbeutel belehren lassen. Oder zumindest den Stadtsäckel aufbessern. u.quickert@volksfreund.de Von Hundekot geht ein Infektionsrisiko aus. So können zum Beispiel Parasiten - wie Eingeweidewürmer - übertragen werden oder aber Bakterien, die Durchfallerkrankungen verursachen. Der Fachbereich Gesundheit der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich schätzt das Infektionsrisiko bei Hinterlassenschaften von Hunden in öffentlichen Bereichen jedoch als gering ein, da lange nicht jeder Hund krank sei. uq