Wittlicher Stadtrat spielt nicht mit: Plätze für Kinder bleiben

Wittlicher Stadtrat spielt nicht mit: Plätze für Kinder bleiben

Welchen Stellenwert haben Wittlichs 30 Spiel- und Bolzplätze für die Stadtpolitik? Die Grünen wollten den Blick auf die Anlagen für Kinder lenken und sie möglichst verbessern. Dafür sollten im Gegenzug wenig attraktive Plätze geschlossen werden. Das ist keine Option für die anderen Fraktionen, die sich einig sind: Man kann alles verbessern, aber ein Abbau des Angebots kommt nicht infrage.

Natürlich sind die Grünen für Spielplätze. "Das sind weiche aber wichtige Standortfaktoren, die die Stadt lebenswert machen", sagt ihr Fraktionssprecher Stephan Lequen. Warum er das betont, liegt am eigenen Antrag zu diesem Thema.

Darum geht's: In Wittlich Stadt gibt es 15 Spiel- und vier Bolzplätze, in den fünf Stadtteilen elf Spiel- und fünf Bolzplätze. Für die hatten die Grünen per Antrag ein Konzept gefordert. Soweit, so gut. Dazu sollten "16 bis 18 besonders geeignete Standorte" ausgewählt oder neu gefunden werden, "die durch eine komplett neue Gestaltung oder verbesserte Ausstattung gegenüber ihrem jetzigen Zustand deutlich zu attraktivieren sind." Auch das ist nichts, was soweit finanzierbar, auf Widerstand stößt. Aber dann steht im Antrag: "Die restlichen Standorte sind (…) Zug um Zug aufzugeben."

Bei dieser Idee, ein paar Spielplätze aufzumöbeln und dafür andere zu schließen, spielt die Stadtratsmehrheit nicht mit: Zwei Grüne und der Linkenstadtrat stimmen am Donnerstagabend für den Antrag, CDU, SPD, FWG, FDP dagegen. Und dafür gibt es viele Gründe. Joachim Gerke, SPD, erinnert daran: "Mein erster Gedanke war, wie wohl bei allen, die 2004 schon im Rat waren: ,Oh Gott!' Damals hatten wir aus rein wirtschaftlicher Betrachtung Plätze schließen wollen und uns eine blutige Nase geholt." Damals gab es heftige Proteste der Eltern und Kinder gegen Schließungen.
Und Michael Scheid, FWG, argumentiert: "Plätze Zug um Zug aufzugeben, wo Wittlich doch Wachstumsstadt ist, hat ein Geschmäckle von Arroganz."

Elfriede Meurer, CDU, hat die Debatte mit der Einschätzung eröffnet: "Wir haben tolle, aber auch bescheidene Plätze, die deshalb nicht weniger wichtig sind." Für die FDP meint Thomas Losen: "Wir sind dankbar für den Antrag, denn er hat uns eine Analyse gebracht. Demnach ist die Lage in Ordnung. Und wir sind der Meinung, wir sollten alle Standorte erhalten, weil es immer einen Wechsel der Bewohner gibt."

Das hat eingangs Lothar Schaefer, Stadtwerke, berichtet, der einen Überblick über die Situation gab. Demnach stünden maximal drei Plätze rein theoretisch zur Streichung zur Debatte, denn: "Die Kinder von einst, die jagen jetzt Pokémons im Stadtpark oder sitzen in der Shisha Lounge." Aber in wenigen Jahren ändere sich das durch den Generationenwechsel, den Nachzug junger Familien. Auch könnten frei werdende Flächen nicht einfach bebaut werden, sondern müssten gepflegt werden.

Und was kostet ein neuer Platz? Mit rund 65?000 Euro müsse kalkuliert werden. Noch kostenspieliger wird aktuell einer, der komplett umgestaltet wird: Der Spielplatz zwischen Lieser und Georg Meistermann Schule nahe der Kita Jahnplatz: Er wird für 100?000 Euro umgebaut mit Pumpen, Brunnen, Spielschiff und Zugang zum Flussufer (der TV berichtete). Schaefer sagte abschließend: "Die, die wir uns täglich damit beschäftigen, sprechen die Empfehlung aus, es zu lassen, wie es ist." Die Grünen versuchten noch mit einem Änderungsantrag, nicht komplett Schiffbruch zu erleiden. Doch der stellte den Hauptantrag dermaßen auf den Kopf, dass er formal nicht zulässig war. Verbesserungen bleiben nun nicht ausgeschlossen, Schließungen schon.
Kommentar

Von Sonja Sünnen

Im Antrag der Grünen zu den Spielplätzen war dermaßen der Wurm drin, dass der Versuch, ihn in letzter Sekunde zu ändern, auch nicht mehr geholfen hat. Wer schreibt, er wolle, dass Zug um Zug Spielplätze zugunsten einer Verbesserung anderer Plätze aufgegeben werden, kann nicht erwarten, dass das mal eben überlesen wird. So easy geht Kommunalpolitik nicht, auch Formsachen sind entscheidend. Alles andere ist blauäugig. Genausowenig kann man erwarten, dass in den Antrag hineininterpretiert wird, was nicht drinsteht. Etwa eine Bürgerbeteiligung. In Zukunft werden die Grünen sorgfältiger formulieren. Positiv ist, dass alle über das Thema Spielplätze umfassend von der Verwaltung informiert worden sind. Guter Nebeneffekt des gescheiterten Antrags: Alle Plätze bleiben erhalten und zwar aus Überzeugung. Das blaue Auge für die Grünen ist da Nebensache.

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