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Wittlicher Stadtwald erholt sich vom Orkan

Wittlicher Stadtwald erholt sich vom Orkan

Nicht nur die Betriebsplanung des Wittlicher Stadtförsters Mario Sprünker hat das Orkantief im Februar vernichtet. 13 Hektar Windwurffläche ließ Xynthia im Stadtwald zurück. Der Schadensausgleich beginnt: 32 000 Setzlinge sollen künftige Holzernten sichern. Auch 2011 folgen Pflanzungen.

Wittlich. Das hat sich Wittlichs Stadtförster Mario Sprünker anders vorgestellt: Seit September 2009 ist er im Dienst, im Dezember legt er seine erste Betriebsplanung vor. Doch die Kalkulation für 2010 ist kurz darauf Altpapier.

Orkantief Xynthia riss fast die ganze Jahresholzernte um. 3600 Festmeter Holz wollte Sprünker ernten, im Februar schaffte der Sturm Tatsachen: 3000 Festmeter Nadelholz mussten ungeplant vermarktet werden. 13 Hektar Stadtwald waren Windwurffläche. Auf sechs Hektar kommen bis Jahresende 32 000 Setzlinge in den Boden, 2011 werden die restlichen 6,9 Hektar bepflanzt. Zum Vergleich: In seiner Jahreskalkulation hatte Sprünker noch mit "nur" 2500 Baumneupflanzungen auf einem Hektar gerechnet. Ob das damals noch prognostizierte leichte Plus in der Bilanz von 7985 Euro zu halten ist, ist fraglich.

Dem Wirtschaftsausschuss der Stadt erklärte der Revierförster jetzt bei einem Rundgang im Wald bei Neuerburg, dass das im Februar gefallene Nadelholz, ein Prozent des gesamten Nadelholzbestandes, noch 50 Jahre hätte wachsen können. Die Stadt habe jedoch Glück im Unglück gehabt, weil die Holzlager leer waren, die Nachfrage groß und die Marktpreise gut.

Mehr Mischwald dank Stieleiche und Hainbuche



Die Aufarbeitung der Sturmfolgen ist auch ein Weg zu mehr Mischwald. In der Ex-Monokultur wachsen künftig auch Stieleiche und Hainbuche. Der Wittlicher Stadtwald hat rund 70 Prozent Laub- und 30 Prozent Nadelholz. Sein Wert beträgt 8,6 Millionen Euro, wobei 2,25 Millionen Euro auf den Grund und Boden fallen. Der Rest ist das grüne Kapital: Bäume. Schon Mario Sprünkers Vorgänger, der jetzige Bürgermeister Joachim Rodenkirch, schlug weniger ein als nachwächst. Dieses Jahr sollte der Wald um 7000 Festmeter zunehmen, 3600 Festmeter wollte man zu Geld machen. Dieses nachhaltige Wirtschaften sehen die Forstleute als Investition in die Zukunft. Im Wald müsse langfristig gedacht und gehandelt werden. Das macht das Beispiel der jetzt gesetzten Stieleichen deutlich: Sie sind in 180 Jahren erntereif.

Doch nicht nur in diesem Sinne gibt es wertvolle Bäume in Wittlich. In den Windwurfflächen ragen einige Fichten stümpfe auf. Verkaufen kann man sie nicht, aber sie dienen Greifvögeln als Horstbaum und werden zu sogenannten Biotopbäumen.EXTRA Der Orkan Xynthia hat vom 26. bis 28. Februar 2010 schwere Schäden in weiten Teilen West- und Mitteleuropas angerichtet. 60 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, die meisten davon in Frankreich. In Rheinland-Pfalz wurden 1,7 Millionen Festmeter Holz umgerissen. 461 Häuser und 383 Autos wurden im Land beschädigt. Die Schäden werden auf insgesamt bis zu drei Milliarden Euro geschätzt. (daj)