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Wittlicher Tüftler stellen Masken mit 3D-Drucker her

Coronavirus : Wittlicher Tüftler stellen Masken mit 3D-Drucker her

Not macht erfinderisch: Modellbauer aus Wittlich und Umgebung produzieren in Heimarbeit professionelle Schutzschilde für das Gesicht. Die jungen Bastler beliefern in größeren Mengen Krankenhäuser, Pflegeheime und Arztpraxen.

Schutzausrüstung gegen das Coronavirus ist zur Zeit im ganzen Land Mangelware. Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime sind derzeit über Spenden aus der Bevölkerung überaus dankbar. Besonders gefragt sind zertifizierte Mund- und Gesichtsschutzmasken, Schutzanzüge, Desinfektionsmittel sowie auch transparente Schutzvisiere für das Gesicht. Diese dünnen, transparenten Kunststoffschilde sollen die Gefahr einer Ansteckung von medizinischem Personal durch grobes Aerosol, wie es beim Sprechen, Husten und Niesen entsteht, verringern. Insbesondere Ärzte und Pfleger, die nah am Menschen arbeiten, tragen, um sich noch besser zu schützen, bei ihrer Arbeit zusätzlich über den Gesichtsmasken und Brillen noch solche transparenten Visiere. Die durchsichtigen Schutzschilde sind aufgrund der Corona-Pandemie ein rares Gut und – wenn überhaupt – derzeit nur mit beträchtlichen Lieferverzögerungen und zu stark gestiegenen Preisen erhältlich.

Doch Not macht erfinderisch und brachte den Wittlicher Modellbauer Christian Leisch auf eine Idee: Wenn sein 3D-Drucker Plastikbauteile für Modellflugzeuge produzieren kann, warum dann nicht auch die Teile für einen professionellen Gesichtsschutz? „Die kostenlose Bauanleitung dazu findet man im Internet“, sagt der 37-Jährige, der als Digitalisierungsmanager bei der Stadtverwaltung Wittlich arbeitet. In seiner Freizeit produziert Leisch nun also keine Modellflugzeuge mehr, sondern Schutzvisiere – und das in rauen Mengen. Unterstützung bekommt er dabei von neun weiteren Hobbybastlern mit 3D-Druckern. „Wir haben einfach gesagt: ‚Kommt, lasst uns was machen. Unsere Intention war, hilfsbedürftigen Einrichtungen schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen und große Stückzahlen zu produzieren. Jeder von uns macht so sein Ding, baut Modelle oder Spielzeug für die Kinder.“ Gemeinsam haben sie nun – und dabei jeder in seinen eigenen vier Wänden – eine Serienproduktion gestartet. Insgesamt zwölf 3D-Drucker hat die Gruppe dafür im Betrieb.

 Auf den Geräten, mit denen man Plastikteile in allen Formen herstellen kann, entstehen jetzt also statt der Bauteile für Modellflugzeuge und Spielzeuge die Kopfspangen für Schutzvisiere. „Die werden ähnlich wie ein Brillengestell um die Stirn angezogen. Die Spange klemmt von selbst, man braucht also kein zusätzliches Gummiband“, erklärt Leisch. „Vorne drauf kommt ein transparentes DIN-A4-Blatt, eine Folie aus dem Bürobedarf.“ Diese transparenten Folien, die eigentlich als Deckblätter in Ringbüchern Verwendung finden, können also nicht nur Dokumente, sondern auch Ärzte und Pfleger schützen, wenn man sie an die Haltespangen aus den 3D-Druckern montiert.

Wittlicher Tüftler stellen Masken mit 3D-Drucker her
Foto: TV/Schramm, Johannes

„Aus rechtlichen Gründen dürfen wir sie aber nur als Gesichtsbehelfsmasken betiteln. Wir dürfen sie nicht als Gesichtsschutz bezeichnen“, erklärt Leisch. Denn nach dem Medizinproduktegesetz (MPG) sind solche Produktbegriffe geschützt. Masken und Schutzschilde brauchen umfangreiche Test- und Kennzeichnungspflichten. Wer als Hersteller solche Produkte auf den Markt bringen will, der muss ihre medizinische Wirkung nachweisen. Damit die Gruppe keine rechtlichen Probleme bekommt, besteht Leisch auf die Bezeichnung „Gesichtsbehelfsmasken“.

Die Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime aus der Region, welche die Gruppe bereits kostenlos mit ihren selbstgebauten Schutzvisieren beliefert hat, dürften solche juristischen und begrifflichen Haarspaltereien derzeit wenig interessieren. Sie sind dankbar, dass sie jemand in größerer Stückzahl und dazu auch noch kostenlos mit Schutzvisieren beliefern kann. Die ehrenamtlichen Maskenproduzenten können rund 150 Kunststoffschilde täglich produzieren, sagt Leisch. Die ehrenamtliche Herstellung einer Maske koste weniger als einen Euro. „Wir haben jetzt schon knapp 500 Masken verteilt“, sagt Leisch. Das Brüderkrankenhaus in Trier hat bereits zwei Lieferungen erhalten, ebenso das Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich sowie Pflegeheime und diverse Arztpraxen aus dem Raum Wittlich. Finanzielle Unterstützung bekommt die Gruppe vom Land sowie den Volks- und Raiffeisenbanken. „Mit dem Fördergeld können wir rund 2500 Masken herstellen.“

 Wittlicher Tüftler stellen die Haltespangen für Schutzvisiere mit 3D-Druckern her.
Wittlicher Tüftler stellen die Haltespangen für Schutzvisiere mit 3D-Druckern her. Foto: TV/Christian Leisch

Wer die Gruppe finanziell oder auf andere Art unterstützen möchte, der kann per E-Mail an Info@Maker-Wittlich.de Kontakt zu den Maskenproduzenten aufnehmen.