Wittlicher Wege ins Schul-Wirrwar

Welche Schule bietet welchen Abschluss an? Diese Frage stellt sich besonders in Wittlich, wo Veränderungen der Bildungslandschaft anstehen. Der TV erklärt, wo was angeboten wird oder angeboten werden soll.

Wittlich. Früher war es auch in der Schule sicher nicht schöner. Die Wahl war jedoch einfacher, da es nur Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien gab. In Wittlich ist das seit mehreren Jahren komplizierter und durch die Schulstrukturreform für den Laien nahezu unverständlich geworden. Denn erst in ein paar Jahren wird feststehen, welche Abschlüsse in Wittlich wo angeboten werden.

Beide Wittlicher Gymnasien leiden unter Platzmangel



Seit Ende der 90er Jahre gibt es in Wittlich nicht mehr das klassische dreigliedrige Schulsystem. Damals wurde aus den beiden Hauptschulen in der Stadt die Duale Oberschule. Inzwischen hat sich die Schule auf den Standort Sehlemet konzentriert. Bei der Dualen Oberschule werden Haupt- und Realschüler gemeinsam unterrichtet. Daran hat sich auch durch die Schulreform nichts geändert, die aus der Dos eine Realschule plus gemacht hat.

Tendenz: So lange die Realschule Wittlich in ihrer heutigen Form bestehen bleibt, wird die Dos Mühe haben, stärkere Schüler zu gewinnen.

Eine Folge der Schulreform ist, dass es spätestens ab dem Schuljahr 2013/14 die Kurfürst-Balduin-Realschule in ihrer heutigen Form nicht mehr geben wird. Denn im Schulgesetz des Landes ist die Auflösung aller staatlichen Haupt- und Realschulen vorgesehen. Im Schulentwicklungsplan des Landkreises Bernkastel-Wittlich ist vorgesehen, dass aus der Schule wie aus der Dos eine Realschule plus werden soll. Dagegen wehrt sich das Kollegium so vehement, dass der Kreistag sich bis 2013 Zeit lassen will, bis die Zukunft der Schule geklärt ist. Hintergrund für diese Umwandlung ist auch, dass auf Dauer in Wittlich nur noch eine Realschule plus neben den Gymnasien Bestand haben wird.

Die Lehrer der Realschule favorisieren hingegen eine Umwandlung ihrer Bildungseinrichtung in eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Dabei werden unter einem Dach sowohl heutige Haupt- und Realschüler als auch Gymnasiasten unterrichtet. Entsprechende Anträge fanden bisher kein Gehör.

Inzwischen hat Josef Peter Mertes, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, das Wengerohrer Gebäude als Standort einer möglichen Oberstufe einer IGS genannt. Offen ist, ob für eine IGS Wittlich oder für eine IGS Salmtal oder für ein gemeinsames IGS-Oberstufenzentrum. In Salmtal soll nämlich nach dem Willen des Kreistags eine IGS entstehen. Diese soll sich aus der früheren Regionalen Schule entwickeln, die inzwischen als Realschule plus firmiert. Um eine Gesamtschule in Salmtal zu verwirklichen, sind Investitionen in Millionenhöhe in den Standort vonnöten.

Tendenz: Sollte der Kreistag an einer IGS Salmtal festhalten, wird es allenfalls eine Gesamtschule mit mindestens zwei Standorten geben. Solche dislozierten Einrichtungen stoßen in Schulgemeinschaften oft auf Vorbehalte.

Bei den beiden Wittlicher Gymnasien stellt sich hingegen nicht die Frage, welche Abschlüsse erreicht werden können. Derzeit ist eher unsicher, wo und wie unterrichtet wird. Besonders das Peter-Wust-Gymnasium (PWG) leidet unter Raumnot. Im Cusanus-Gymnasium (CGW) sind die Räume ebenfalls eng.

Wohl noch für mindestens zwei Jahre wird das PWG auf zwei Standorte verteilt sein. Grund dafür ist die Sperrung eines für Unterrichtszwecke genutztes Gebäude auf dem PWG-Gelände wegen Einsturzgefahr. Bis auf Weiteres werden deshalb Schüler der Klassenstufen 5 bis 8 im ehemaligen Dos-Standort in Wengerohr unterrichtet. Das Gebäude sollte ursprünglich nach dem Willen des Kreistags als Unterstufenzentrum für beide Wittlicher Gymnasien genutzt werden. Die Raumnot an PWG und CGW wäre damit gelindert gewesen. Das wollten die Schulgemeinschaften der Gymnasien nicht.

Tendenz: Besonders Eltern aus der Wittlicher Kernstadt werden angehende Gymnasiasten im Cusanus-Gymnasium anmelden, weil dann die Schüler nicht nach Wengerohr pendeln müssen. Da auch der Raum in dieser Schule begrenzt ist, könnte es zu einer verordneten Lenkung der Schülerströme kommen. Fünftklässler müssten dann beispielsweise ins PWG gehen, obwohl sie ins CGW möchten.

Die Allgemeine Hochschulreife erlangen Schüler jedoch nicht nur an einer IGS oder an herkömmlichen Gymnasien. Auch im Technischen Gymnasium Wittlich kann Abitur gemacht werden. Der an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Wittlich untergebrachte Bildungsgang umfasst die Jahrgangsstufen 11 bis 13. Gemeinsam mit der BBS Bernkastel-Kues sollte das Angebot um ein Sozial- und ein Wirtschaftsgymnasium erweitert werden. Auch in diesem Sektor hakt es. Denn der Vorstoß ist am Veto des Bildungsministeriums gescheitert.

Tendenz: Angesichts zurückgehender Schülerzahlen und neuer beruflicher Gymnasien in der Region wird es im Landkreis vermutlich nicht alle drei Arten der Alternative zum herkömmlichen Gymnasium geben. EXTRA Realschule plus: Im Rahmen der Schulreform werden in Rheinland-Pfalz die Hauptschulen abgeschafft. Wo möglich werden sie mit Realschulen zusammengeführt. Duale Oberschulen und Regionale Schulen werden ebenso wie Realschulen spätestens 2013 automatisch zu Realschulen plus, so sie nicht zu einer Gesamtschule werden. Bei der kooperativen Form werden die Schüler in den Klassenstufen 5 und 6 gemeinsam unterrichtet. Im 7. Schuljahr werden abschlussbezogene Klassen für die Berufsreife (Hauptschulabschluss) und Mittlerer Schulabschluss gebildet. In der integrativen Form bleiben die Schüler zusammen im Klassenverband und werden nur in einzelnen Fächern in verschiedene Kurse eingeteilt. Integrierte Gesamtschule: In dieser Schulform werden Schüler mit Haupt-, Real- und Gymnasialempfehlung gemeinsam unterrichtet. Eine Differenzierung findet in einer Reihe von Fächern durch sogenannte Förder-, Grund- und Erweiterungskurse statt. Eine IGS entsteht in Morbach. Im Gegensatz dazu gibt es kooperative Gesamtschulen so wie in Kirchberg. Dort befinden sich Realschule plus und Gymnasium unter einem Dach. Gymnasium: Gymnasien führen nach 13 Schuljahren zum Abitur. In Wittlich ist derzeit nicht vorgesehen, dass eins der beiden Gymnasien ein Abitur nach acht Schuljahren anstrebt. Gleichwohl wird das Cusanus-Gymnasium Ganztagsschule. (har)