Wittlicher Wohnmobilstellplatz genießt keinen guten Ruf

Wittlicher Wohnmobilstellplatz genießt keinen guten Ruf

Wittlichs Wohnmobilstellplatz sei für die Nutzer von Lage und Ausstattung unattraktiv, das habe sich unter der Zielgruppe herumgesprochen. Damit erklärt Andreas Arenz, selbst seit 25 Jahren Wohnmobilist, warum in der Kreisstadt jährlich offiziell weniger als 20 Übernachtungen gezählt werden.

Wittlich. "Schauen Sie: Fast alles ist durchgekreuzt." Andreas Arenz sitzt in seinem Wittlicher Büro, zückt den offiziellen ADAC Stellplatzführer und zeigt auf die Information zum Wittlicher Stellplatz "Zweibächen" unterhalb der Weinberge am Sportzentrum: "Wenn man das sieht, fährt man doch lieber gleich woanders hin."
Laut offiziellen Zahlen der Stadt könnte das stimmen: Unter 100 Euro nimmt die Stadt jährlich bei Stellplatzkosten von fünf Euro ein, die Wasserstelle wird kaum genutzt , eine Werbung in einem Prospekt kostet 570 Euro im Jahr (der TV berichtete).
Dass kein Stromaggregat betrieben werden dürfe, sei ein Nachteil. Zudem sei der Platz an sich unattraktiv und nicht einladend.
Arenz nennt ihn einen nackten Schotterplatz ohne Einteilungen, den man sich zeitweise mit Schwimmbadbesuchern, Zirkus oder Reitverein-Anhängern teilen müsse. Das gelte auch für die Stadtrandlage. "Ich bin extra jetzt abends vorbeigefahren. Da standen tatsächlich zwei. Ich habe geklopft und mit den Urlaubern gesprochen. Was sie über ihren Standplatz gesagt haben? ,Wir reisen zusammen, allein würden wir uns nicht hier hinstellen.\'"
Das sei die Meinung vieler und genau die werde in Internetforen weitergegeben: "Dort wird die Anlage als viel zu weit abgelegen ohne Komfort kritisiert und empfohlen, auf dem Rommelsbachparkplatz zu halten, obwohl der nicht als Wohnmobilstellplatz ausgewiesen ist."
Das sei der Grund, warum auf dem stadtnahen PKW-Parkplatz auch ab und an Wohnmobile stünden. Die hätten sich nicht "verirrt", denn in der Regel informiere man sich vorab gezielt über mögliche Plätze an der gewünschten Reiseroute. Für einen offiziellen Stellplatz inakzeptabel sei auch die in Wittlich nur über die steile Stichstraße zu erreichende Wasserstation an der Reithalle.
"Zu steil, zu weit weg und dann noch die Haarnadelkurve. Voll beladen dahin fahren ist nicht so toll", sagt Arenz. "Das kostet doch was, so eine Sani-Station dahin zu stellen, aber an dieser Stelle nebst schwieriger Anfahrt nutzt sie nichts. Eigentlich ist das Ganze schade für eine Stadt wie Wittlich."
Weil er sich darüber geärgert hat, habe er versucht, mit einem Verantwortlichen zu sprechen. "Herr Mathar von der Tourist-Information hat mich an die Stadtverwaltung verwiesen und dort teilte Herr Jacoby mit, die Sachbearbeiterin sei drei Wochen nicht da. Wenn ich ein potenzieller Gast wäre, hätte ich dann genug."
Generell sei es besser, vorher in der eigenen Stadt rundzufragen, wer Erfahrung mit dem Thema habe, wer sagen könne: "Das geht gar nicht." - Und erst dann Nägel mit Köpfen zu machen. So hätte man das beispielsweise an der Mosel gehandhabt, bevor ein Platz angelegt wurde.
Für Wittlich wäre aus seiner Sicht ein kleinerer Bereich an der Rommelsbach nahe dem ehemaligen Bouleplatz, wo auch Strom liege, geeignet: "Lieber fünf, sechs vernünftige Plätze als viele, die keiner nutzt." Auf die Frage, ob Wittlich denn seiner Ansicht nach überhaupt einen Wohnmobilstellplatz brauche, sagt er: "Wenn Wittlich Touristen haben will: ja." Das einzig Gute am Platz: "Gegen die Preise ist wirklich nichts zu sagen." sos
Laut dem Deutschen Tourismusverband (DTV) gibt es rund 450 000 in Deutschland zugelassene Wohnmobile und europaweit geschätzt 1,35 Millionen, in denen mindestens zwei oftmals mehr Personen an Bord seien. Wohnmobilisten gelten als sehr reiseaktiv und geben laut einer Studie im Durchschnitt bis zu 40 Euro am Tag pro Person aus, etwa in der Gastronomie. Der DTV informiert: "Hauptmotiv eines Wohnmobilstellplatzes ist die touristische Nutzung, insofern verlangt die Wahl des Standortes einiges Fingerspitzengefühl. Seine Lage beeinflusst wesentlich die Akzeptanz seitens der Gäste und trägt somit zum Erfolg des Stellplatzes bei." sos