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Wittlichs älteste Immobilie: Das Türmchen wird saniert

Wittlich. Das Wittlicher Altertü(r)mchen wird bald 700 Jahre. Das kleine Gebäude gehört zum besonderen architektonischen Gesicht der Stadt. Und das muss gepflegt werden. Aktuell investiert die Stadt 33?500 Euro in den besseren Erhalt des Originals aus Stein. Anschließend soll es bei Interesse zugänglich gemacht werden. Sonja Suennen

Sie nennen es "Burgtürmchen" oder schlicht "Türmchen". Bekannterweise machen "-chen" und "-lein" die Dinge klein und deshalb passt der Name für Wittlichs ältestes Gebäude auch. Es steht als Erinnerung an die Ursprünge der Stadtgeschichte am Ende der Burgstraße. Davor krümmt sich die viel befahrene Kurfürstenstraße fast rechtwinklig in Richtung Friedrichstraße.

So kennt fast jeder in der Säubrennerstadt dieses architektonische Wahrzeichen Wittlichs mit seinem buckeligen Dach, dem Fensterpaar mit den alten Läden, dem an die Fassade geschmiegten Kreuz und dem klitzekleinen halbrunden Gärtchen zu Fuße des Häuschens. Weitaus nüchterner wird es in der Liste der Kulturdenkmäler im Landkreis Bernkastel-Wittlich geführt: "Burgstraße 57, ,Burgtor', Rest der Stadtbefestigung von 1317, Putzbau mit barocker Haube, Pieta-Relief wohl 17. Jahrhundert, Schaftkreuz, 1703, wohl aus der Werkstatt Gebrüder Wolff" steht da. Immerhin könnte das Türmchen also im kommenden Jahr stolze 700 Jahre feiern.

Da lohnt sich eine Rundumpflege. Aktuell ist das Gebäude abgesperrt und im Sockel durchziehen fingerdicke Bohrlöcher das Gemäuer. Auf die Frage, was genau am Türmchen gemacht wird, sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung: "Gegenwärtig werden vertikale und horizontale Abdichtungsarbeiten mit Sperrputz und Paraffinwachs durchgeführt. Anschließend werden die Holzfenster ausgetauscht und im Anschluss daran die Außen- und Innenwandflächen neu gestrichen." Die Arbeiten seien mit der Denkmalpflege abgestimmt und denkmalrechtlich genehmigt und sollen Mitte Mai abgeschlossen sein. Dabei wird auch innen etwas getan.

Dazu sagt Jan Mußweiler: "Im Innenbereich werden die Küchenmöbel und die WC-Anlage demontiert und Teile der Holzböden abgeschliffen und neu versiegelt." Summa summarum soll das rund 33.500 Euro kosten.
Drei Fragen an:

Elke Scheid, die als Kulturamtsleiterin mitverantwortlich für das Denkmal ist.
Vor Jahren wurde schon nach Ideen für eine Nutzung des Türmchens gesucht. Welche war Ihnen persönlich sympathisch und warum?

Elke Scheid: Als ich 1992 nach Wittlich kam, fiel mir das Türmchen auf und ich hätte es gerne besichtigt, was nicht möglich war, da es als Wohnraum vermietet war. Dies bedauerte ich und erfuhr im Laufe der Zeit, dass es Generationen von Wittlichern ähnlich erging und ergeht: Alle wollten gerne dieses letzte größere Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung auch einmal von innen sehen, was ihnen verwehrt wurde. Verständlicherweise, denn wer möchte schon seine Wohnung ständig "besichtigen" lassen? Mir persönlich war deshalb nach dem Tod des letzten Mieters wichtig, dass das Türmchen einer Funktion zugewiesen würde, die es öffnet. Und zwar für alle. Es gab ja schon viele Ideen: Warum konnte zum Beispiel bislang weder ein Lesezimmer, noch eine Mini-Ausstellung oder gar eine Übernachtungsunterkunft realisiert werden?

Scheid: Wer das Türmchen einmal von innen gesehen hat, weiß, dass es für öffentliche Veranstaltungen viel zu klein ist. Eine Nutzung für einen Lesezirkel oder einen anderen Verein hätte den Zugang wieder beschränkt, und es wäre auch schwer zu vermitteln gewesen, warum dieser städtische Raum einer Privatinitiative kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollte. Überdies finanziert die Stadt Wittlich bereits 1300 Quadratmeter "Lesezimmer" in der Stadtbücherei, was recht großzügig ist. Aufgrund der kleinen Wandflächen und des schwierigen Treppenhauses liegt auch keine Eignung als Ausstellungshalle vor und ein Umbau zu einer Ferienwohnung wäre sehr aufwendig und teuer
und würde wieder den freien Zugang für jedermann verbauen.
Wird das Türmchen also nicht weiter leer stehen?

Scheid: Nein, das Türmchen wird nicht weiter leer stehen, sondern wohl im Laufe dieses Jahres seiner neuen Nutzung zugeführt werden. Es wird derzeit renoviert und soll dann als Teil des ehemaligen Burgtores besichtigt werden können. Mit Hilfe einer sparsamen Möblierung und Informationen zur Geschichte des Bauwerkes und der Stadt in Form von Zeichnungen, Texten und audiovisuellen Informationen soll es sowohl Einheimischen als auch Touristen das befestigte Wittlich und seine Geschichte anschaulich näher bringen. Wer das Türmchen besichtigen möchte, so ist vorgesehen, kann sich gegen ein Pfand den Schlüssel im Alten Rathaus abholen. Für Schulklassen und andere Gruppen sollen auch Führungen angeboten werden, wobei klar sein muss, dass keine Klasse von 20 Kindern gleichzeitig in das kleine Häuschen passen kann. Aber da werden sich Lösungen finden.