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Wittlichs größter Stadtteil hat neuen Ortsvorsteher: Matthias Linden

Kommunalpolitik : Wandel vom Wohn- zum Lebensort

Wittlichs größter Stadtteil hat einen neuen Ortsvorsteher: Matthias Norbert Linden. Der 58-jährige Justizvollzugsbeamte wurde im ersten Wahlgang gewählt. Erfahrung in der Kommunalpolitik hat er noch keine, aber er ist ein „Belinger Jung`“.

Gut gelaunt und voller Tatendrang klingt Matthias Norbert Linden, als er von seinen bevorstehenden Aufgaben als Ortsvorsteher von Wengerohr und seiner Wahl berichtet: „Ich war selbst überrascht, dass ich im ersten Anlauf gleich die erforderlichen Stimmen hatte“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Musikvereins Wittlich-Wengerohr, der seit 48 Jahren Posaune spielt.

Schon länger hatte er mit dem Gedanken gespielt, bei der nächsten Wahl als Ortsvorsteher in Wittlich-Wengerohr anzutreten. „Ich hatte da einfach Lust drauf und ich glaube, ich kann ganz gut mit Menschen umgehen“, begründet er.

Momentan arbeitet er sich in die Themen ein, die sein Vorgänger Jochen Platz, der am 30. August plötzlich verstarb, gemeinsam mit dem Ortsbeirat angestoßen hat.

Das Zukunftsprojekt „Wengerohr 2030“ oder der Obstgarten, der entstehen soll, sind dafür Beispiele. Einiges, was in den vergangenen Jahren angefangen wurde, will er weiterführen. „Es wurde viel Seniorenarbeit geleistet, etwa Ausflugsfahrten und auf Traditionen Wert gelegt. Das soll auch so bleiben“, so Matthias Linden.

Der gelernte Schlosser, der verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, will einen seiner Schwerpunkte auf das Thema Verkehr im Stadtteil lenken. „Es ist mir wichtig, den Durchgangsverkehr zu reduzieren und Tempo-30-Zonen einzurichten, denn es gibt Straßen in Wittlich-Wengerohr, da kommen sie als Fußgänger kaum von einer Seite zur anderen, weil der Verkehr schnell und dicht an dicht ist.“

Was ihm ebenfalls nicht behagt, und woran er etwas ändern möchte, ist der Umstand, dass Wengerohr von vielen Menschen nur als Wohnort und nicht als Lebensort gesehen wird. „Das gefällt mir überhaupt nicht und daran möchte ich etwas ändern.“ Dabei weiß er, dass das eine sehr aufwendige Aufgabe sein wird. „Ich will positiv auf die Menschen, die hier wohnen und sich niedergelassen haben, zugehen als einen ersten Schritt. Wenn man sich dann kennt und miteinander ins Gespräch kommt, folgen weitere“, so seine Strategie.

Die engere Bindung an St. Paul gehört ebenfalls in diesen Komplex.  Einkaufsmöglichkeiten, einen Fahrservice und ein Arzt wären sowohl für St. Paul als auch für ganz Wengerohr wichtig. Das Altdorf gestalten steht ebenfalls auf der Liste der Dinge, die er anpacken will.

Zum Industriestandort Wengerohr  hat der Hobbygärtner, der in seinem Garten gerne Tradition und Zukunft verbindet, folgenden Standpunkt: „Für Wengerohr sind die vielen Betriebe gut, denn so haben wir viele Arbeitsplätze vor Ort. Dabei darf man sich aber nicht von den vielen Gewerbegebäuden erdrücken lassen. Es sollten noch genügend Grünflächen erhalten bleiben. Da muss man in der Zukunft gut abwägen.“

Ganz oben auf seinem Zettel der Dinge, die er und der Ortsbeirat anpacken wollen, steht eine Idee, die von einem guten Freund von Jochen Platz kam. Er hat angeregt, zur Erinnerung an den ehemaligen Ortsvorsteher eine Tisch-Bank-Kombination auf dem Festplatz beim Jugend- und Bürgerhaus aufstellen zu lassen, mit dem Titel „Lieblings-Platz“. Darin ist dann ein Hinweis auf den Nachnamen des Verstorbenen gegeben. Als der Gedanke im Ort besprochen wurde, haben sich gleich mehrere Menschen bereit erklärt etwas zu spenden, damit Holz gekauft werden konnte.

Da Jochen Platz gelernter Schreiner war, will man keine fertige Tisch-Bank-Kombination kaufen, sondern die Wengerohrer bauen sie selbst.