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Wittlichs Leuchten werden im großen Stil auf LED-Technik umgerüstet

Wittlichs Leuchten werden im großen Stil auf LED-Technik umgerüstet

Die gelbliche Straßenbeleuchtung hat in den Wittlicher Stadtteilen im kommenden Jahr fast überall ausgedient: 800 Lampen werden auf LED umgerüstet. Das kostet 261?000 Euro. Die Stadtmitte soll später neues warm-weißes Licht erhalten.

Ist die EU schuld oder kann man ihr dankbar sein? Jedenfalls merken nun Bürger, was es mit der "Öko-Design-Richtlinie" der EU auf sich hat, die vorgibt, dass bestimmte "Leuchtmittel schrittweise vom Markt genommen werden sollen". Privat erinnert das womöglich viele an das Ende der Glühbirnen-Ära, auch wenn diese aussterbende Lampengeneration, alias Energieschleuder, durchaus noch in einigen Räumen Licht spendet und vielleicht in Vorratsschachteln noch im Keller weiterlebt.

Doch nicht nur in den eigenen vier Wänden wird umweltbewusst oder gegen Dunkelheit angeleuchtet. Millionen Lampen erhellen draußen vor der Tür Straßen und Plätze. Allein in Wittlich ist einiges ins rechte Licht zu rücken: Es gibt 3046 Leuchten an 285 städtischen Straßen, die 112 Kilometer lang sind - plus Fußwege und Plätze mit 90?000 Quadratmetern Fläche, Extrabauten wie Brücken. Damit dieser öffentliche Raum in Schuss bleibt, listet der Haushaltsplanentwurf für 2017 rund zwei Millionen Euro für Unterhaltung, Wartung und eben auch Beleuchtung.

Dabei sieht man naturgemäß auch in den Stadtteilen nach Sonnenuntergang mehr als die Hand vor Augen, 1430 Leuchten sei Dank. 800 davon sollen nächstes Jahr erneuert werden. Und jetzt kommt die EU mit ihrer Öko-Design-Richtlinie ins Spiel. Wegen ihr sollen bestimmte Leuchtmittel, etwa die, die gelbes Licht machen, schrittweise verschwinden. In Wittlich, wie in anderen Orten der Region auch, ist das ein Geschäft für Innogy SE, eine RWE-Tochter.

Sie erstellt derzeit "Sanierungskonzepte". Darin steht, wie viele Leuchten sie austauschen will und was das kostet. In Wittlich soll das für alle Stadtteile 326 Euro je Lampe kosten, insgesamt rund 261?000 Euro. Dafür gibt es Rabatt: Bei der nächsten Wartung der dann neuen LED-Lampen verspricht Innogy 150 Euro je Stück zu erlassen. Außerdem reduziert sich die Stromrechnung. Die Kosten für die Umrüstung müssten sich demnach nach sechs Jahren amortisiert haben.

Die neuen LED geben dann warm-weißes Licht ab.
Dazu wurde den Stadtpolitikern ein Bild gezeigt: Ein roter Ferrari, der unter einer Straßenlaterne steht: Das bisherige Licht, scheint den Lack gelblich zu verfärben. Im künftigen LED-Licht glänzt er unverfälscht im typischen Ferrari-Rot. Auch das gilt als Fortschritt. Ob der Ferrari-Effekt Bestandteil der Öko-Design-Richtlinie ist, bleibt ungeklärt.

Bei der Zustimmung für das Sanierungskonzept, also den Auftrag an Innogy, gab es im Stadtrat jedenfalls dazu keine Fragen. Straßenbeleuchtungsexperte Rainer Heib vom RWE/Innogy Standort Trier, der sich seit Jahren ums Städtchen kümmert, hatte vor der Zustimmung der Ratsmitglieder noch erklärt, dass "gelbe Leuchten und gelbe Leuchten zweierlei" seien. Denn "die, die erst weiß waren, sind die, die die EU auf dem Kicker hat". Im Übrigen seien sie nicht verboten. Sie dürften nur nicht mehr gehandelt werden. Auf einen Schlag ausgetauscht werden, ob sie noch funktionieren oder nicht, sollen sie trotzdem (siehe Extra).

Übrigens: Wer imstande ist, den Ferrarirot-Test zu machen, sollte nach der Umrüstung aber nicht ins Industriegebiet Wengerohr fahren. Dort werde das gelbe Licht vorerst bleiben, hieß es. Und was ist mit der Innenstadt? Die kommt in einem zweiten Innogy-Sanierungskonzept dran. Dann gibt es auch die zweite Kostenschätzung. Ob Wittlich dann summa summarum eine halbe Million Euro für die Straßenlampen ausgegeben haben wird? Man weiß es noch nicht.

Immerhin könnte man 2017 ein kleines Jubiläum feiern: 120 Jahre elektrisches Licht in Wittlich. Laut Stadtchronik des Historikers Klaus Petry ging in der Stadt am 17. September 1897 das erste elektrische Licht an. Vor Trier. Dort dauerte das bis 1901. Dafür hat man in der Römerstadt an der Mosel, was man in der Säubrennerstadt an der Lieser nicht kennt: Der Stadtrat Trier hat vor zwei Jahren den Lichtmasterplan beschlossen. Darin geht es um Qualität der Leuchten, Energieeffizienz, Beleuchtung historischer und architektonischer Bauwerke sowie die Wirkung des Werbelichtes. Die künftige Beleuchtung des Lieserprojektes "Stadt am Fluss" hat gezeigt, dass dazu auch in Wittlich durchaus Diskussionsbedarf besteht.

Drei Fragen an:... ... David Kryszons, Pressesprecher RWE/Innogy/Westnetz.

Warum werden noch funktionierende Lampen getauscht?

David Kryszons: Der Dienstleistungsvertrag von innogy folgt dem Grundsatz: Vorbeugende Instandhaltung und Wartung. Hintergrund: Alterung der Leuchtmittel, abnehmende Lichtausbeute, Störungsanfälligkeit. Leuchten erst dann zu tauschen, wenn sie defekt sind, wäre im Übrigen auch viel zu teuer. Stattdessen tauscht innogy im Zuge der Wartung alle vier Jahre jegliche Leuchtmittel aus.

Wie kommen die Kosten zustande?

Kryszons: Die Umrüstung von ? 800 Straßenlaternen für LED umfasst: Austausch des Elektro-Blocks mit Vorschaltgerät zugunsten des LED-Blocks, zuweilen auch Wechsel des Leuchten-Kopfes. Das heißt: Für die Modernisierung muss die Leuchte umgebaut werden, es werden das komplette Innenleben erneuert und - oder der Leuchtenkopf wird modernisiert. Diese Investition der Stadt Wittlich amortisiert sich bereits nach sechs Jahren.?

Wie viel Mann werden wie lange beschäftigt sein?

Kryszons: Zur Umrüstung der 800 Leuchten auf LED benötigt ein Team aus zwei Mitarbeitern vierzig Arbeitstage. sos