Ausstellung Wittlichs Synagoge mal anders

Gute Idee, engagierte Schüler, Kritik an der Vorbereitung. So lässt sich das Bild zusammenfassen, das sich bei der Eröffnung der Ausstellung von Bildern Wittlicher und Bernkasteler Gymnasiasten zum Thema Synagoge in der Stadtbibliothek abzeichnete.

Wittlich. Außerhalb der Stadt liegt Wittlichs jüdischer Friedhof. Ein Grabstein-Motiv dieses Friedhofs findet sich auf dem Bild eines Gymnasiasten - daneben die Außenansicht der Synagoge, ihr Grundriss. Die Technik ist zeitgemäß: mit Schablonen, wie Graffitikünstler sie nutzen, hat der Gymnasiast gearbeitet.


Einen "Bogen von der Tradition zur Moderne geschlagen" hat er damit, wie Kunstlehrer Manfred Schmitt, Cusanus-Gymnasium Wittlich, sagte. Das wollte das Emil-Frank-Institut (Efi) mit dem Kunstwettbewerb ereichen. "Wir wollten, dass sich junge Leute aus moderner Perspektive mit dem Judentum in Wittlich auseinandersetzen", sagt Marcus Alebrand vom Efi.

"Perspektiven" war der Wettbewerbsleitgedanke, aus dem 32 Werke von Oberstufenschülern aus Wittlich und Bernkastel-Kues hervorgingen. Monika Wächter, die das Projekt am Peter-Wust-Gymnasium betreute, sagt: "Die Schüler sind 17 bis 18 Jahre alt. Ihr Interesse liegt eigentlich woanders. Die haben keine alten Bauwerke im Kopf." Wohl gerade deshalb hätte sich manch ein Wettbewerbsteilnehmer mehr Förderung erhofft. "Es war schade, dass wir im Kunstunterricht nicht mehr dazu gemacht haben, dass wir uns die Infos selber suchen mussten", sagt eine Schülerin, die selbst überrascht ist, dass ihre Arbeit Eingang in die Ausstellung gefunden hat. "Das habe ich schnell dahingemalt, das ist eigentlich keine groß ausgearbeitete Idee", sagt sie.

Schüler klagen über unzureichende Vorbereitung



Auch ein anderer Gymnasiast kritisiert mangelnde Vorbereitung und sagt: "Dass man die Schüler beauftragt, selbst zu recherchieren, fand ich schon komisch, zumal das verpflichtend war. Aber das Thema war interessant." Das Ergebnis auch, obwohl sich kein Schüler "freiwillig" beteiligt hat.

Der Martinszug vor der Synagoge von Manuela Marzi ist ein Motiv aus aktuellen Novembertagen, das den Bogen zum 10. November 1938, Tag der Schändung und Verwüstung der Synagoge, schlägt. Damals sollte kurz darauf "Martinszug" sein: Dessen Vorbereitungen hätten Mathias Mehs in die Nähe der Synagoge geführt, erzählt Manfred Schmitt. Mehs sei gerade noch rechtzeitig gekommen, um Gegenstände zu retten und einen weiteren Brand des Gebäudes zu verhindern.

Beeindruckend ist auch Nicola Schikorras Bild-Idee: Auf ihrer Collage sind Stadtszenen mit menschlichen Umrissen zu sehen: "Das jüdische Leben in Wittlich ist ja komplett ausgelöscht. Ich wollte die Mitmenschen zeigen, die wir leider nicht kennenlernen können."

100 Jahre Synagoge Wittlich ist eine Dauerausstellung bis 25. November in der Synagoge. Dort sind die Schülerarbeiten ebenso zu finden wie in der Stadtbücherei bis 8. Mai. Außerdem gibt es ergänzende Vorträge. Der nächste ist am 4. Mai zum Architekten-Kreisbaumeister Vienken.

Meinung

Sehenswerter Pflichtstoff

Vielleicht wäre ein offener Wettbewerb noch besser gewesen. So war das Thema Synagoge "nur" Pflichtstoff im Kunstunterricht. Zwei Schüler haben das bei der Auszeichnung ihrer Arbeiten mutig, weil öffentlich, ganz deutlich gesagt: Sie haben sich offensichtlich beim schwierigen und komplexen Thema allein gelassen gefühlt. Andererseits ist selbstständiges Recherchieren auch eine Fähigkeit, zu der Schule anleiten sollte. Wenn allerdings Schüler auch sagen, in der Synagogenausstellung bis jetzt gar nicht gewesen zu sein (sie wurde am 27. Januar eröffnet), wundert man sich schon. Dennoch: Die Arbeiten sind wirklich interessant, das Ergebnis sehenswert. s.suennen@volksfreund.de

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