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Wittlichs Wald bringt mehr als Geld

Wittlichs Wald bringt mehr als Geld

Was ist Wittlichs flächenmäßig größter Betrieb? Der Stadtwald. Er ist nicht einfach sich selbst überlassene Natur, sondern ein Wirtschaftsunternehmen: Das kostet Geld und bringt was ein. Dass die Rechnung aufgeht, dafür sorgt Mario Sprünker. Seine Betriebsplanung für 2013 stellt er dem Stadtrat vor.

Wittlich. Wittlich liegt im Tal, ringsum erheben sich Weinberge und Wald. Letzterer ist eine Art öffentlicher Garten für alle: Kinder, Familien, Wanderer, Sportler. Doch Wittlichs Stadtwald ist nicht einfach Natur pur, sondern Wittlichs flächenmäßig größter Betrieb: 1200 Hektar groß; 100 Mal so groß wie das historische Stadtzentrum, 24 Mal so groß wie das Wengerohrer Industriegebiet.
8,6 Millionen ist er wert, rein theoretisch. Denn wer will schon seinen Boden (geschätzt auf 2,255 Millionen Euro), das was man Infrastruktur nennt oder gar was wächst (6,17 Millionen Euro) verkaufen? Hinzu kommen Werte, die Geld nicht aufwiegen kann: Schutz von Klima, Wasser, Tieren, Erholung. Und wer weiß schon, was ein Spaziergang, Maikraut- und Pilzsuchen, vielleicht ein Familienpicknick unter Bäumen in Euro umgerechnet wert sind?
Aber es gibt duchaus handfeste Zahlen in diesem forstwirtschaftlichen Betrieb, denn Holz ist ein Geschäft, Wiederaufforsten kostet Geld, der Einsatz von Mensch (drei Mann beschäftigt der Stadtwald) und Maschinen, die Pflege der Wege und so weiter. Hinzu kommt: Dieser Betrieb ist dennoch nicht wirklich kalkulierbar. Schuld ist in der Hauptsache das Wetter. Knickt ein Sturm wie Xynthia 2009 auf einen Schlag fast die gesamte geplante Jahresholzernte an einem Tag um, muss neu kalkuliert und später neu gepflanzt werden, will man das grüne Kapital der Stadt auf Generationen erhalten. Hinzu kommen Unwägbarkeiten wie gefräßige Borkenkäfer und der Holzmarkt.
Stadtförster Mario Sprünker ist dafür seit mehr als drei Jahren verantwortlich und stellt, wie sein Vorgänger, der heutige Bürgermeister Joachim Rodenkirch, zum Jahresende dem Stadtrat seine finanziellen Pläne vor.
Ein Ziel: Den Besitz erhalten und vermehren, ohne schnelles Geld mit mehr Holzeinschlag zu machen. Und die Rechnung soll 2013 mit einem kleinen Plus unterm Strich aufgehen. Der Gesamtholzvorrat (221 000 Festmeter) soll um mehr als 7000 Festmeter wachsen, davon sind 4000 Festmeter als Ernte geplant. Man rechnet übrigens, dass ein Festmeter Brennholz 220 Litern Heizöl entspricht, wobei Holz im Gegensatz zu Öl als CO{+2}-neutral gilt. Würde also sämtliches Holz aus dem Stadtwald zum Heizen verbrannt, wären das umgerechnet 880 000 Liter Heizöl.
Tatsächlich werden jährlich 1200 bis 1300 Festmeter als Energieholz zu 43 Euro der Festmeter verkauft. Insgesamt rechnet Mario Sprünker für 2013 mit 195 000 Euro Einnahmen aus der Holzernte. Sowieso gibt es in Wittlichs Stadtwald, der 69 Prozent Laubbäume hat, Raritäten, die zu schade zum Verfeuern sind und zum Verkauf zu niedrigem Preis.
"Wir haben sehr schöne Buchen, die sind 150 Jahre alt, die lasse ich dann lieber stehen", sagt Mario Sprünker. "Wir erlauben uns, den Wald wachsen zu lassen. Aber wenn sich am Markt Chancen bieten, dann generiere ich natürlich auch Mehreinnahmen. Grundsätzlich kalkuliert man aber vorsichtig." So hat er in den vergangen drei Jahren 172 000 Euro Gewinn gemacht. "Das ist für einen Förster schon eine größere Zahl. Und das ist ein reiner Gewinn für die Bürger der Stadt."
Der Stadtrat Wittlich trifft sich am Donnerstag, 15. November, 18 Uhr, zur öffentlichen Sitzung in der Synagoge.