WM-Quartier war der Durchbruch

Vielleicht fehlte den Schweizer Fußballern ja der "Geist von Bertrich". Bei der WM vor zwei Jahren überstanden sie, anders als jetzt bei der EM im eigenen Land, die Vorrunde. Manch einer der eidgenössischen Kicker denkt sicher gerade deshalb gerne an die Zeit im WM-Quartier an der Uess zurück. Doch hat Bad Bertrich nachhaltig von den Schweizer Gästen seinerzeit und dem großen medialen Interesse im Nachbarland profitiert?

Bad Bertrich. (fp) Die Schilder an den Ortseingängen stehen noch immer. Zum 27. Kanton der Schweiz hatte sich Bad Bertrich vor zwei Jahren flugs erklärt, als die Schweizer Fußballer während der WM in Häckers Kurhotel Fürstenhof residierten. Und auch der "Köbi-Kuhn-Trainingsweg" ist noch immer in der Wanderkarte des Eifelvereins aufgeführt. Doch das ist beileibe nicht alles. "Das WM-Quartier Bad Bertrich war doch der Befreiungsschlag", so Bürgermeister Günter Eichberg und Touristik-Leiter Herbert Jullien. Gebeutelt wie viele Bäder im vergangenen Jahrzehnt von den Reformen auf dem Gesundheitssektor, war der Ort praktisch tot. Kliniken mussten schließen, Geschäfte ebenso, Tristesse im Ortsbild.100 Millionen Euro wurden und werden investiert

Doch jetzt ist alles anders, Aufbruchstimmung pur herrscht. Auf nahezu 100 Millionen Euro beziffert Eichberg die Summen, die in das Staatsbad flossen oder fließen werden. Zweifel? Für rund zwei Millionen wurden Straßen und Plätze im Rahmen des Städtebaus saniert, für gut eine Million das Stadion gebaut. Vermutlich 15 Millionen wird das derzeit wachsende neue Thermalbad verschlingen, 2,5 Millionen, gestreckt auf zehn Jahre, gab es für den Anschub der Touristik-Agentur und weitere Maßnahmen. Und wohl 70 Millionen werden niederländische Investoren in den Ferienpark auf der Höhe stecken, der höchsten Ansprüchen genügen soll. Weitere Millionen werden für dessen Anbindung per Seilbahn ins Tal fließen, und schon hat sich ein Investor gemeldet, der die Anbindung auf noch anderem Wege plant: mit einer attraktiven Sommerrodelbahn nämlich."Die Frage, was uns das Schweizer Gastspiel gebracht hat, ist also relativ zu beantworten", meint Günter Eichberg, für den aber feststeht: "Ohne WM-Quartier wäre das sicher nicht alles möglich geworden."Aufschwung ist mit zwei Namen verbunden

Deutlicher wird Touristik-Chef Herbert Jullien: "Natürlich sind wir Land, Kreis und Verbandsgemeinde dankbar, aber der Aufschwung im Staatsbad trägt eindeutig zwei Namen: Häcker und Eichberg." Ohne Häckers Fünf-Sterne-Resort kein WM-Quartier, ohne die hervorragenden Kontakte des ehemaligen Schalke-Chefs Eichberg in die Fußballszene ebenso wenig.Das zahlt sich weiterhin aus: Zweitbundesligist TuS Koblenz ist schon Stammgast im "Trainingslager Bertrich", Anfang Juli wird der gesamte Tross des 1. FC Kaiserslautern Quartier im Staatsbad beziehen. Derzeit laufen Verhandlungen mit Partizan Belgrad, und ein Hochglanzprospekt, von Eichberg und Jullien initiiert, soll bald allen Erst- und Zweitbundesligisten die Vorzüge eines Trainingslagers Bad Bertrich deutlich machen: die hervorragende Hotellerie, das Stadion, die breiten medizinischen Angebote und bald auch das Thermalbad. Dennoch: Wie steht's mit der Nachhaltigkeit in der Schweiz? Natürlich war deren jetzt verabschiedeter Nationaltrainer Köbi Kuhn wiederholt in Bertrich, beste Kontakte hat man nach wie vor zu den Spitzen des Schweizer Fußballverbandes, und immer wieder kann Hotelier Walter Häcker Gäste aus dem Nachbarland begrüßen. Deren Zahl dürfte aber bald weiter steigen. Denn ganz aktuell freuen sich Eichberg und Jullien riesig: Das Organisationskomitee der Internationalen Schweizer Ferienmesse hat die Gemeinde Bad Bertrich sowie die Touristik-Agentur Bad Bertrich GmbH zur Teilnahme an der "6. Swiss International Holiday Exhibition" nach Lugano eingeladen und diese Einladung mit förmlichem Beschluss wie folgt begründet: "Diese Einladung ergeht unter Beachtung der Tatsache, dass die Gemeinde Bad Bertrich für ihre schöne Umgebung, die regionalen Produkte, die gute Küche und den gesteigerten Lebensstandard berühmt ist und dies vom Organisations-Komitee gewissenhaft geprüft und bestätigt werden konnte."Die Internationale Schweizer Ferienmesse findet vom 30. Oktober bis 2. November statt. Ortsbürgermeister Günter Eichberg führt die Einladung auch auf die ausgezeichnete Gastgeberrolle bei der WM zurück. Die im Übrigen auch mit einem Ehrenpreis der Fifa in Höhe von 10 000 Euro "für das gastgeberfreundlichste und bestorganisierteste aller 32 deutschen WM-Quartiere" ausgezeichnet worden war. Diese Kontakte, so Eichberg, und die damit verbundene Werbung für Bad Bertrich würden jeden Werbe-Etat der Gemeinde und der Touristik-Agentur sprengen und sind mit Geld nicht zu bezahlen. Müssen sie in diesem Fall auch nicht: Die Messeveranstalter in Lugano übernehmen Flug- und Hotelkosten für die Bertricher Delegation.