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Wo bald die goldisch Lichtcha auf Dennespitzen blitzen

Wo bald die goldisch Lichtcha auf Dennespitzen blitzen

"Weßt da noch": So heißt das erste Buch von Günter Schneider. Der Autor, durch und durch Eifeler, besser Oberscheidweilerer, widmet es dem Dialekt, dem besonderen Humor, den Menschen seiner Heimat, persönlichen Erlebnissen eben: "Weßt da noch".

Oberscheidweiler. "Ich kam dahin. Wir waren acht oder neun. Die andern Ärzte, Akademiker, studierte Menschen. Und ich komme da als Eifelbauer hin und höre was von Lyrik und Prosa. Da bekommt man Komplexe! Aber nach ein paar Stunden waren wir ein Herz und eine Seele, und wir haben heute noch Kontakt."
So war das im Mai in Himmerod. Dort hat Günter Schneider ein Schreibseminar besucht. Und jetzt ist sein Buch fertig: "Weßt da noch" heißt es. Drin stehen Gedichte (Lyrik) auf Platt und Prosa, teils "Hochdeutsch", teils im Dialekt. Dass er mal ein Buch schreiben würde, hat er gar nicht vorgehabt, allerdings verfolgte ihn die Idee, einfach mal einiges aufzuschreiben: Für die Kinder (sieben), für die Enkel (15), damit nicht vergessen wird, was der Vater und Opa alles so erlebt hat. Letztendlich hat ihm das Seminar in Himmerod und dessen Leiter, Rüdiger Heins, den letzten Kick gegeben.
Vergangene Woche kamen dann die ersten Exemplare des Werks per Post zu ihm nach Oberscheidweiler. "Das war schon ein schönes Gefühl", sagt Günter Schneider. Schon als Landwirt hat er viel geschrieben: in eine Kladde: übers Wetter, die Ernte, über alles, was so im Betrieb passiert ist. Vor einem Jahr hat er dann an der Volkshochschule Bitburg einen Kurs gemacht und gemerkt, das es fürs Texten auch eines Handwerks bedarf: "Was ich vor zwei, drei Jahren geschrieben habe, wenn ich das jetzt lese, arbeite ich es noch mal durch. Der Sinn bleibt, aber anders formuliert."
Aber Himmerod war entscheidend, den Schritt zum Buch zu wagen. "Ich bin seit Mitte der 90er ein Fan von Himmerod und helfe auch, das wieder aufzubauen. In der Alten Mühle habe ich Gott zur Ehre Eintritt kassiert. Es hat mir sehr leidgetan, dass es den Bach runtergeht. Ich helfe, dass es wieder auf die Beine kommt. Das ist eine geistige Zelle, die muss leben." Und Himmerod ist Teil seiner Heimat, die ihm wichtig ist.
Rüdiger Heins sagt über Günter Schneider: "Er trägt ein Stück Eifelgeschichte in sich, die uns Einblicke in eine Landschaft gibt, die sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Auch die Eifelbewohner, die er schildert, sind bereits ein Stück Geschichte, die sich lohnt, für die kommenden Generationen aufbewahrt zu werden." Und was macht für den so beschriebenen Mann die Heimat aus? "Die Eifel, das ist mein ein und alles. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Buch. Und der Eifeler, das ist ein Mensch, heimatverbunden, korrekt, etwas konservativ mit einem guten Schuss Misstrauen. Aber wenn er mal Freundschaft geschlossen hat, bleibt das so. Was ich noch liebe: seinen schönen trockenen Humor." Der findet sich auch im Buch. In Geschichten über die Reise nach China oder der Anekdotensammlung "Mir John zo Fooß noa Klausen". Passend zur Adventszeit kann man "Von drauß\' vom Walde komm\' ich her …" auf Oberscheidweiler Dialekt nachlesen. Darin blitzen "goldisch Lichtcha" auf "Dennespitzen" naturgemäß.
Bleibt noch, den Mann, der gerade seine Leidenschaft für Worte entdeckt hat, nach den Worten zu fragen, die ihn im Leben begleitet haben. Günter Schneider muss nicht lang überlegen: "Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück." sos
Extra

Günter Schneider, 73, ist zwar im Rheinland geboren, doch sechs Wochen nach seiner Geburt kehrten seine Eifeler Eltern ins Heimatdorf Oberscheidweiler zurück. Der spätere Landwirtschaftsmeister war Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsring Bernkastel-Wittlich und für die CDU in Orts-, Verbandsgemeinde und auf Kreisebene aktiv. 2004 hat der das Bundesverdienstkreuz erhalten. Das Buch "Weßt da noch" erscheint im Verlag edition maya, kostet 14,80 Euro und ist im Klosterladen Himmerod, der Touristinformation Manderscheid, der Bücherstube Thiel in Wittlich, dem Morgenfelder Hof in Eckfeld und im Landgasthof Janshen in Ellscheid erhältlich. Eine erste Lesung von Günter Schneider ist am Samstag, 8. Dezember, 19 Uhr im Bürgersaal Oberscheidweiler. sos