Wo bitte in Wittlich ist die Steinmühle? Wer nach ihr sucht, stößt auf ein Felsenwehr.

Landmarken : Ein Name, der in die Irre führt

Wo bitte in Wittlich ist die Steinmühle? Wer nach ihr sucht, stößt auf ein Felsenwehr.

An der Lieser liegen auf ihren 73 Kilometern zwischen ihrer Quelle in der Hocheifel und ihrer Mündung in die Mosel bei Lieser etliche Mühlen, beispielsweise Getreide- oder Ölmühlen. Eine der Mühlen, die auf Karten in Wittlich zwischen der Basten- und der Hasenmühle auf den Karten eingezeichnet sind, wird in der Liste der Naturdenkmäler des Kreises als Steinmühle bezeichnet.

Doch wer an dieser Stelle nachschaut,  findet dort kein Gebäude mit einem Mühlrad, mit dessen Hilfe früher einmal Steine geschliffen worden wären. Zu sehen gibt es dort Felsen im Wasser. An ihm verwandelt sich die vorher ruhig dahinfließende Lieser in einströmendes, strudeliges Gewässer. Bei den Wittlichern selbst hat diese Stelle der Lieser einen anderen Namen, dort heißt sie Felsenwehr. Willi Waxweiler, Heimatforscher aus Wittlich sagt: „Das ist mir unbegreiflich, dass man in der Literatur dazu ,Steinmühle’ sagt. Für mich ist eine Steinmühle  eine Mühle, die zum Rundschleifen von Steinen genutzt wurde.“ In der Datenbank der Kulturgüter der Region Trier gibt es eine Erklärung dafür, warum man den Felszug in der Lieser Steinmühle genannt hat. Dort heißt es: „In altersgrauer Vorzeit waren die Wassermassen der Lieser viel gewaltiger. Die Felsrippe bot Widerstand. Vom Wasser mitgeführte Steine stießen an die Rippe und wurden von dem strömenden Wasser kreiselartig gedreht.“ Weiter steht in der Beschreibung: „Sie schliffen in das darunter liegende Felsgestein Vertiefungen, die heutigen Tages noch als Strudellöcher von der frühen Tätigkeit des Wassers Zeugnis ablegen, und diese Bezeichnung rechtfertigen.“ Bis heute findet man noch Steine im Wasser, die eine sehr glatte Oberfläche und keine Kanten mehr haben. So könnten auch Steine ausgesehen haben, die von einer  Steinmühle bearbeitet worden sind. Übrigens kann man im bayrischen Marktschellenberg die letzte traditionelle Steinmühle Deutschlands besichtigen.

Steinmühlen wurden früher auch Kugelmühlen genannt. Sie dienten dem Rundschleifen von Steinen. Die Kugeln wurden lange Zeit als Munition der Artillerie verwendet und für mittelalterliche Katapulte gebraucht. Als Murmeln waren sie beliebtes Spielzeug, und in der Architektur wurden sie als dekorative Elemente eingesetzt.

Foto: Christina Bents. Foto: Christina Bents

In der Nähe der Steinmühle in Wittlich wurde Wasser abgeleitet für den Mühlenteich der Hasenmühle. Egal, ob man nun Steinmühle oder Felsenwehr zu diesem Naturereignis sagt: Es ist eine Stelle in der Natur, die eine besondere Ausstrahlung auf die Menschen hat. Die Hasenmühle, eine ehemalige Himmeroder Müle, ist nach ihrem Pächter Gangolph Haaß benannt. Der Name der Bastenmühle geht wohl auf den in der Müllersfamilie Feiden gebräuchlichen Vornamen Sebastian zurück. Sie wurde viele Jahre als Gaststätte genutzt.

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