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Wo die Mühle heute noch klappert.

TV Serie Landmarken : Springiersbacher Mühlen bei Bengel mahlen seit fast 300 Jahren

Landmarke Springiersbacher Mühlen bei Bengel: Seit fast 300 Jahren kann mit Wasserkraft Korn gemahlen werden.

„Das Wandern ist des Müllers Lust.“ Wer kennt dieses Volkslied nicht? Aber weshalb sollten ausgerechnet Müller, die bei der Ausübung ihres Handwerks an einen Ort gebunden sind, besonders gerne auf Wanderschaft gehen? Walter Debald kennt die Antwort: „Mühlen wurden früher nur für sechs Jahre verpachtet“, erklärt der 69-Jährige. „Dann musste der Müller weiter wandern.“ Das sollte vor Seilschaften – man könnte auch sagen Korruption - bei dem für die Bevölkerung lebensnotwendige Handwerk schützen.

Jetzt ist Walter Debald quasi der Müller der Springiersbacher Kloster- und Ölmühle. Auf Wanderschaft gehen muss der 69-Jährige aber nicht. Als Bürgermeister der Ortsgemeinde Bengel (bis Frühjahr 2019), zu der Springiersbach mit der Kloster- und der Ölmühle gehört, sorgte Debald dafür, dass die historischen Betriebe restauriert wurden und heute voll betriebsfähig Einblick in die Lebensweise in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten und die Technikgeschichte geben.

Für Wanderer sind die Springiersbacher Mühlen, prägnant an der Bundesstraße 49 durchs Alftal an die Mosel an der Einmündung zum Kloster Springiersbach gelegen, ein lohnendes Ziel. Das Café der neben den Mühlen liegenden Straußenfarm des Artisten, Clowns und Comedian Christoph Engels ist zwar momentan geschlossen und das weitläufige Gelände steht zum Verkauf (siehe Extra), aber Debald erzählt gerne, anschaulich und kurzweilig über die Mühlen und das Leben im Alftal in früheren Zeiten.

In Kinderbeuern aufgewachsen wurde er selbst noch mit dem Handkarren die etwa fünf Kilometer zur Klostermühle geschickt. Debald hat noch erlebt, wie Korn, in der Ölmühle bis 1962, aber auch Raps, von Schulkindern gesammelte Bucheckern oder Traubenkerne verarbeitet wurden. Mit einem Schieber kann er das vom Alfbach abgeleitete Wasser auf das Mühlrad der Ölmühle leiten. Wie von Geisterhand fängt das etwa zwei Meter messende Zahnrad an sich zu drehen und überträgt die Wasserkraft auf Zahnräder und Antriebsriemen. Die Zähne sind aus Holz. „Die konnte der Müller auch leicht selbst ersetzen“, erklärt Debald. Denn Eisen war teuer und schwer zu beschaffen.

Die 1856 erbaute Ölmühle, die 1989 von der Gemeinde Bengel gekauft und bis 2002 überwiegend in Eigenleistung der Bürger restauriert wurde, ist die jüngere der beiden Mühlen. Noch 125 Jähre älter ist das einige Schritte entfernt liegende Gebäude der 1731 erbauten Getreidemühle. Man könne davon ausgehen, dass schon vorher eine Mühle hier gestanden habe, sagt Debald. Die uralten Steine des sogenannten Transmissionsbodens, dem Keller, mit den Antriebsmaschinen und der Haupttransmissionswelle, könnte ein Indiz dafür sein.

Urkundlich belegt ist allerdings nur der Auftrag des 30. Abts der Springiersbacher Augustinerchorherren, Johann Heinrich von Wassenberg, zum Bau der heutigen Klostermühle. Diese wurde bis zur Säkularisierung durch Napoleon 1803 vom Kloster beziehungsweise dem daraus hervorgegangenen Ritterstift von angestellten Müllern bewirtschaftet. 1827 kaufte der bereits 57-jährige Bernhard Schlöder aus Zell Kloster- und Ölmühle und begründete so fünf Jahrzehnte Müllerdynastie bis 1990.

Dem letzten Klostermühlen-Müller Johannes Bernhard Schlöder ist es zu verdanken, dass das Inventar nahezu komplett erhalten war, als die Gemeinde Bengel das Gebäude übernahm. Bis 1989 hatte er noch gemahlen, erzählt Debald. Das Geschäft machten da schon längst die industriellen Mühlen. Seinen beiden Söhnen ermöglichte Schlöder das Studium der Mathematik und Agrarwissenschaften. Doch die Mühle wollte er ihnen offensichtlich erhalten. Ein Glücksfall, denn so kann Debald, der nach seinem Ausscheiden aus der Politik  einen Förderverein für den Erhalt des Gewerbedenkmals gründete, außer einer intakten Öl- auch eine Getreidemühle vorführen.