Wo die Wahl zur Party wird

Der Besuch in den Wahllokalen der Region zeigt, wie unterschiedlich die Arbeit der Helfer ist und wie man Bürger zum Wählen bringt.

Foto: (m_huns )
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Alle suchen nach dem Rezept für mehr Wahlbeteiligung - die Basberger haben es offensichtlich. Fast 97 Prozent der Wahlberechtigten haben vergangenes Jahr über den neuen Landtag abgestimmt - so ähnlich läuft das jedes Mal in dem 86-Einwohner-Dörfchen im Landkreis Vulkaneifel. Grund genug, einmal während der Wahl vorbeizuschauen und nachzufragen: Wie macht ihr das?

Jeder Wähler, der das Wahllokal im Basberger Gemeindehaus betritt, bekommt Sahnekuchen, selbstgepressten Apfelsaft, Sprudel und einen Wahlschein angeboten. Im Kamin glimmen Kohlen, der kleine Raum mit dem großen Holztisch in der Mitte duftet nach Kaffee. Bürgermeister Franz-Josef Diedrichs, der als Vorsteher bei der Wahl mithilft, sagt: "Unser Ort ist so klein, dass jeder Wähler mehr als ein Prozent zum Gesamtergebnis des Ortes beiträgt - so spüren wir sehr deutlich, welchen Einfluss unsere Stimme hat."

Bei ihrer Wahlparty nach 18 Uhr schauen die Basberger zusammen die Hochrechnungen an und lassen es sich gut gehen. Für das Dorf ist die Wahl ein Event. Diedrichs nimmt die Papierabdeckung von der grauen Urne auf dem Tisch, damit Jutta Kanther ihren Stimmzettel einwerfen kann. Sie ergänzt: "Unsere Kinder bekommen bei der Wahlparty mit, wie wichtig die Wahl für uns ist, das prägt sie."

Im alten Wittlicher Rathaus ist kein ausgelassenes Plaudern zu hören, acht Männer und Frauen stehen in einer Schlange vor den vier Wahlhelfern und unterhalten sich mit gedämpfter Stimme über das Oktoberfest und den Brötchenkauf, der nach der Wahl ansteht. Thomas Surges wirft seinen Wahlzettel in die Urne und bahnt sich seinen Weg an den Wartenden vorbei nach draußen. "In anderen Ländern müssen Menschen für das Recht, zu wählen, sterben - wir sollten uns immer wieder bewusst machen, wie wichtig eine freie Wahl für unser Zusammenleben ist", sagt er. Dass alle bisherigen Fraktionen die Wahlperiode auf fünf Jahre verlängern wollen, hält er für unnötig. "In vier Jahren kann man in der Politik schon einiges umsetzen", sagt er.

Immer mehr Wähler nutzen die Gelegenheit, sich vorher per Briefwahl zu entscheiden - das merkt der stellvertretende Wahlvorsteher Klaus Becker in Maring-Noviand (Landkreis Bernkastel-Wittlich) auch. Jeder dritte Wahlberechtigte habe im Bezirk Noviand/Siebenborn bereits vorher abgestimmt, sagt er. Thereza Simonis gehört nicht dazu, sondern kommt mit Mann an der Seite und einjährigem Sohn auf dem Arm persönlich vorbei. "Wer nicht wählt, darf sich auch nicht darüber aufregen, wenn etwas schiefläuft", sagt sie. Dann steigt sie zu ihrer Familie ins Auto und fährt zum nächsten Termin - die drei haben die Wahl mit einem Brunch bei Freunden verbunden.

Jan Herbst und die anderen Wahlhelfer in Schönecken (Eifelkreis Bitburg-Prüm) haben etwas mehr Arbeit mit dem Auszählen. In der geräumigen Veranstaltungshalle Forum im Flecken stimmen die Bürger nicht nur über die Bundespolitik, sondern auch über den Landrat und über den Bürgermeister ab. Auch wenn für die letzteren beiden Ämter je nur ein Kandidat zur Wahl steht: Dreimal so viel Zettel müssen ausgezählt werden. Die Stimmzettel aus der Briefwahl nehmen Herbst und seine Kollegen schon während der Wahl aus den Umschlägen und werfen sie zu den anderen Zetteln in den Urnen. In Fließem (Eifelkreis Bitburg-Prüm) geht der 18-jährige Julius Buske zum ersten Mal wählen. Er ist mit seinen Eltern ins Wahllokal gekommen. Jetzt, da er abstimmen darf, will er sofort mitmachen - "sonst wäre meine Stimme verschenkt."

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