Wo es ihm gefällt, da bleibt er auch

An der Dhron bei Rapperath hat sich ein Biber eingerichtet. Experten vermuten, dass er aus der Eifel zugewandert ist.

Eindeutige Fußspuren hat der Biber an der Dhron bei Rapperath hinterlassen. TV-Foto: Ursula Schmieder

Rapperath. Die Frage, ob Biber oder Nutria ist geklärt. Bei dem Einwanderer an der Dhron bei Rapperath handelt es sich tatsächlich um einen Biber. Morbachs Forstrevierleiter Karl-Heinz Bernardy erinnert sich noch gut an seine Zweifel, als ihm ein Spaziergänger von seiner Vermutung berichtete. Denn der rund einen Meter lange Biber und die etwa 60 Zentimeter messende Biberratte werden - einzeln in freier Natur beobachtet - schon einmal verwechselt. Doch der in Deutschland unter Naturschutz stehende Biber hat unverwechselbare Spuren an der Dhron hinterlassen. So knabbern Nutrias zwar auch Hölzer an, fällen sie aber nicht. Außerdem tobt sich die Biberratte an Stämmchen aus, die mit einer Hand zu umschließen sind. Ein Biber wagt sich mit seinen bis zu 35 Kilo Gewicht da schon an stattlichere Stämme von 70 Zentimetern Durchmesser, was beim späteren Transport ins Wasser deutliche Schleifspuren hinterlässt. Bei genauerem Hinsehen sind zudem die von ihm gebauten Dämme auszumachen oder die Eingänge der unter Wasser liegenden Gänge.Bei dem Neuzugang, der sich aus freien Stücken an der Dhron niedergelassen hat, handelt sich daher eindeutig um einen Biber. "Dass gerade hier einer hingerät, ist schon eine kleine Sensation", betont Bernardy. Denn wenn junge Biber neue Reviere suchten, achteten sie vor allem auf eine Wassertiefe von vorzugsweise gut einem Meter, was an der Dhron eher weniger gewährleistet sei. Wichtig bei ihrer Entscheidung sei zudem eine ausreichende Vegetation im Uferbereich. Während sowohl im Saarland als auch im Raum Simmern Vorkommen bekannt sich, gehen Experten im rheinland-pfälzischen Biberzentrum davon aus, dass der Rapperather Biber aus der Eifel zugewandert ist. Ob er an der Dhron bleibt, muss sich jedoch zeigen. Den Winter über hat er sich dort jedenfalls offenbar wohl gefühlt. Er habe eifrig an einem Damm gebaut, berichtet Bernardy. Durch den Menschen lasse er sich bei solchen Aktivitäten kaum stören: "Wenn es dem Biber irgendwo gefällt, bleibt er da."Dennoch werden Biber nicht generell mit offenen Armen empfangen. Denn wer liebend gern an Rinde knabbert und Bäume fällt, macht kaum einen Unterschied zwischen Buche oder Obstbaum. Lediglich Eichen verschmäht er. "Wegen der Gerbsäure ist Eiche vermutlich nicht so schmackhaft", erklärt Hundheims Revierleiter Guido Haag. Hinzu kommt, dass sich die unterirdischen Gänge, die der Biber in den Uferrandstreifen in die Wiesen hinein gräbt, als Ärgernis für Landwirte erweisen. Bricht ein Traktor in einen der bis zu 40 Zentimeter breiten Gänge ein, ist der Schaden mitunter groß. Seit 1840 in Europa praktisch ausgerottet

Der größte Feind des Bibers sind aber von jeher die Jäger. Biberfell war früher sehr begehrt und die sesshaften Tiere waren eine leichte Beute. Außerdem waren die als Fische geltenden Biber eine geschätzte Fastenspeise. Mit zum Verhängnis wurde den Tieren, dass ihr Drüsensekret als heilend und potenzsteigernd galt. In Rheinland-Pfalz galt der in früheren Zeiten in ganz Europa verbreitete Biber seit 1840 praktisch ausgerottet.Um Konflikten von vorneherein vorzubeugen, gibt es laut Bernardy bereits Überlegungen, im Rahmen der Flurbereinigung Land zu tauschen. Ziel sei, die betroffenen Uferstreifen ins Eigentum der Gemeinde zu bekommen. Außerdem will das Biberzentrum die Öffentlichkeit informieren, weshalb im Herbst ein Vortrag im Weiperather Holzmuseum geplant ist. Biberzentrum "Naturerlebniszentrum Wappenschmiede" in Fischbach/Dahn, Telefon 06393/993406 oder info@biber-rlp.de.