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Wo ist noch Luft für mehr Windkraft?

Kreis Bernkastel-Wittlich : Wo ist noch Luft für Windkraft

Beim Ausbau der Windenergie herrscht derzeit eine Flaute. Es kommen kaum neue Anlagen hinzu. Der TV hat die Kommunen im Landkreis Bernkastel-Wittlich gefragt, wo weitere Windräder aufgestellt werden könnten.

Bis zum Jahr 2030 soll der Stromverbrauch im Land Rheinland-Pfalz vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, so lautet der Plan der Landesregierung. Stärkstes Zugpferd zur Erreichung dieses ökologischen Ziels in zehn Jahren soll die Windkraft sein. Die weißen Stahlriesen sollen zwei Drittel des benötigten grünen Stroms liefern. Der Rest soll durch Photovoltaik und Wasserkraft erzeugt werden. Gegenwärtig hat die Windenergie nach Angaben des Ministeriums an der Brutto­stromerzeugung in Rheinland-Pfalz einen Anteil von 28,6 Prozent. Bei der regenerativen Stromerzeugung sind es 60 Prozent. Nach Angaben des Energieministeriums standen Ende 2019 in Rheinland-Pfalz 1769 Windräder mit einer Gesamtleistung von 3665 Megawatt.

Um die ehrgeizigen Ziele für eine Energiewende bis 2030 zu erreichen ist beim Ausbau allerdings nun Tempo gefragt. Denn in zehn Jahren müssten dafür etwa 2650 Anlagen in Betrieb sein.

Flaute Doch der Ausbau der Windenergie erlebt derzeit eine regelrechte Flaute. Es kommen kaum neue Windräder hinzu.

In den ersten drei Quartalen 2019 waren es im Bundesland nur 26 Anlagen mit insgesamt 86 Megawatt. „Das ist ein Einbruch des Zubaus um mehr als 70 Prozent im Vergleich zu 2014“, hieß es dazu Anfang des Jahres aus dem Umweltministerium. Die Interessenvertreter der Windkraftindustrie schlagen Alarm: Wegen komplizierter Genehmigungsverfahren sei der Ausbau von Windkraftanlagen ins Stocken geraten.

Um die Energiewende zu meistern, soll zukünftig neben der Errichtung leistungsfähigerer Anlagen vor allem mehr Fläche für Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Grundsätzlich stehen dazu nach Angaben der Landesregierung potenziell rund sechs Prozent der Landesfläche zur Verfügung. Als Grundsatz wurde festgelegt, mindestens zwei Prozent der Landesfläche, Wiesen und Wälder, für die weißen Riesen zu reservieren. Doch viele Verbandsgemeinden und Kommunen im Land bringen es nicht auf die geforderten zwei Prozent. Da fragt man sich, wo der Platz für weitere Windräder herkommen soll. Der TV hat die Verbandsgemeinden im Landkreis Bernkastel-Wittlich gefragt, wo sie auf ihrem Terrain noch Kapazitäten sehen.

Thalfang In Sachen Ökostrom ist die kleinste Verbandsgemeinde im Landkreis zugleich die größte: Denn in der VG Thalfang drehen sich im Landkreis die meisten Windräder. Beinahe die dreifache Menge ihres jährlichen Stromverbrauchs von 50 000 Megawattstunden werden jährlich in der VG Thalfang selbst erzeugt. Die 279 Photovoltaikanlagen, 32 Windräder, eine Biogas- sowie eine Wasserkraftanlage in der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf produzieren im Jahr 140 000 Megawattstunden. Die kleine Verbandsgemeinde hat also in puncto grüner Energie ihre Hausaufgaben mit Bravur erledigt. Wie Vera Höfner, erste Beigeordnete, erklärt, sei es dennoch wünschenswert, die Erzeugung nachhaltiger Energien zu steigern. In der Ortsgemeinde Gielert seien zwei weitere Windräder in der Planung. In Heidenburg solle eine weitere Photovoltaikanlage entstehen. Mehr grüne Energie könne zudem durch die effizientere Nutzung der vorhandenen Flächen gewonnen werden. Höfner: „Zudem legen wir großen Wert auf die Senkung des Energieverbrauches in unserer Kommune mittels verschiedener Maßnahmen wie der Umstellung auf LED-Beleuchtung, Gebäudedämmung, Elektromobilität, Quartierskonzepte und weiteres.“

VG Wittlich Land Auf der Eifelseite des Landkreises drehen sich bis dato noch keine Windräder. Die kürzlich vom Verbandsgemeinderat abgesegnete Planung, 1,2 Prozent der VG-Fläche für Windkraft auszuweisen, muss noch von höherer Stelle abgesegnet werden. „In der VG Wittlich-Land stehen noch keine Windenergieanlagen. Im Bau befinden sich ebenfalls keine Anlagen. Es gibt zwischen Investoren und Ortsgemeinden und Privatgrundstückseigentümern Vereinbarungen“, sagt Bürgermeister Dennis Junk. Konkrete Planungen lägen jedoch noch nicht vor, sagt er. Doch warum räumt die VG Wittlich-Land der Windkraft weitaus weniger Fläche ein als die landesweit geforderten zwei Prozent? Junk: „Von den ursprünglich angedachten fünf Prozent mussten aufgrund von Vorgaben wie den Abstandsregelungen, naturschutzrechtlichen, wasserwirtschaftlichen, denkmalschutzrechtlichen oder auch luftverkehrsrechtlichen Belangen die Ausweisung von Eignungsflächen zur Errichtung von Windenergieanlagen auf 1,2 Prozent reduziert werden.“ Dazu habe sich die VG noch selbst Tabu-Kriterien wie eine erforderliche Windhöffigkeit, für Windkraft geeignete Standorte, und touristische Belange auferlegt. Aufgrund der Vorgaben und Gegebenheiten in der Verbandsgemeinde, sagt Junk, sei es gar nicht möglich, weitere Flächen für die Windkraft auszuweisen. Nichtsdestotrotz erzeugt die VG Wittlich-Land bereits 75 Prozent der Energie, die sie verbraucht, auf regenerative Art und Weise. 19 große Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind in den Ortsgemeinden zu finden.

Neun weitere PV-Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als 17 000 Megawattstunden sind geplant. Zur Gesamtleistung tragen aber auch mehr als 1500 kleinere Photovoltaikanlagen auf den Dächern der VG bei. Ebenso grüne Energie liefern neun Biogasanlagen mit 13 Blockheizkraftwerken. Zwar kann die VG Wittlich-Land ihren jährlichen Stromverbrauch von 117 600 Megawattstunden noch nicht ganz decken, mit ­92 400 Megawattstunden aus erneuerbaren Energien und damit einer Deckungsquote von knapp 79 Prozent ist sie aber auf dem besten Weg dorthin.

Traben-Trarbach In der Mosel-Verbandsgemeinde stehen und drehen sich derzeit noch überhaupt keine Windräder. Allerdings ist die Verbandsgemeinde über die Energiegemeinschaft Traben-Trarbach AöR am Windpark am Ranzenkopf beteiligt. In der VG selbst sind noch keine Flächen für Windkraft ausgewiesen. Doch die Planungen laufen. „Derzeit ergeben sich elf Konzentrationszonen mit 34 Potenzialflächen für die Windenergienutzung in einem Gesamtumfang von 1039 Hektar“, erklärt VG-Bürgermeister Marcus Heintel. Das wären rund 5,1 Prozent der Fläche. Man darf allerdings gespannt sein, was nach Abschluss der Planung übrig bleibt.

Die Potenzialflächen liegen auf den Gemarkungen Flußbach, Bausendorf, Bengel, Reil, Kinheim, Kröv, Burg, Enkirch, Irmenach und Traben-Trarbach. Heintel: „Zudem wird bei uns derzeit Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden diskutiert und geprüft. Auf der Kita Kinheim und der Freibadumkleide in Kröv sind zum Beispiel schon Anlagen installiert. Auf dem Dach der Grundschule Traben-Trarbach wird derzeit eine Anlage aufgebaut. Im übrigen ist eine weitere Ausweisung von Freiflächenphotovol­taikanlagen im Gespräch.“

Bernkastel-Kues In der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues wurden in der bereits siebten Teilfortschreibung „Windenergie“ des Flächennutzungsplans 478,3 Hektar für weiße Stahlriesen ausgewiesen. Das entspricht 1,92 Prozent der Gesamtfläche der VG Bernkastel-Kues.

In der Verbandsgemeinde drehen sich derzeit 29 Windenergieanlagen. Sechs weitere Anlagen befinden sich in der Planung. 2019 erzeugten die Windräder 175 000 MWh Strom.

Die Jahresstromproduktion aus erneuerbaren Energien liegt mit 200 000 MWh bereits über dem Stromverbrauch von 130 000 MWh in der Verbandsgemeinde. Die Energiewende ist damit bereits zu 150 Prozent bereits vollzogen.

Eine Ausweisung weiterer Flächen für Windkraft ist nach Angaben der Verwaltung nicht geplant.

Morbach Die verbandsfreie Gemeinde Morbach hat in ihrem Flächennutzungsplan etwa 3,1 Quadratkilometer für die Windkraft ausgewiesen, das sind etwa 2,55 Prozent der Gesamtfläche Morbachs.

 Auf dem Boden der Gemeinde drehen sich bereits elf Windräder. Zudem betreiben die Morbacher ein Windrad in der Exklave in Brauneberg. Durch die neuen Windkraftanlagen in der Energielandschaft (Repowering), die seit Ende 2019 in Betrieb sind, sowie die Windkraftanlagen am Ranzenkopf auf Morbacher Gemarkung und dem Rad in Brauneberg werden knapp 120 Megawattstunden erzeugt

 Insgesamt werden 2020 in der Gemeinde Morbach mehr als 130 000 MWh Strom aus erneuerbaren Energien wie auch Photovoltaik und Biogasanlagen erzeugt. Mit Großindustrie wie Papier Mettler verbraucht die VG dagegen insgesamt rund 296 000 Megawattstunden im Jahr.

 Mögliche Standorte für mehr Windräder sind zwar im Flächennutzungsplan bereits ausgewiesen. „Doch das 15,5 Hektar große Areal für Windkraft auf den Gemarkungen Merscheid und Elzerath wird aus Artenschutzgründen nicht genutzt“, sagt Bürgermeister Andreas Hackethal. „Um eine technische Überprägung der Hunsrück­landschaft zu vermeiden, sollten keine weiteren Flächen ausgewiesen werden. Dagegen stehen auch das Radar am Erbeskopf, der Naturpark Saar-Hunsrück, der Bauschutzbereich Flughafen Frankfurt/Hahn sowie diverse Wasserschutzgebiete, Naturschutzgebiete und weiteres.“ Auch müsse der Abstand zu den Dörfern gewahrt bleiben, sagt Hackethal.

Bezogen auf die Einwohner (Haushalte) inklusive Landwirtschaft und Kleingewerbe hat die Einheitsgemeinde Morbach bei der Stromproduktion die Energiewende bereits seit fast 20 Jahren erreicht und überschritten. Aufgrund des sehr hohen Industrie- und Großgewerbeanteils mit extrem hohem Stromverbrauch in der Gemeinde ist dieses Ziel für Morbach insgesamt aber schwer zu erreichen.