Wo Kinderträume wahr werden

Bengel · Nach der Premiere im vergangenen Jahr hat das Mosel-Jonglier-Festival bei der zweiten Auflage an drei Tagen mehrere Hundert Besucher zur Klostermühle von Bengel gelockt. Allein zur Zirkusgala unter freiem Himmel kamen 300 Zuschauer.

Gebannt schauen beim dreitägigen Mosel-Jonglier-Festival an der Klostermühle von Bengel zahlreiche Zuschauer unter anderem dem Jongleur Stefan Sing zu. TV-Foto: Holger Teusch

Bengel. Der Mann, der zuvor die Schwerkraft scheinbar außer Kraft setzte, hockt auf dem ehemaligen Heuboden der Bengeler Klostermühle. Am "Chinese Pole", einer einfachen, vertikal aufgestellten Stange mit einem kleinen Podest an der Spitze hatte Andreas Bartl geturnt, wie es sich im Publikum wohl niemand auch nur in der Horizontalen vorstellen konnte.
Und nun zeigt er das kleine Einmaleins der Artistik. Lektion eins: Kopfstand. "Ihr müsst den Druck irgendwo zwischen Stirn und Scheitel haben", erklärt der studierte Zirkuskünstler knapp einem Dutzend Kindern und Jugendlichen. Dann heißt es ausprobieren: Das Gewicht gleichmäßig auf das Dreieck, das Kopf und Hände bilden, verteilen. Dann mit den Füßen nach vorne wandern und die Knie auf die angewinkelten Arme stellen. Das wird geübt, bis es sitzt. Bis zum richtigen Kopfstand sind es noch zwei weitere Zwischenschritte. Selbst bei so einer simplen Übung wird klar: Was da in der Open-Air-Zirkusgala so federleicht aussah, muss hart erarbeitet werden.
Wie viele Stunden Übung stecken dahinter, wenn Bartls Körper waagerecht am Chinese Pole zu kleben scheint? Oder wenn Stefan Sing bei seiner Jonglage scheinbar mühelos sieben Bälle zu dirigieren scheint? Der zwölfjährige Felix Wenner kann es erahnen. "Im Turnunterricht habe ich mal ein bisschen jongliert. Aber es hat nicht wirklich geklappt", erzählt der Junge aus Wittlich, der mit seinen Großeltern ins Alftal gekommen ist. Die Vorstellung unter freiem Himmel als Höhepunkt des dreitägigen Mosel-Jonglier-Festivals lockte ein bunt gemischtes Publikum in die Freiluftarena. "Es hätten ruhig noch 100 mehr sein können", sagt Organisator Christoph Engels. "Es ist eine sehr schöne, lockere Atmosphäre. Man kann sich ungezwungen bewegen, essen, trinken, sich unterhalten und dabei den Künstlern zuschauen", beschreibt Karin Hoffmann aus Bernkastel-Kues die Zirkus-Stimmung unter freiem Himmel. "In so einem Stil habe ich das noch nicht erlebt", sagt Ralf Gröff aus Bullay. "Das ist schön für die Region", ist Peter Kallfels aus Bengel begeistert, dass es eine solche Veranstaltung am Rand der 900-Einwohner-Gemeinde gibt. Für Engels ist auch wichtig, dass die Workshops mit 50 Teilnehmern gut angenommen werden. Es sind nicht nur renommierte Künstler wie Sing, Bartl, die Niederländerin Karin De Wit mit ihren Hula-Hoop-Reifen oder Trapezkünstlerin Lisa Rinne, die drei Tage lang Kurse geben. Aus der Region ist beispielsweise die "NuMotion Dance-Company" aus Minheim mit dabei, um mit Jugendlichen Hip-Hop zu üben.
Proben auf altem Heuboden


Mit ihren Kopfstand-Übungen bei Andreas Bartl sind die Jugendlichen gut vorangekommen. Auch Celina Wädow und Lea Gronemeyer nutzen den alten Heuboden, um für ihren Auftritt zu üben. Nachdem am Samstag die Open-Stage-Mitmachshow Tageshöhepunkt war, beschließen die 14- und die Neunjährige sonntags mit dem Kinderzirkus Rambazotti aus Kassel das Mosel-Jonglier-Festival. Fast schon wie die Großen balanciert Celina ihre Partnerin auf den Füßen und Händen. Anstrengend? Die Jugendlichen merken nichts davon: "Es macht einfach Spaß", sagt Celina lachend.