Wo Loretta den Erzbischof gefangen hielt

Wo Loretta den Erzbischof gefangen hielt

Starkenburg - der kleinste Ort in der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach - hat eine große Vergangenheit. Auf der Starkenburg hielt Gräfin Loretta von Sponheim 1328 einen der wichtigsten Männer Deutschlands gefangen: den trierischen Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Luxemburg. 1690 wurden die letzten Mauern der Starkenburg niedergerissen.

Starkenburg. "Das Grauen der Geschichte deckt manchen Edelstein, enthüllt strahlt er im Lichte, von neuem hell und rein!"
Dieser Spruch, von meinem Vater, dem Bildhauer Bernhard Wendhut (1875 bis 1941), in Sandstein gemeißelt, steht inmitten der von ihm geschaffenen Figuren und Ornamente am Lorettahaus in Traben. Dieses wurde zu Ehren der Gräfin Loretta von Sponheim, die als Witwe für ihren unmündigen Sohn Johann III. von 1322 bis 1331 die Grafschaft regierte, zwischen 1904 und 1907 errichtet. Ich möchte diesen Sinnspruch meinen Ausführungen voranstellen.
Dorf Geschichte(n)


Seit etwa 1190/91 ist das feste Schloss Starkenburg im Besitz des Grafen Gottfried II. mit der Gräfin Adelheid von Sayn als wohl erstem Besitzer (laut Vogts) bezeugt. Nach ihm lebten und regierten dann wohl noch sechs Generationen auf der Burg, wobei allerdings die letzten drei Generationen ihre Zeit immer öfter auf der wohl wohnlicher ausgestatteten Grevenburg verbrachten, bis das Geschlecht dann am 24. Oktober 1437 mit dem Tod des letzten Grafen, Johannes V., erlosch. Die Burg verfiel.
Die letzten Mauern ließ um 1690 der französische Kriegsminister Louvois niederreißen. Die Steine und Hölzer wurden von den Bewohnern zum Bau ihrer Häuser verwandt.
Die Ereignisse in den nächsten Jahrhunderten sind des Öfteren dokumentarisch festgehalten, so dass diese nicht mehr extra aufgeführt werden müssen.
Ein großes Ereignis war dann im Jahr 1855 der vom damaligen Amt Enkirch betriebene Straßenbau von Enkirch nach Starkenburg zwecks Anschlusses an die Provinzialstraße Trarbach-Irmenach. Bis dahin gab es nur einen Fuhrweg auf der Aringsbacher Seite nach Enkirch, der an der Klause endete.
Man muss sich nur vorstellen, was alles von und nach Starkenburg transportiert wurde über diesen bestimmt nicht ganz einfachen Weg. Man muss bedenken, dass erst 1739 die Erlaubnis erteilt wurde, in der Schlosshofraitung in Starkenburg die Toten zu bestatten. Bis dahin mussten alle Toten in Enkirch beerdigt werden. Als die Burg noch bewohnt war, wurden die einfachen Leute an einem bestimmten Platz an der Burg beerdigt, und das auch bei jedem Wind und Wetter, Schnee und Glatteis - eine bestimmt nicht ganz einfach auszuführende Arbeit.
Grabstein eines Maurermeisters


Beim Bau dieser neuen Straße 1855 war auch der Starkenburger Maurer und Baumeister Johann Scheuer maßgeblich beteiligt. Unter seiner Anleitung wurde zum Beispiel der ganze Felsen am Schloss, der jetzt für die Straße entfernt werden musste, in mühsamer Handarbeit weggepickelt. Sein Monogramm mit Jahreszahl ist dort noch heute nachzulesen. Vor Jahren hat mich Arno Scheuer, ein Nachfahre, der noch im alten, von seinem Vorfahr erbauten Haus wohnte, gefragt, ob ich die alten Sandsteingewände im Keller, die im Laufe der Zeit aus den Fugen geraten waren, wieder ordentlich zusammensetzen könnte. Was dann auch geschah.
Als Lohn erbat ich mir den alten, auseinandergenommenen Grabstein, der dort in einer Hausecke unter anderen Gerätschaften ruhte. Ich nahm ihn mit nach Dortmund, wo ich eine Bildhauerei betrieb. Der Stein wurde gereinigt, getrocknet, imprägniert und die einzelnen Teile wieder zusammengesetzt. Es war der Grabstein des Johannes Scheuer. Der Stein, von unten bis oben mit schönen Traubenornamenten verziert, in der Mitte sein Handwerkszeichen: Kelle, Winkel und Lot. Dazwischen Schmetterlinge und Schnecken, Zeichen der Unsterblichkeit und Beharrlichkeit. An der Seite, schön gestaltet in einer Kartusche, der Name des Bildhauers Matthias Engel, der Vater, der uns Älteren noch wohlbekannten Zahnärztin Frau Dr. Engel, die manchmal beim Erzählen die Fußbetätigung der Bohrmaschine vergaß - nicht immer ganz angenehm.
In der Mitte des Steines war eine Vertiefung für die nicht mehr vorhandene Schrifttafel. Dort befestigte ich meine Granitplatte, und in mühevoller Kleinarbeit wurde die gesamte Geschichte Starkenburgs eingemeißelt. Nachdem das alles geschehen war, wurde die ganze Anlage nach Starkenburg gebracht und an der Rückwand des kleinen Feuerwehrmuseums aufgestellt. Ich schenkte das Ganze der Gemeinde Starkenburg.
Der Stein steht zwar etwas abseits, aber die vorbeikommenden Wanderer können genau lesen, was schon damals in dem kleinen Starkenburg, in dem damaligen deutschen Land geschah, als in dem heute so großen Berlin sich in den Havel- und Spreeauen die Frösche noch "Gute Nacht" sagten. Man denke nur an die denkwürdige Tat der Gräfin Loretta, die auf der Starkenburg einen der mächtigsten Männer Deutschlands in Haft hielt. Sie hatte den trierischen Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Luxemburg im Jahr 1328 während einer Schiffsfahrt auf der Mosel gefangen nehmen lassen. Durch diese Tat wurde die Starkenburg im 14. Jahrhundert berühmt. Von dem Lösegeld, das ihr der Erzbischof zahlte, wurde allerdings nicht, wie des Öfteren angenommen, die Grevenburg erbaut, sondern die Frauenburg bei Idar-Oberstein, ihr Alterssitz, wo sie auch Anfang Februar 1346 verstarb.
Die Grevenburg und Stadtbefestigung ließ ihr Sohn Johannes III., auch der Edle oder Blinde genannt, zwischen 1350 und 1357 mit seiner Gemahlin Mechthild, Tochter des Pfalzgrafen Rudolf und Nichte des Königs Ludwig von Bayern, erbauen. Man sollte diesen beiden, die am damaligen und zum Teil heute noch bestehenden Stadtbild maßgeblich beteiligt waren, wohl mehr Beachtung schenken.

Von Wolfgang Wendhut aus Starkenburg

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