Wo Schüler und Rentner für Moore schuften

Wo Schüler und Rentner für Moore schuften

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz sucht freiwillige Helfer, die eine Woche lang bei der Wiederherstellung der Hunsrücker Moore mitanpacken. Es geht darum, Dämme zu bauen, um das Wasser in den seltenen Biotopen zu halten und so besonderen Arten wieder eine Chance zu geben.

Morbach/Hinzerath. Im vergangenen Jahr haben erstmals 70 Freiwillige im Oberluderbruch bei Hinzerath im Rahmen des EU Life-Projekts Moore geschuftet. Sie kamen aus ganz Deutschland und auch aus Spanien, um etwas für den Naturschutz zu tun.
Moritz Schmitt von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz sagt: "Vom Teenager bis zum Rentner war alles dabei. Es haben Leute mitgearbeitet, die etwas mit der Materie zu tun haben, wie Geografiestudenten, aber auch Verwaltungs- und Managertypen und Sozialpädagogen."
Vielen sei es darum gegangen, Abstand vom stressigen Leben zu bekommen und mit den Händen zu arbeiten. Wer Lust hat, erhält diese Chance bald wieder. Jeweils für eine Woche werden ab dem 21. April Helfer gesucht. Drei Gruppen à 25 Helfer sollen so drei Wochen lang in einem der für die Region typischen Hangbrücher (siehe Extra) arbeiten. Gewerkelt wird von 8 bis etwa 16 Uhr für Kost und Logis. Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist es, den Menschen Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge zu geben. Moritz Schmitt: "Wir freuen uns besonders über Helfer aus der Region, die ihr Wissen dann in die Breite tragen können." Die Helfer werden spezielle kleine Dämme bauen, die das Wasser im Schutzgebiet halten. Im vergangenen Jahr wurden 32 dieser Dämme errichtet.
Das Ergebnis: Das teilweise kaum noch ausgeprägte Moor, das einst für den Anbau von Fichten trocken gelegt wurde, entwickelt sich wieder in Richtung des ursprünglichen Zustands. Die typischen und seltenen Pflanzen wachsen besser und zahlreicher. Typisch sind beispielsweise die wasserspeichernden Torfmoose, der fleischfressende Sonnentau, die Orchideenart Geflecktes Knabenkraut, das Wollgras mit dem weißen Wuschelköpfchen und die Moosbeere. Letztere ist die einzige Futterpflanze für die Raupen des vom Aussterben bedrohten Hochmoor-Perlmuttfalters, der im Hunsrück im Rahmen des Projekts wieder angesiedelt werden soll. Doch nicht nur Tiere und Pflanzen haben etwas von der Renaturierung der Moore. Der Mensch profitiert davon, dass die Moore Kohlendioxid und Wasser speichern. Die Renaturierung dient also auch dem Klima- und Hochwasserschutz.
Bei der Suche und Betreuung der Helfer wird die Stiftung Natur und Umwelt vom gemeinnützigen Verein Bergwaldprojekt unterstützt. Der Verein organisiert freiwillige ökologische Arbeitseinsätze in ganz Deutschland.

Mehr Informationen zu dem Moor-Projekt gibt es unter www.life-moore.de. Interessierte können sich im Internet für das Projekt anmelden unter http://www.bergwaldprojekt.de/projekte/termine-anmeldung
Extra

Das Projekt EU Life zur Renaturierung der Moore wird von der Stiftung Natur- und Umwelt Rheinland-Pfalz, dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium, dem Landesamt für Geologie und Bergbau, Landesforsten und dem Naturschutzbund Nabu getragen. Es umfasst elf Projektgebiete in Hunsrück und Eifel. Im Hunsrück zählen dazu Teile des Naturschutzgebiets Hangbrücher bei Morbach, der Ortelsbruch und Auerhahnbruch, die Hangbrücher bei Hochscheid und Teile des Naturschutzgebiets Engelswasgeswiese. Mitinitiiert haben das Projekt, das bis 2015 läuft, Biotopbetreuerin Margret Scholtes aus Deuselbach und Hansjörg Dröschel, Leiter des Forstreviers Dhronecken. Die Kosten des Projekts betragen 2,75 Millionen Euro. Die Europäische Union (EU) zahlt die Hälfte. Hangbrücher sind spezielle Moore. Sie entstehen im niederschlagsreichen Klima der Hochlagen auf wasserstauenden Schichten am Hang. Die Brücher im Hunsrück sind Relikte der Eiszeit. Die ältesten von den Moosen gebildeten Torfschichten sind 9000 Jahre alt und bis zu zwei Meter dick. mai

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