Wo Soldaten einst verarztet wurden
Traben-Trarbach · Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges hat die Militärverwaltung im ehemaligen Handwerker-Erholungsheim bei Traben-Trarbach sowie im Kurhaus Wildbad ein Reservelazarett eingerichtet. Dort wurden zahlreiche Verwundete versorgt, die zuvor mit dem Schiff oder der Eisenbahn in die Moselstadt gebracht wurden. In der Bevölkerung herrschte eine außergewöhnlich hohe Hilfsbereitschaft, die sich auch in einer besonderen Spendenfreudigkeit äußerte.
Traben-Trarbach. Schon wenige Wochen nach Beginn des Ersten Weltkrieges trafen die ersten verwundeten Soldaten mit einem Schiff in der Moselstadt Traben-Trarbach ein. Um Kriegsversehrte aus den Kampfgebieten medizinisch versorgen und betreuen zu können, richtete das Sanitätsamt des VIII. Armeekorps kurze Zeit nach der Mobilmachung ein Reservelazarett in den Erholungs- und Kurbetrieben des Stadtteils Bad Wildstein ein.Der Traben-Trarbacher Lokalanzeiger vom 29. August 1914 berichtete: "Handwerker-Erholungsheim und Kurhaus Wildbad sind jetzt (...) mit 300 Betten vollständig eingerichtet. Dank der Opferfreudigkeit unserer Bürgerschaft und auch der Nachbarschaft vor allem der Gemeinde Enkirch, (...) sind die fehlenden Betten für dieses Reservelazarett nun alle beschafft worden. (...) Selbstverständlich solle es den hier untergebrachten Kriegern, die für uns alle geblutet, und die Mosel vor dem Überfall der Franzosen geschützt haben, an nichts fehlen."Trotz aller Bemühungen stellten sich jedoch bereits bei Ankunft der ersten 13 Verwundeten unerwartete organisatorische Schwierigkeiten heraus. So hatte man es versäumt, die Kriegsversehrten vor ihrer Ankunft in der Stadt beim Bürgermeisteramt Traben-Trarbach anzumelden und darüber in Kenntnis zu setzen, wo sie untergebracht werden sollen. Obwohl man es ab diesem Zeitpunkt vermeiden wollte, dass sich solche Vorfälle wiederholen, kam es in den Kriegswirren immer wieder zu derartigen Problemen.Stadt geschichte(n)
Der Einsatz moderner Waffen und Kriegstechnik an den Frontschauplätzen führte im Verlauf des Ersten Weltkrieges zu Millionen von Toten und zahlreichen Verletzten. Daher kamen während dieser Zeit auch sehr viele Lazarettzüge und -schiffe mit verletzten Soldaten nach Traben-Trarbach. Kriegsversehrte, die zu einem Weitertransport nicht in der Lage waren, wurden im städtischen Krankenhaus aufgenommen.Trotz der chaotischen Zustände und der großen Not, die mit dem Krieg einhergingen, war die Hilfsbereitschaft bei der Bevölkerung der Stadt bemerkenswert. Der Verwaltungsbericht des Traben-Trarbacher Bürgermeisters vom 3. März 1917 bezeugt: "Auffallend und aller Anerkennung wert ist die Tatsache, dass bei den auf dem hiesigen Bahnhofe eintreffenden Verwundeten-Transporten die Bevölkerung in der Verpflegung unserer Feldgrauen wetteifert, dass sie von ihren eigenen knappen Vorräten immer noch, wenn auch in bescheidenem Umfange, zur Verpflegung und Stärkung der fast immer erschöpft und hungrig eintreffenden Verwundeten abgibt, auch wenn - leider - die Ankunft derartiger Züge fast immer zu spät bekannt wird." Weiter heißt es: "Diese Gebefreudigkeit steht nach vielen Äußerungen der Feldgrauen selbst, und auch nach Bestätigung durch das Reservelazarett, schon seit geraumer Zeit gegenüber anderen Orten ganz vereinzelt da - ein Umstand, der (...) angenehm berührt und allgemein einen günstigen und aufmunternden Eindruck hervorruft." volksfreund.de/wk1 Extra
Das Handwerker-Erholungsheim wurde in den Jahren 1912/1913 von den Vereinigten Handwerkskammern Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau errichtet und am 31. Juli 1913 eingeweiht. Im Ersten Weltkrieg diente es als Reservelazarett des VIII. Armeekorps. Danach hatte es die Funktion eines Beamtenheims. Im Dritten Reich diente es als Gauschule der NSDAP und wurde während des Zweiten Weltkrieges wieder als Lazarett genutzt. Nach Kriegsende besetzten französische Streitkräfte das Heim. Im Jahre 1959 zog die Fernmeldehauptkommandantur der Bundeswehr in das Gebäude. Darüber hinaus nutzte auch das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr den Standort für viele Jahre. Seit 2002 beherbergt das Anwesen einen Fremdenverkehrsbetrieb. phi