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Wo "Wiesenvögelchen" sich wohlfühlt

Wo "Wiesenvögelchen" sich wohlfühlt

Eine Schmetterlingswanderung des Wandervereins Enkirch erfreute 30 Naturfreunde. Die Diplom-Bio-Geografen Sarah Alt und Christoph Grünfelder vermittelten während der Tour viel Wissenswertes über die anmutig flatternden Falter.

Enkirch. (GKB) Karl-Heinz Sülflow, Kreisvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte eine fünf Kilometer lange abwechslungsreiche Strecke mit den unterschiedlichen Lebensräumen der Tiere ausgesucht. Die beiden jungen Doktoranden der Universität Trier hatten Kescher dabei, und Christoph Grünfelder erbeutete flugs einen "Schornsteinfeger". Geschützt im Plexiglasröhrchen wanderte er von Hand zu Hand, bevor er wieder in die Freiheit fliegen durfte. Das Jagdglück blieb ihm zunächst hold, ein "Ochsenauge" schaute als nächstes in die Röhre, und der junge Forscher erkannte an der helleren Farbe, dass es sich um ein Weibchen handelte. Ein "Schwalbenschwanz" (kleines Bild) schwirrte im Sommerflieder, und immer wieder sprangen Alt und Grünfelder beherzt in Brombeeren und Brennesseln, um der flatterhaften Beute habhaft zu werden. Im Großbachtal geriet die Wissenschaftlerin beim Anblick einer Wiese mit vielen Wildblumen und hohen Gräsern ins Schwärmen: "Das ist paradiesisch." Schmetterlinge liebten unaufgeräumte Gärten. Die Brennessel beispielsweise sei eine wichtige Ei-Ablagepflanze für Tagfalter, und wer Schmetterlinge schützen wolle, sollte auch hochstehende Gräser im Garten haben und sie ausblühen lassen. Viele Arten legten ihre Eier an den Gräsern ab, die den Raupen dann auch als Nahrung dienten. "Das sind tolle Tiere", hat Alt festgestellt. Mama Schmetterling hat das richtige Gespür für kräftige, gesunde Pflanzen, die ihrem Nachwuchs das Überleben sichern. Doch wo waren "Mauerfuchs", "Landkärtchen" und "Großer Schillerfalter"? 14 Tagfalter-Arten hätten sich den Wanderern zeigen sollen. Am Vortag schwärmten sie noch durchs Großbachtal, aber der leise fauchende Wind und der bedeckte Himmel schmeckten ihnen jetzt nicht. "Schmetterlinge sind Sonnenanbeter", sagte Sarah Alt und ergänzte, dass es in den südlichen Bundesländern mehr Arten gebe als im kühleren Norden. Die milde Moselregion erweist sich da als Refugium für Falter, denen der Klimawandel letztlich ganz gelegen kommt. Viele Schmetterlinge sind bereits vom Aussterben bedroht, aber Christoph Grünfelder wusste auch Erfreuliches vor einer alten Eiche zu berichten: Der kaum gesichtete "Blaue Eichenzipfelfalter" stand jahrelang auf der Roten Liste. "Bis man sich auf die Suche nach seinen Eiern begab, die er auf der Eiche ablegt". Die verhießen wahrlich keine Nachwuchssorgen, und so wurde der Falter von der Roten Liste wieder gestrichen.Extra Schmetterlinge schützen Schmetterlinge bestäuben Blumen und dienen Vögeln und anderen Tieren als Nahrungsquelle. "Wer Schmetterlinge schützt, hilft dabei immer auch den Pflanzen und vielen anderen Tieren in den entsprechenden Lebensräumen", heißt es beim BUND. Mit den richtigen Blüten im Garten werden sie angelockt. "Wildpflanzen sind besser als Kulturpflanzen", lautet Sarah Alts Empfehlung. Die nützlichen Tiere schätzen ein Wildblumenbeet, hohe Gräser oder eine Wildblumenwiese; Disteln und Brennesseln gehören zu ihren Leibspeisen. Bis 7. November läuft noch die Aktion "Abenteuer Faltertage" des BUND, bei der dazu aufgerufen wird, heimische Schmetterlinge zu zählen. Unter den Teilnehmern verlost der BUND verschiedene Preise. Näheres unter " www.abenteuer-faltertage.de";, wo die Beobachtungen auch direkt eingegeben werden können. (GKB)