Wohnen in der Altstadt soll attraktiver werden: Stadtrat von Bernkastel-Kues beschließt 7,8 Millionen Euro für Sanierungsarbeiten
Bernkastel-Kues · Viele Gebäude in der Innenstadt von Bernkastel sind sanierungsbedürftig. Etwa 30 Prozent der Dächer müssen repariert werden, ergab eine Studie der Stadt. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat ein Förderprogramm beschlossen.
Bernkastel-Kues. Rechtzeitig die Weichen stellen, bevor es zu spät ist: Während in manchen Orten in der Region in den Innenstädten über Leerstände und Besuchermangel geklagt wird, wi ll der Stadtrat von Bernkastel-Kues einer solchen Entwicklung vorbeugen. Er hat in seiner Sitzung am Donnerstag die Grundlagen für ein Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von 7,8 Millionen Euro beschlossen, das über einen Zeitraum von zwölf Jahren Hausbesitzern finanzielle Unterstützung bieten soll. Dabei handelt es sich um Landesgelder mit einem Eigenanteil der Stadt in Höhe von zwei Millionen Euro. Konkret ging es in dieser Sitzung um die Ausweisung des Sanierungsgebiets "Historischer Stadtkern Bernkastel", das auch das Moselvorgelände mit einschließt. Dazu hatte die Verwaltung ein "Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept" verfasst.
Stadtbürgermeister Wolfgang Port hob hervor, wie wichtig es ist, Wohnungen in Altbauten an den aktuellen Standard anzupassen: "Wir müssen auch in Bernkastel funktionsfähige Wohnungen schaffen. Erst wenn das Niveau stimmt, ziehen dort auch Leute ein". Konkret geht es um den Innenausbau, den Einbau von Fahrstühlen, die Einrichtung von Dachterrassen und auch die Sanierung von Dächern allgemein. "Etwa 30 Prozent der Dächer in der Altstadt müssen dringend erneuert werden", sagt Port.
Neben der Schaffung von Wohnraum in Altbauten zählen die Ansiedlung eines ausgewogenen Branchenmixes im Einzelhandel, eine Verbesserung der Verkehrsführung, die Schaffung neuer Parkplätze, das Anpassen an aktuelle energetische Standards und die Neugestaltung des Moselvorgeländes zu den Zielen des Programms.
Port erinnerte daran, dass Bauherren schon jetzt Förderanträge stellen können. Pro Einheit sei ein Maximalbetrag von 25 000 Euro vorgesehen. Neben Einzelmaßnahmen unterstützt das Programm auch größere Projekte, wie die Erneuerung des Moselvorgeländes. Dazu soll ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. Der Stadtrat befürwortete das Programm einstimmig. Fraktionsübergreifend zeigte sich breite Zustimmung. In der Diskussion wurde - um Missverständnissen in der Bevölkerung vorzubeugen - daran erinnert, dass die derzeit laufende Sanierung der Burg Landshut nicht zu diesem Programm gehört, sondern aus Fördertöpfen der Europäischen Union bezahlt wird.Meinung
Damit es kein Museum wird
Mit dem Förderprogramm geht Bernkastel-Kues einen zukunftsweisenden Weg. Zwar scheint die Stadt auf den ersten Blick äußerst belebt, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es großenteils die Touristen sind, die Bernkastel-Kues vor allem im Sommer bevölkern. Zu einer Innenstadt gehören aber auch Menschen, die dort leben, denn sonst wird sie schnell zum Museum. Und für diese Menschen fehlt aber der passende Wohnraum. Mit dem Förderprogramm erhalten Hausbesitzer einen Anreiz, diesen zu schaffen. Die Nachfrage ist jedenfalls vorhanden. Die Gründung der Cusanus Hochschule, die ebenfalls im Rathausgebäude in der Altstadt untergebracht ist, wird in Zukunft immer mehr junge Leute nach Bernkastel ziehen, die dort auch wohnen wollen. Auch für junge Familien ist das attraktiv, denn die Infrastruktur, Kitas, Schulen, Ärzte und Krankenhaus, ist in fußläufiger Entfernung vorhanden. hp.linz@volksfreund.de