Wolken werden Spiegeleier

WITTLICH. (red) Alzheimer: Eine Krankheit, die in unserer Gesellschaft schon jetzt einen großen Stellenwert einnimmt, in der Öffentlichkeit jedoch noch zu wenig Beachtung erfährt. Die Krankheit war Thema eines Referats, organisiert vom Seniorenheim "Haus Mozart".

"Wenn aus Wolken Spiegeleier werden", so lautete das Thema eines Fachvortrages über Alzheimer-Demenz im Sankt-Markus-Haus in Wittlich. Spannend und kenntnisreich referierte Dr. Jörg Eberling zu diesem schwierigen Thema. Der Abend war von der Trägerin des Seniorenheimes "Haus Mozart", Eugenie Ellermann, organisiert worden. Als Gäste waren Angehörige, Betreuer und Personal vom "Haus Mozart" und "Haus Seeblick" in Ulmen eingeladen und zahlreich erschienen. Astrid Göden, Heim- und Pflegedienstleiterin des Hauses, begrüßte die Gäste herzlich und stellte sich gleichzeitig als neue Leiterin der Einrichtung vor. Anhand von Bildern von Carolus Horn, einem bekannten Maler und Werbegrafiker, zeigte Eberling die Stationen der Alzheimer-Demenz auf, vom genialen Künstler bis hin zum hilflosen Menschen. Die Bilder des berühmten Werbegrafikers sind ein Spiegel seiner Krankheit. Der Künstler zeichnet im Verlauf der Krankheit immer flachere Strukturen, wobei die Farben und gemalten Motive immer mehr der Vorstellung eines Kindes entsprechen. Tatsächlich sehen im letzten Stadium der Krankheit die gemalten Wolken wie Spiegeleier aus.Verlust des Gedächtnisses und Orientierungslosigkeit

Dies sollte die Gäste in die Welt der Dementen eintauchen lassen. Die Betroffenen durchlaufen häufig einen tückischen Krankheitsprozess, der mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses beginnt und bis zur völligen Orientierungslosigkeit und dem Verlust von grundlegenden Fertigkeiten im letzten Stadium gehen kann. Da Angehörige und Pflegepersonal von Demenz-Kranken oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen, gab Dr. Eberling allen Betroffenen einen wichtigen Ratschlag: "Wir als Gesunde müssen in die Welt der Dementen eintauchen, nicht umgekehrt, und der Erkrankte sollte stets die Wärme und die Nähe einer Bezugsperson zu spüren bekommen; denn er sieht mit dem Herzen!" Die Zahlen belegen, dass das Thema Alzheimer-Demenz in unserer immer älter werdenden Generation schon jetzt einen großen Stellenwert einnimmt, in der Öffentlichkeit jedoch noch viel zu wenig Beachtung erfährt. Zurzeit leiden laut Referent 900 000 Menschen in Deutschland an Alzheimer und die Zahl der Erkrankten wird sich bis 2010 noch verdoppeln. Da die Erkrankung in den Anfängen oft mit "Altersvergesslichkeit" bagatellisiert wird, obwohl es nicht "normal" ist, wenn jemand den Weg nach Hause nicht mehr findet, gehen die Betroffenen zu spät zum Arzt. Die Mediziner können Alzheimer zwar nicht heilen, aber bei frühzeitiger Behandlung lässt sich gegebenenfalls noch über Jahre eine gute Lebensqualität erzielen. Kräftiger Applaus war der Dank der Besucher für diese aufschlussreiche Information über die Alzheimer-Demenz.