Worte wie Licht

Dank der Sonnenstrahlen der vergangenen Tage verschwindet manche trübe Stimmung, die sich in der dunklen Winterzeit festsetzen konnte. Am ganzen Körper und bis in die Seele hinein spürt man, wie gut das Licht tut.

Manche Menschen machen die Erfahrung, dass auch Gebete wie Licht gegen die Dunkelheit in ihnen sein können. Ein Gebet mag ich ganz besonders. Es stammt von Dietrich Bonhoeffer, der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Er war evangelischer Pfarrer, überzeugter Christ und in der Widerstandsbewegung gegen Hitler aktiv. Bonhoeffer war einerseits von der absoluten Gültigkeit des Gebotes "Du sollst nicht töten" überzeugt. Andererseits fühlte er sich als Christ in die Verantwortung gerufen, gegen ein menschenverachtendes Regime zu kämpfen. Gott in beidem verantwortlich, fiel ihm die Entscheidung für die politische Konspiration nicht leicht. Er hat seine mutige Entscheidung nie ernstlich angezweifelt. Dennoch hat er sie immer wieder neu durchdacht und sich mit allem, was er tat, in die volle Verantwortung vor Gott gestellt. Eine letzte, absolute Eindeutigkeit gab es für ihn nicht, das hat er nie verschwiegen. Welche wesentliche Entscheidung, die wir im Leben treffen, ist schon eindeutig? Oft bleiben Fragen und Unsicherheiten, die wir trotz allem Bemühen nicht ausräumen können. Das ist so und darf so sein. Nötig aber ist, dass wir uns unsere Zweifel, Widersprüche und Ängste eingestehen - und trotzdem zu unserer Entscheidung stehen. Bonhoeffer hat das getan und sich mit allem, was ihn ausmachte, Gott in die Hände gegeben. Absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber grenzenloses Vertrauen in Gott, diese beiden Pole verbindet er in einem Gebet, das er 1943 in seiner Gefängniszelle formuliert. Worte wie Licht, weil nichts in uns im Dunkeln bleibt, wenn wir vor Gott benennen, was uns ausmacht: "Gott, hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu Dir. Allein kann ich das nicht. In mir ist es finster, aber bei Dir ist Licht. Ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht. Ich bin unruhig, aber bei Dir ist Frieden. In mir ist Bitterkeit, bei Dir Geduld. Ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt einen Weg für mich." J.-W. Henrich, evangelischer Pfarrer in Traben-Trarbach.