Zähes Ringen um einen Kompromiss

Nach dreistündiger Diskussion hat der Thalfanger Verbandsgemeinderat einen Kompromiss gefunden: Mit den Morbachern wird weiter über eine Fusion verhandelt. Sie werden gebeten, Stellung zu einem ausführlichen Forderungskatalog zu beziehen. Gleichzeitig werden Für und Wider der unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen erörtert.

Thalfang. Soll die Verbandsgemeinde (VG) Thalfang zwecks Hochzeit weiter mit Morbach verhandeln, obwohl die Nachbarn eine große Einheitsgemeinde (EG) bilden wollen und dies in Teilen der VG abgelehnt wird? Zunächst sah es in der dreistündigen Thalfanger Ratssitzung nach allem aus, nur nicht nach einem gemeinsamen Beschluss zu diesem Thema.
Viele Meinungen prallten aufeinander, angeheizt vom Applaus der Zuschauer. 150 Menschen waren gekommen, einige zeigten auf Plakaten, was sie nicht wollten. "Hände weg von unserer Eigenständigkeit!" hieß es dort und "Mit unserer Freiheit zockt man nicht!"

Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo eröffnete die Sitzung mit einem Rückblick. Seine Bilanz: "Keine Verbandsgemeinde sonst hat einen solchen Aufwand betrieben, um einen Fusionspartner zu finden." Richtung Zukunft schaute er nicht.
Auf Wunsch des FWG-Fraktionsvorsitzenden Richard Pestemer kamen dann seine Ortsbürgermeisterkollegen zu Wort. Ergebnis: Eine bunte Mischung an Zukunftsvorstellungen. Verhandlungen mit Hermeskeil wurden gewünscht, ein Fortsetzen der Gespräche mit Morbach und ein Einbeziehen der VG Bernkastel-Kues. Einige der Ortschefs zeigten deutlich Flagge für die Ortsgemeinden mit eigenem Haushalt und lehnten das System der EG ab, allen voran Erich Thösen aus Talling. Dem VG-Rat sprach er das Mandat ab, über die Eigenständigkeit der Ortsgemeinden zu verhandeln. Als nächstes waren die Fraktionsvorsitzenden dran. Ergebnis: Vier verschiedene Anträge. Dennoch: nach weiteren Redebeiträgen, insbesondere dem eindringlichen Appell des Deuselbachers Lothar Manz (FDP) pro Einheitsgemeinde und einer 25-minütige Pause mit intensiven Diskussionen gab es einen Kompromiss.
CDU, SPD und FDP verabschiedeten einen gemeinsamen Antrag. Demnach werden die Fusionsverhandlungen mit Morbach, "dem wirtschaftlich potenten Partner" (Gereon Haumann, CDU) fortgeführt. Dabei werden die künftigen Lebensverhältnisse der Bürger und die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen hinterfragt.
Konkret sollen die Einheitsgemeinde und die VG bis Ende März Stellung zu einem umfassenden Forderungskatalog beziehen (siehe unten). Parallel dazu stellt die Thalfanger Verwaltung die Vor- und Nachteile der beiden Strukturen VG und EG in einer Veröffentlichung gegenüber.
Beides soll den Ortsgemeinden als Entscheidungsgrundlage für die Frage dienen, ob mit Morbach eine große Einheitsgemeinde gebildet wird. Auch Bürgerversammlungen sind bis Ende April dazu denkbar. Bis Mitte Mai wird der VG-Rat die Fusions-Frage beantworten, danach sind die Ortsgemeinderäte dran.
Die Fraktion, die für den Kompromiss den größten Sprung über ihren Schatten machen musste, war die SPD. Sie hatte sich zunächst klar für den Erhalt der Ortsgemeinden ausgesprochen. Vom "Verrat der SPD" sprach nach der Sitzung dann auch Pestemer (FWG), einer der größten Kämpfer für die kleinsten kommunalen Einheiten.
Die zweiköpfige FWG wollte die Ortsgemeinden selbst entscheiden lassen, zu welcher Kommune sie wechseln. Ihr Antrag erhielt zwei Stimmen.
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volksfreund.de/video
Meinung

Guter Ansatz reichlich spät
Es ist klar, worauf die Strategie, bei den Fusionsverhandlungen mit Morbach zunächst auf die künftigen Lebensbedingungen für die Bürger zu schauen, hinausläuft. Die Erfinder - sie kommen aus der CDU - erhoffen sich, dass die Antworten aus Morbach so gut klingen, dass der bislang umstrittene Systemwechsel von der Verbands- zur Einheitsgemeinde nicht mehr so schwerfällt und eine Fusion mit dem starken Hunsrück-Partner möglich wird. Das Vorgehen macht Sinn. Für viele Menschen ist es sicher wichtiger zu wissen, wie Kitas, Schulen und Vereine, überhaupt die Dörfer künftig dastehen als an der bisherigen Verwaltungsstruktur festzuhalten. Die Frage ist nur: Wie reagiert Morbach auf den üppigen Forderungskatalog, der auch in der Ratssitzung schon als Wunschzettel für Weihnachten kritisiert wurde? Warum sollten die Morbacher Thalfangs Schulden - 12,5 Millionen sind es Ende 2012 - und dann auch noch die ganzen Wünsche berücksichtigen wollen? Und überhaupt: Ist es nicht reichlich spät, erst jetzt nach den Inhalten zu fragen? Ende Juni ist Schluss mit der Freiwilligkeitsphase. Die Chance, dass sie genutzt wird, erscheint gering. m.maier@volksfreund.deExtra

Der vom Thalfanger VG-Rat beschlossene Forderungskatalog (ab 14 Uhr auf www.volksfreund.de ) dreht sich um die künftigen Lebensbedingungen der Bürger. Einige Forderungen: Alle Kindergärten und Schulen sowie das Thalfanger Schwimmbad bleiben erhalten. Verwaltungsleistungen werden in Thalfang, notfalls mobil angeboten. Das Morbacher Notarzt-Versorgungssystem wird auf die gesamte Gemeinde ausgedehnt. Thalfang bekommt eine neue Sporthalle. Gerechnet wird mit 1,25 Millionen Euro an einmaligen Einsparungen durch eine Fusion mit Morbach und mit doppelten Schlüsselzuweisungen über zehn Jahre hinweg. Für die fusionierte Gemeinde wird ein "identitätsstiftender" Name wie Gemeinde Erbes kopf vorgeschlagen. mai

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