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Zarte Klänge und jazziger Schwung

Zarte Klänge und jazziger Schwung

HIMMEROD. (gkl) Sein Hausinstrument im belgischen Hasselt ist eine bedeutende Orgel des Orgelbauers Aristide Cavaille-Coll, dem Vater der symphonisch-romantischen Orgel. Wie sehr Johan Hermans diese Klangwelt verinnerlicht hat, belegte er bei seinem Konzert in der Abteikirche Himmerod.

Die große, symphonische Orgelmusik mit eindeutig französischem Zungenschlag bestimmte über weite Strecken das vierte Orgelkonzert in der Abteikirche Himmerod. Ein Genre, das dem dortigen Instrument zweifelsfrei sehr entspricht. Interpret des gut besuchten Konzertes war der Belgische Organist Johan Hermans, Titularorganist an der Basilika Heilig Hart in Belgien. Mit dem "Grand Chœur à la Händel", Opus 18/1 und der siebten Sonate in F-Dur, Opus 89, verneigte sich Hermans tief vor dem französischen Meister der Romantik Alexandre Guilmant. Beeindruckend ließ er dessen musikalische Ideen zu einer Musik werden, die den großen Kirchenraum der Abtei bis in den letzten Winkel füllte, sich in der großen Akustik ausbreiten konnte. Äußerst sensibel ging der Belgier mit den zarten Streicherklängen und weichen solistischen Zungenstimmen um, konnte aber genauso prägnant die volle Kraft der Orgel einsetzen. Gleiches galt für die Symphonische Fantasie Opus 13 von Flor Peeters, einem Landsmann des Solisten. Fast schon ein wenig jazzig, auf jeden Fall mit viel Schwung setzte er das "Rondo alla celtica" des in Leverkusen lebenden Komponisten und Organisten Hans-André Stamm um. Hier schien der Spaß, den der Interpret beim Spiel hatte, in der Kirche förmlich greifbar zu werden. Wie bei allen anderen Werken auch zeigte sich bei dieser Komposition, dass Hermans ein ausgezeichneter Techniker ist, der sein Spiel mit großer Virtuosität zu gestalten wusste, ohne dass sie zum Selbstzweck wurde. Eine Kunst, die längst nicht jeder Künstler beherrscht. Etwas deplaztiert wirkte das Adagio in C-Dur, KV 356, von Wolfgang Amadeus Mozart, im Original für eine Glasharmonika geschrieben. Diese musikalische Miniatur wirkte im Kontext mit den anderen Werken wie eine bemühte Reminiszenz an den großen Jubilar des Jahres. Der 1937 geborene Philip Glass ist bekannt für seine Minimalmusik und hat es schon oft geschafft, mit seinen Kompositionen ein Konzertpublikum zu spalten. Hermans hatte für sein Himmeroder Konzert das Werk "Mad Rush" mitgebracht, das Glass im Jahre 1979 für Klavier oder Orgel verfasst hatte. Bei allen interessanten kompositorischen Ansätzen, die das Werk aufzuweisen hat, muss man ihm doch vor allem gewaltige Längen bescheinigen. Freilich muss ein Musiker manchmal seinem Publikum auch etwas zumuten. Er sollte aber immer die Gefahr im Auge behalten, dass es auch eine Zumutung werden kann. Da Hermans ohnehin ein gewaltiges Programm mitgebracht hatte, schrammte er hier nur knapp an einem solchen Umstand vorbei. Trotzdem war es alles in allem ein gelungenes Konzert, bei dem sich ein erfahrenes Organist und eine großartige Orgel präsentieren konnten.