Zehn Apotheken setzen aufs Internet

Morbach · Sollte der befürchtete Aderlass von Hausärzten auf dem Land tatsächlich eintreten, dann werden auch die Apotheken in der Region ums Überleben kämpfen. Zehn Apotheker setzen jetzt mit Service dagegen und bieten auf einem Internetportal die Bestellung von Medikamenten mit persönlicher Lieferung an.

Morbach. Die ärztliche Versorgung auf dem Land bleibt Dauerthema. Mediziner nehmen nach ihrem Studium oft Stellen in der vermeintlich attraktiveren Stadt an oder eröffnen dort eine Praxis. Ärzte in ländlichen Gebieten suchen stattdessen vergeblich nach einem Nachfolger. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich praktizieren 72 Hausärzte, im Sommer 2011 waren laut einer Aufstellung der Kassenärztlichen Vereinigung 17 Arztsitze unbesetzt.
Apotheken auf Ärzte angewiesen



Jetzt fürchten auch die Apotheken, dass sie Standorte nicht mehr halten können, wenn in einigen Orten künftig Arztpraxen leer bleiben. Denn die Apotheken können nur dort Geld verdienen, wo Ärzte Patienten behandeln. Im Idealfall gehen die Patienten direkt nach dem Arztbesuch in die nächstgelegene Apotheke und lösen dort ihr Rezept ein. Müssen die Patienten künftig zur Behandlung in einen anderen Ort fahren, wird auch die Apotheke unter Umsatzrückgängen leiden.
"Im Moment haben wir noch keine Probleme, aber das ist wegen der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte eine tickende Zeitbombe", sagt Theo Hasse, zweiter Vorsitzender des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz und Apotheker in Zerf. "Wenn keine Ärzte aufs Land gehen, sterben auch die Apotheken", sagt er. Überhaupt sei die Lage der Apotheken nicht rosig. Seit 2004 hätten sich die Medikamentenpreise und damit die Einnahmen aus deren Verkauf nicht erhöht. Demgegenüber stehen "galoppierende Personalkosten und niedrigere Gewinnspannen", sagt Hasse.
Sarah Sauer weigert sich, diesen Trends tatenlos zuzuschauen. Die Inhaberin der Apotheke am Oberen Markt in Morbach und der Cusanus Apotheke in Bernkastel-Kues setzt auf Service, um die Kunden an sich zu binden. Im November hat Sauer zusammen mit zehn Apothekerkollegen aus dem mittleren und östlichen Hunsrück ein Internetportal unter der Adresse www.arzneibote-hunsrueck.de in Betrieb genommen.
Patienten, die nicht in der Lage sind, ihr Medikament selbst in der Apotheke abzuholen, können auf dem Internetportal ihr Medikament online bestellen. Nachmittags stellt die jeweilige Apotheke die Medikamente zu.
Die Vorteile sind laut Sauer das große Gebiet, das die zwölf beteiligten Apotheken mit dem Portal abdecken. Kunden von Bernkastel-Kues bis Kirn und von Morbach bis Emmelshausen können mit der Lieferung am Tag der Bestellung rechnen. "Zudem bleiben im Gegensatz zu den Internetapotheken die Apotheker mit ihren Mitarbeitern persönlich bekannt", sagt Sauer.
Durch das Angebot, die Medikamente im Internet zu bestellen, ergänzt sie ihren schon bestehenden Ausfahrservice. Seit zehn Jahren können sich ihre Patienten die Medikamente zustellen lassen. Durchschnittlich nutzen täglich 20 Kunden in Morbach und 40 Kunden in Bernkastel-Kues das Angebot.
Sauer und ihre Kollegen wollen ein Jahr lang testen, ob die Kunden das Internetportal annehmen. Diese äußerten sich bisher sehr positiv über das neue Angebot. Allerdings sind die Bestelleingänge bis jetzt "noch gering", sagt Sauer, aber die Apotheker starten erst jetzt mit der Werbung. "Sollte sich das Portal bewähren, haben wir einen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung auf dem Land geleistet." cst
Extra

Die Apotheken aus folgenden Orten beteiligen sich an dem Internetportal Rhaunen, Kaisersesch, Morbach, Bernkastel-Kues, Birkenfeld, Büchenbeuren, Kirn, Herrstein, Kirchberg, Emmelshausen, Simmern, Kastellaun. cst

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