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Zehnjährige Schülerin sammelt Geschenke für 100 Flüchtlingskinder

Zehnjährige Schülerin sammelt Geschenke für 100 Flüchtlingskinder

Eine Salmtaler Schülerin hatte eine Idee. Sie wollte den Kindern in der Wittlicher Flüchtlingsunterkunft ein Weihnachtsgeschenk machen. Als sie ihrer Schule von ihrem Plan erzählte, entwickelte sich daraus ein Projekt, das jeden Tag an Fahrt gewann: der Päckchenexpress.

Der Wittlicher Fürstenhof ist gut gefüllt. Überall flitzen Kinder zwischen den Stühlen herum. Die, die es noch auf den Sitzen hält, wackeln nervös hin und her. Der Grund für die Aufregung sind etwa 100 mit buntem Papier umwickelte Geschenke, die auf mehreren Tischen entlang der Saalwände ausgelegt sind. Die Päckchen liegen dort für die Wittlicher Flüchtlingskinder bereit.

Die Idee dazu hatte die zehnjährige Angelina Rice-Müller. Mit ihrer Mama ist sie vor ein paar Wochen an der Wittlicher Afa vorbeigefahren. "Meine Mama hat gesagt, dass die Kinder in dem Zelt keine Geschenke bekommen - da habe ich gefragt, was man dagegen tun kann." Angelina überlegte mit ihrer Mama und beide kamen schließlich auf die Idee, Geschenke für die Flüchtlingskinder zu sammeln.

Angelina besucht die fünfte Klasse der IGS Salmtal. Sie stellte die Idee dann in ihrer Schule vor. Ein Volltreffer. Die Schule war sofort bereit, sie dabei zu unterstützen. Die Kinder redeten in den Klassen über ihre Möglichkeiten. Die erste Idee war, einen Spieletag mit den Flüchtlingskindern zu organisieren. Dafür reichte die Zeit allerdings nicht. So entstand schließlich das Projekt "Päckchenexpress". Der Plan war schnell geschmieden: In den Geschenktüten sollte etwas Eigenes und etwas Neues enthalten sein. So kam allerhand zusammen. Malsachen, Puppen, Süßigkeiten, Armbänder, Stofftiere. Erlaubt war, was Kinderherzen höher schlagen lässt.

An der Aktion beteiligten sich auch mehrere Wittlicher Supermärkte, die Busfirma Schönhofen, Bäckereien, Apotheken und viele mehr.
Die Spenden für die Geschenke sammelten Angelina und ihre Mama in ihrem Wohnzimmer. Das sei soviel gewesen, dass man zwischenzeitlich kaum mehr ins Zimmer gekommen ist. Angelinas Oma erzählt von einer arbeitsreichen Zeit: "Wir waren zwei Tage damit beschäftigt, die Geschenke zu packen." 100 sind es am Ende geworden, mehr als es Kinder gibt, die diese empfangen konnten. 60 Päckchen brachte die Schule im Anschluss in die Wittlicher Afa. Dort war am Montag der rheinland-pfälzische Justizminister Gerhard Robbers zu Besuch, um Stofftiere aus der Jugendstrafanstalt zu verteilen (der TV berichtete). Die anwesenden Kinder hatten zunächst aber wenig Blicke für die Stofftiere aus der Strafanstalt. Sie ließen den Justizminister links liegen und stürzten sich mit strahlenden Augen auf die im Hintergrund aufgestellten Päckchen der IGS Salmtal.

Für den Schulleiter Peter Riedel sind die Geschenke nicht das Wichtigste an der Aktion. "Es geht hier in erster Linie ums Treffen", sagt er. Die Kinder sollen miteinander reden, das Eis brechen und Vorurteile abbauen. Angelinas Lehrerin Bettina von Oppeln-Bronikowski sagt: "Die Kinder, die an der Aktion beteiligt sind, haben auf einmal eine ungeahnte Weihnachtsfreude." Vor ein paar Tagen sei eine Schülerin zu ihr gekommen, habe ihr die Hand hingehalten und gesagt: "Schaun Sie mal, wie meine Hand zittert, ich bin sooo aufgeregt."