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Zeltingen-Rachtig: Pflaster in der Altstadt oder besser nicht?

Kommunales : Pflastersteine im alten Ortskern oder besser nicht?

Anwohner in Zeltingen-Rachtig, darunter der Gastronom Markus Reis,  beschweren sich, weil eine historische Straße mit Bitumenbelag saniert werden soll.

„Es gibt viele Leute, die in Zeltingen-Rachtig was machen wollen und Engagement reinbringen. Das Dorf stirbt doch sonst aus“, sagt Sjef Boss, der mit seinem Freund Manfred Riese-Springer zwei historische Häuser aus den Jahren 1658 und 1907 in der Alten Poststraße gekauft hat. Boss stammt aus den Niederlanden und erzählt, dass es viele Leute von außerhalb, gibt, die in dem bei Touristen beliebten Ort alte Häuser kaufen und sie wieder herrichten. Vor allem gefällt Boss der Pflastersteinbelag der Alten Poststraße, der zum historischen Ambiente passt. Der soll aber, so der Wille des Gemeinderates, verschwinden. Die Alte Poststraße, die von der Hauptstraße zur Mosel herunterführt, wird bald ausgebaut und erneuert. Dabei soll ein moderner Bitumenbelag die Pflastersteine ersetzen.

 Das missfällt den neuen Hausbesitzern und weiteren Anliegern in Zeltingen, denen der Erhalt des historischen Charakters der Straße wichtig ist. Boss: „Man vergisst wohl, dass die Touristen wegen der Schönheit und Infrastruktur in dieses Dorf kommen.“

Das sieht auch Markus Reis so, der in der Altstadt ein Hotel und ein Restaurant betreibt: „Die Fakten lagen auf dem Tisch. Anwohner waren mehrheitlich für den Erhalt des Kopfsteinpflaster. Der Ausbau unserer Weingartenstraße in Bitumen aus dem Jahre 2006 zeigt uns, das hier schneller gefahren wird. Selbst die nachträglich eingeführte Geschwindigkeitsbegrenzung (30 km/h) hat nur begrenzt zum Erfolg geführt.“

Manfred Kappes, Ortsbürgermeister von Zeltingen-Rachtig, verweist auf den Beschluss des Gemeindrates: „Der Gemeinderat hat das so beschlossen und es gibt gute Gründe für den Bitumenbelag. Der Bereich der Alten Poststraße ist ein Überschwemmungsgebiet, das sich nach einem Hochwasser bei Bitumenbelag besser reinigen lässt.“ Kopfsteinpflaster sei für ältere Menschen, die mit Rollatoren unterwegs sind, problematisch. Und nicht zuletzt ginge es auch um die Kosten: „Mit dem Bitumenbelag sparen wir 40 000 Euro“, sagt Kappes.

Damit geben sich die Anwohner der Alten Poststraße aber nicht zufrieden, sie planen jetzt, mit Flugblättern auf das Thema aufmerksam zu machen und möglicherweise eine Bürgerinitiative zu gründen.

Das wäre nicht das erste Mal, dass es in Zeltingen-Rachtig Kontroversen über den Straßenbelag gibt: Dem TV liegt ein Flugblatt aus dem Jahr 2006 vor, in dem die Zeltinger Bürger den damaligen Ausbau der Weingartenstraße mit Bitumen kritisieren. Sie seien damals von einer Mehrheit von Rachtigern im Rat „niedergestimmt“ worden.