Zeppelin schwebt am Moselhimmel

Der Abzug der alliierten Truppen aus dem besetzten Rheinland wurde Anfang Juli 1930 mit einer besonderen Flug-Veranstaltung gefeiert, die den größten deutschen Zeppelin ins Moselland brachte. Wenige Tage später hat es in Wittlich einen spektakulären Flugtag mit atemberaubenden Kunstflügen gegeben.

Traben-Trarbach/Wittlich. Alliierte Truppen besetzten zwischen 1919 und 1926 das linksrheinische Gebiet des Deutschen Reiches. Infolge der Haager Konferenzen von 1929/1930 willigten die Besatzungsmächte ein, ihre gesamten Truppen vorzeitig aus dem Rheinland abzuziehen. Dieser Abzug wurde von den Deutschen mit zahlreichen Festveranstaltungen und einem zweitägigen Rundflug über das gesamte "befreite" Rheinland gefeiert. Der sogenannte "Rheinlandbefreiungsflug" begann am 4. Juli 1930 und führte unter anderem über die Moselstädte Koblenz und Trier. Am Start- und Zielpunkt auf dem Kölner Flughafen Butzweilerhof hoben 83 teilnehmende Sportflugzeuge sowie das Junkers-Großflugzeug G 38 ab. Auch das deutsche Riesen-Luftschiff LZ 127 überquerte im Rahmen dieser Veranstaltung die frühere Besatzungszone.

Seine Fahrtroute führte in den frühen Morgenstunden des 6. Juli 1930 über Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, wo der fünfmotorige Zeppelin gesichtet und bewundert wurde.
Der Traben-Trarbacher Lokal-Anzeiger vom 7. Juli 1930 berichtete: "Gestern früh gegen fünf Uhr weckte starkes Motorengeräusch des unsere Stadt überfliegenden Luftschiffes Graf Zeppelin die schlafende Bevölkerung. Im Nu waren die Fenster besetzt und hob freudiges Rufen an. Stolz und majestätisch schwebte der Riese über unsere Stadt dahin (...)." Am Steuerrad in der Führergondel standen Kapitän Ernst Lehmann und Hugo Eckener, der Nachfolger des Luftschiffbauers Ferdinand Graf von Zeppelin.

In der Kreisstadt Wittlich hingegen bedauert man es zu diesem Zeitpunkt, dass die Route des "Rheinlandbefreiungsfluges" die Eifelstadt nicht berührte und kein Flugzeug zu sehen war. Umso größer war die allgemeine Begeisterung, als die bekannte Firma Raab-Katzenstein am 20. Juli 1930 einen "Befreiungs-Großflugtag" in Wittlich veranstaltete.Heimat- geschichte(n)


Seinerzeit kamen Hunderte von Besuchern zum provisorischen Flugplatz auf dem Sehlemet an der Chaussee Wittlich-Wengerohr. Dort bestaunten die Zuschauer außergewöhnliche Kunst-, Sturz- und Rückenflüge sowie eine Vorführung des legendären Blériot-Eindeckers.
Das Wittlicher Tageblatt schrieb am 22. Juli 1930: "Der Altmeister des Kunstfluges A. Raab sowie der aus seiner Schule hervorgegangene junge Pilot Hans Störig zeigten die hohe Stufe, auf der heute der deutsche Kunstflug steht. Die schwierigsten Stücke wurden mit einer derartigen Eleganz und Selbstverständlichkeit ausgeführt, dass dem Zuschauer die Größe der Leistung manchmal gar nicht zum Bewusstsein kam."

Den Höhepunkt des Flugtages bildete ein Fallschirmabsprung des mutigen Kunstfliegers Stock, der "mit atembeklemmender Spannung" beobachtet wurde und mit einer geglückten Landung endete. Nach den Vorführungen wurden noch Passagierflüge in die nähere Umgebung von Wittlich angeboten.