Zerbrechliche Kunstwerke

WITTLICH. (peg) Auf ihren Werken erzählen Tiere, Pflanzen und historische Gebäude Geschichten. Ingrid Franz-Bergmann hat sich für ihre Malerei das Ei auserkoren – und zwar in jeder erdenklichen Farbe und Größe.

Sie ist eine überzeugte Christin und hat darum aus ihrem Glauben heraus bereits einen Zugang zum Ei: Bunt gefärbt, bemalt und beklebt kommt es alljährlich als Osterei auf die Tische und an die Sträuße. Das uralte Fruchtbarkeitssymbol ist übergangslos vom Christentum übernommen worden. Bei Ingrid Franz-Bergmann kommen selbst die allerkleinsten Eier groß raus. Geduldig mit Aquarell- und Ölfarben bemalt oder mit der Zirkelspitze graviert, schmücken sie alle Vitrinen ihres Wohnzimmers. Bis zum 13. April können sie auch im Foyer der Kreisverwaltung bewundert werden. Das Malen hatte bei der Dame aus der Nähe von Bergisch-Gladbach, die die Heirat nach Wittlich brachte, als Hobby begonnen. Doch es sollte mehr daraus werden: "In den 80er Jahren habe ich ein Fernstudium in Malerei gemacht", erzählt sie beim Rundgang durch ihre Ausstellung. In jeder Vitrine erschließt sich eine eigene kleine Welt. Mal überrascht ein Jahreszyklus mit heimischen Vögeln, mal eine Reihe von immer wieder anders gestalteten Rosen an der Seite von Narzissen, rotem Mohn und blauer Wegwarte. Motive aus Wittlich und Umgebung schmücken die großen Straußeneier an der hinteren Wand: Deutlich zu erkennen sind die römische Villa, Schloss Philippsfreude und die Fintenkapelle, zu der die Künstlerin eine innige Beziehung hat. Villa, Schloss und Kapelle möchte sie meistbietend verkaufen. "Den Erlös bekommt die Kirchengemeinde Bergweiler beziehungsweise der Förderverein Wittlicher Kulturgüter." Türmchen, Rathaus und der Eingang zur alten Kegelbahn, die inzwischen in Bad Sobernheim steht, offenbaren eine ihrer Vorlieben: historische Gebäude. Die meisten ihrer Motive entnimmt sie jedoch Gottes freier Natur. Ihr "großer Respekt vor der Schöpfung" sei es, der sie dazu veranlasse. Sie schaut genau hin, wenn sie Tiere und Pflanzen sieht, studiert Zeichnungen von Schmetterlingen, Pilzen, Käfern und blühenden Zweigen, und dann komponiert sie sich aus dem Beobachteten ihren ganz persönlichen Entwurf des Objektes, das sie zeichnen möchte. Schließlich soll das, was Franz-Bergmann malt, auf die schwierig gebogene Form eines Eis passen. Die Vielfalt ihrer Rohlinge ist überwältigend. Hier vom Emu, da vom Nandu, dort von Wachtel, Taube, Gans und Papagei, und dort, auf dem rosa grundierten Ei einer Junghenne, die Röschen, die sie vom Porzellan der Eltern kopiert hat. Lange bleiben die Besucher vor der Teichlandschaft auf einem Straußenei stehen. Etwa 100 Stunden hat sie daran gearbeitet. Faszinierend auch die Spechte daneben, und hier, o weh, flirtet da nicht das Pichtermännchen mit einem Elfen? Die Künstlerin lächelt verschmitzt. "Beim Pichtermännchen weiß man ja nie..." Ingrid Bergman-Franz hat auch eine experimentelle Seite: Die zeigt sich beispielsweise bei der osteuropäischen Wachstechnik und den verschieden großen Babuschkas. Wer wissen möchte, wie Feldhasen eigentlich zu Osterhasen werden, kann das nachlesen: Die Malerin hat diese wahre Geschichte aufgeschrieben. Vielleicht hat ihr die ja das Pichtermännchen zugeflüstert.... Die zerbrechliche Kunst steht komplett gesichert hinter Glas. Eltern dürfen also unbesorgt ihren Nachwuchs mit zur Ausstellung bringen: Die einzig greifbaren Eier hängen an einem Strauß und sind aus Kunststoff.