Zieht die Jugendherberge in Bernkastel-Kues ins Schulzentrum?

Tourismus : Übernachten Feriengäste an der Mosel künftig in der Schule?

Bekommt Bernkastel-Kues in absehbarer Zeit eine neue Jugendherberge? Die ersten Schritte in diese Richtung sind jedenfalls gemacht. Der mögliche neue Standort: am Schulzentrum in Kues.

Schlafen in der Schule – für Schüler ist das in der Regel verpönt. Doch für Touristen in Bernkastel-Kues kann das schon bald Realität werden. Die ersten Hinweise gab es in einer Sitzung des Kreisausschusses. Unter dem Tagesordnungspunkt 3.3. wurde über die Vergabe von Arbeiten zum Brandschutz und der Barrierefreiheit im Gebäude der ehemaligen Hauptschule in Bernkastel-Kues entschieden. Vergeben wurden in dem Zusammenhang Aufträge im Wert von 1,6 Millionen Euro.

Der Hintergrund Das Raumprogramm für eine dreizügige Realschule plus soll künftig im ehemaligen Hauptschulgebäude integriert werden. Sprich: Die Freiherr-vom-Stein-Realschule-plus soll künftig komplett in den Räumen der ehemaligen Hauptschule untergebracht werden. Für die Verbesserung von Brand- und Unfallschutz sowie die Herstellung der Barrierefreiheit sind im Kreishaushalt für 2019 eine Million Euro veranschlagt. Insgesamt soll die Sanierung laut Kreisverwaltung rund 3,5 Millionen Euro kosten.

Also, die Schüler der Realschule plus sollen künftig komplett im Gebäude der ehemaligen Hauptschule untergebracht werden. Das Realschulgebäude wird verkauft. Wer ist der neue Eigentümer? Und was hat er für die Immobilie bezahlt? Darüber ist in dem Papier nichts zu finden. Mehr weiß Manuel Follmann, Pressesprecher des Kreises. Er verweist allerdings darauf, dass Grundstücksangelegenheiten stets nicht-öffentlich beraten werden. Käufer und Kaufpreis werden auch auf Wunsch des Vertragspartners nicht genannt.

Anders ist das mit der künftigen Zweck des Gebäudes: Es soll „zukünftig als Jugendherberge genutzt werden“, teilt der Pressesprecher auf Anfrage mit.

Das sagt der mögliche Betreiber „Grundsätzlich wollen wir am Standort Bernkastel-Kues wieder eine Einrichtung betreiben“, sagt Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender von „Die Jugendherbergen Rheinland-Pfalz und Saarland“. Doch ob das beim ehemaligen Hauptschulgebäude im Schulzentrum der Fall sein wird, sei noch unklar. Auch über den Käufer der Immobilie bewahrt Geditz Stillschweigen. Wichtig sei aus seiner Sicht, dass die Anforderungen an eine moderne Jugendherberge in den Räumlichkeiten erfüllt werden könne. Geprüft werden müsse, ob neben den Schlafräumen genug Platz sei für Rezeption, Speisezimmer, Aufenthaltsräume und Freizeitbereich. Heutzutage seien moderne Gästezimmer mit Bad inklusive Dusche und Toilette Standard. Und die Mehrbettzimmer alter Machart gebe es auch nicht mehr. Grundsätzlich könne heute jedes Zimmer mit einer Person oder mit bis zu fünf Personen belegt werden – je nachdem, ob es sich um eine Schulklasse, eine Familie mit Kindern oder eine Begleitperson handelt. Bis November 2013 konnten Feriengäste noch in einer Jugendherberge nahe der Burg Landshut übernachten. Wegen hohen Sanierungsbedarfes wurde die Einrichtung geschlossen – auf unbestimmte Zeit. Inzwischen sind dort Studierende der Cusanus Hochschule untergebracht. Grundsätzlich sei es dort immer noch möglich, die vorhandene Immobilie, die sich nach wie vor im Besitz des Jugendherbergswerkes befinde, zu sanieren und erweitern, sagt Geditz. Der seitherige Standort habe einen gewissen Charme. Dennoch würde der Vorstandsvorsitzende einen Standort in der Stadt bevorzugen.

Das sagt der Stadtbürgermeister Wolfgang Port würde es begrüßen, wenn Bernkastel-Kues nach der Schließung der Jugendherberge im Jahr 2013 wieder eine solche Einrichtung bekomme. Schließlich würde das für die Stadt 20 000 bis 25 000 Übernachtungen mehr im Jahr bringen. Es gebe derzeit ja kein vergleichbares Angebot in der Moselstadt. Mit der Wiederansiedlung werde eine Lücke geschlossen. „Es ist ja nicht so, als habe es in dem Segment keine Nachfrage gegeben“, sagt Port weiter.

Der Standort in der Nähe von Schwimmbad, Sportanlagen und der Mosel biete viele Vorteile. Der frühere Standort Landshut habe zwar einen gewissen Charme, allerdings sei er ziemlich abgelegen. Der zusätzliche Parkplatzbedarf in Kues sei sicher zu lösen.

Damit künftig der komplette Schulbetrieb in diesem Gebäude stattfinden kann, muss dort noch einiges saniert werden. Foto: Ilse Rosenschild

Wann weiß man mehr? „Wir würden gern schon in diesem Jahr entscheiden“, sagt Geditz. Vorausgesetzt, es geht mit der Planung voran. Sollte die Entscheidung für den Standort nahe des Moselufers fallen, könne die neue Jugendherberge möglicherweise Anfang 2022 ihre Pforten öffnen. Wahrscheinlich wird diese deutlich größer als ihre Vorgängerin. Geditz: „Eine neue Jugendherberge in Bernkastel-Kues sollte rund 200 Betten haben.“ Die Immobilie nahe der Burg Landshut hatte lediglich 96.

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