Zinspapiere geschenkt oder gestohlen?
WITTLICH. (mok) Am Amtsgericht Wittlich hat gestern der Prozess gegen einen leitenden Angestellten einer Trierer Bank begonnen. Ihm wird vorgeworfen, bei seiner vorherigen Tätigkeit in einer Bank in der Eifel Wertpapiere für rund 90 000 Euro, fünf Krügerrand-Münzen sowie rund 107 000 Mark Bargeld aus dem Schließfach eines Kunden gestohlen zu haben.
Am ersten Prozesstag vor dem Schöffengericht des Wittlicher Amtsgerichts beteuerte der Angeklagte, er habe das Geld nicht gestohlen. Zusammen mit dem Geschädigten, sei er vor einigen Jahren nach Luxemburg gefahren, um von dort Bargeld nach Deutschland zu transferieren. Als Dank für diese Fahrt, die er vor Gericht als "heikle Angelegenheit" bezeichnete, habe er von dem Geschädigten anschließend einen dreistelligen Eurobetrag erhalten. Einen Teil des Gelds aus Luxemburg habe der Bankkunde zunächst in einem Schließfach in der Eifeler Bank verwahrt und später im Laufe von zwei Jahren nach und nach mit Hilfe des Angeklagten in Form von Inhaberschuldverschreibungen angelegt. Als weiteres "Dankeschön" für seine Hilfe habe der Bankkunde ihm "ein Bündel Zinsscheine in die Hand gedrückt", so der Angeklagte. Der Wert des Bündels: mehr als 10 000 Euro, die er kurz vor seinem Ausscheiden aus der Eifeler Bank einlöste. Als der Angeklagte seine Arbeit bei einer Trierer Bank aufgenommen hatte, wurde der Inhalt des Schließfachs von einem Kundenberater geprüft. Beim Blick auf die von diesem erstellte Inventarliste, fiel dem inzwischen verstorbenen Bankkunden auf, dass Münzen, Wertpapiere und Geld fehlten. Ein Teil der Wertpapiere ist bei dem Start der Ermittlungen in einem anonymen Schreiben aufgetaucht. Beim gestrigen Prozess wurden der Angeklagte und Verwandte des Opfers gehört, die ihren Onkel in Gelddingen beraten hatten. Außerdem versuchte Richter Josef Thul durch die Zeugenaussagen von Angestellten der Eifeler Bank zu beleuchten, wer Zugang zum Schließfach hatte, und ob der Angeklagte allein an das Schließfach seines Kunden hätte kommen können. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.