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Zögerndes Ja zum Café Heimat

Die Dreharbeiten für das jüngste Projekt des Filmemachers Edgar Reitz sollen 2012 beginnen. Mit etwas Glück werden Presseteams in der Morbacher Biergasse über das Projekt informiert. Zumindest stellte der Gemeinderat jetzt die Weichen für das geplante Café Heimat. <blau>meinung</blau> Ilse Rosenschild

Morbach. Auch wenn man Begriffe wie diesen nicht überstrapazieren sollte: Gleich in zweierlei Hinsicht handelte es sich am Montagabend im Rathaus Morbach um eine historische Sitzung: Nach vierzehn Jahren war es die letzte Zusammenkunft des Gremiums unter der Leitung des ausscheidenden Bürgermeisters und künftigen Landrats Gregor Eibes (CDU). Und: Der Gemeinderat Morbach hat mit großer Mehrheit beschlossen, in Kooperation mit dem berühmtesten Sohn seiner Gemeinde, dem international bekannten Filmemacher Edgar Reitz, ein Café Heimat einzurichten, das an die Lebensleistung des Regisseurs erinnert. Zuvor verfolgten rund ein Dutzend Zuschauer eine zweistündige Debatte.

Reitz-Elternhaus gehört Stiftung



Edgar Reitz, der gemeinsam mit seinem Sohn Christian überraschend an der Ratssitzung teilgenommen hatte, beschrieb zunächst gemeinsam mit dem Morbacher Bürgermeister die Pläne für sein ehemaliges Elternhaus. Das Gebäude gehört inzwischen der Edgar-Reitz-Filmstiftung. Der Name des Cafés bezieht sich auf die Film-Trilogie "Heimat". Reitz erzählte in einem Mammut-Filmprojekt die Geschichte des fiktiven Dorfs Schabbach von 1919 bis 2004. Zehn Millionen Zuschauer sahen allein den ersten Teil in der Fernsehfassung.

Geplant ist, dass die Einheitsgemeinde das Objekt zwölf Jahre pachtfrei zur Verfügung gestellt bekommt. Im Gegenzug saniert sie das Gebäude für 190 000 Euro und steuert weitere 135 000 Euro für die Ausstattung bei. Mit den Pachteinnahmen sollen die Ausstattungskosten aufgefangen werden. 2012 beginnen die Dreharbeiten zur nächsten internationalen Produktion "Die andere Heimat" von Reitz über Hunsrücker Auswanderer im 19. Jahrhundert. Pressekonferenzen über das Großprojekt könnten in der Morbacher Biergasse stattfinden. Kritische Stimmen gab es aus den Reihen der Freien Wähler Morbach (FWM) und SPD. FWM-Fraktionssprecher Achim Zender missfällt, dass man zunächst bei den Museen spare und jetzt wieder neue Kosten verursache. Negativ sieht er auch die gemeindliche Trägerschaft.

Wenn die Kommune mit im Boot sei, gebe es mehr Fördermittel, entgegnete Eibes. 88 000 Euro seien bereits in Aussicht gestellt. SPD-Fraktionssprecher Marcus Heintel wollte prüfen lassen, ob eine alternative Lösung möglich sei.

Rainer Kurz (FWM) fragte Reitz direkt: "Warum sind Sie nie in Morbach aufgetreten?" Er wisse von zahlreichen Bemühungen des aktuellen und früheren Bürgermeisters, den erfolgreichen Sohn der Gemeinde einzuladen. Als der Wahl-Münchener entgegnete, nie persönlich eine Einladung erhalten zu haben, folgerte Kurz: "Dann haben Bürgermeister Eibes und der Vorgänger Lieser nicht die Wahrheit gesagt."

Jürgen Jakobs (CDU) appellierte, das Vorhaben unabhängig von möglichen Kommunikationsproblemen anzugehen. Kleinkariertheit sei nicht angebracht, argumentierte Uli Wilbert (Grüne Liste) ähnlich. Daraufhin platzte Hermann-Josef Decker (SPD) der Kragen. Er werde seinen "Verstand nicht ausschalten". Er lehnte eine unternehmerische Tätigkeit der Kommune ab.

Gegen die Einrichtung einer Gastronomie sprachen sich zudem Hermann Moseler (ebenfalls SPD) und Jürgen Lieser (CDU) aus. Die übrigen SPD- und die FWM-Ratsmitglieder - insgesamt neun - enthielten sich. iro