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Zöpfe und eigenwillige Pfannkuchen

Zöpfe und eigenwillige Pfannkuchen

Wittlich. Zum achten Mal kamen knapp 400 Kinder und Erwachsene in den winterlichen Grünewald. Die Märchenwanderung mit Fackelbegleitung und Glühweinduft hat ihre treuen Fans.

Die Atmosphäre ist eine ganz eigene: die Kulissen mal ganz kunstvoll, mal ganz einfach, die Kostüme schillernd und ungewöhnlich, die Schauspieler, Bewohner und Schüler von Maria Grünewald und ihre Lehrer, Betreuer, Freunde und Geschwister. Oder auch mal "nur" Freunde von Freunden, wie die Musiker Thomas Daun und Lothar Klink. Die beiden kommen jedes Jahr von der Mosel herauf und tragen mit den auf der Trompete und auf der Posaune gespielten Märchenliedern ihren Teil zu der stimmungsvollen Atmosphäre im nächtlichen Grünewald bei. "Weil es uns so gefällt." Vom Dach der Schule gab irgendwann das leibhaftige Nordlicht aus der Schneekönigin den Startschuss: Los ging es auf den rund ein Kilometer langen Parcours, stets im Schutz der mit duftenden Fackeln ausgerüsteten Feuerwehrleute von Bombogen - wieder ein Baustein in dieser Atmosphäre, die die Besucher ins Reich der Märchen entführt. Diesmal zeigten die insgesamt sieben Stationen drei Märchen von Hans Christian Andersen, aber auch Hans im Glück oder die Geschichte von dem hilfsbereiten Sterntaler-Kind beispielsweise, dargestellt von Frauke Schultz, einer jungen Dame im freiwilligen sozialen Jahr. Der Clou: Nach der szenischen Darstellung teilte Frauke an jedes Kind einen echten, glitzernden Sterntaler aus. Eher unbekannt war "Der dicke runde Pfannkuchen", dargestellt von einem Jungen ganz in Gelb mit einem großen Holzbrett in der Hand: Eigenwillig war er, dieser Pfannkuchen, der sich nicht von Kuh, Hase oder Hahn futtern ließ, sondern sich erst bei drei hungrigen Kindern damit einverstanden erklärte, gegessen zu werden. Hier erlebten die kleinen Zuschauer die Märchenwelt mit allen Sinnen, litten und freuten sich laut mit dem Kindern, die endlich etwas in den Bauch bekamen. Vorbei an Rapunzel, die aus ihrem täuschend echt geratenen Turm - der am Tag ein unspektakuläres Fenster der Wohngruppe ist - das güldene Haar herunterließ, vorbei an der kleinen Meerjungfrau und der Nachtigall ging es zur beeindruckenden Kulisse der Schneekönigin: Von der Tribüne der ehemaligen Liegehallen aus konnten die Zuschauer Sandra Baron unter mit Schwarzlicht angestrahlten Tüchern thronen sehen, als säße sie in einem Eisblock. Wie in einem Eisblock fühlten sich hinterher auch viele etwas zu dünn angezogene Besucher. Aber das konnte auf dem Schulhof rasch behoben werden: Kinderpunsch und Glühwein warteten dort auf die Frierenden.