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Zoff um Leitung des Archäologieparks

Zoff um Leitung des Archäologieparks

Die Gemeinde Morbach will nach einem ersten missglückten Anlauf die Stelle von Rosemarie Cordie, der Leiterin des Vicus Belginum, auf eine Teilzeitstelle reduzieren. Sie will sich auch von der wissenschaftlichen Arbeit verabschieden. Dies kritisiert nicht nur Cordie vehement, sondern auch das Bildungsministerium.

Morbach. "Museumstod auf Raten." Mit diesem drastischen Bild beschreibt Rosemarie Cordie, die Leiterin des Vicus Belginum, was sie für die Zukunft des Morbacher Archäologieparks befürchtet. Hintergrund: Die Gemeinde will, dass Cordie in Zukunft nur noch Teilzeit arbeitet, genauer sieben Monate im Jahr.
Das Museum wäre dann - wie vom Gemeinderat beschlossen - für den Rest des Jahres geschlossen. Mit ihrer ersten Änderungskündigung zum 30. Juni ist die Verwaltung allerdings gescheitert. Cordie hat dagegen geklagt - und im Gütetermin erst mal recht bekommen.
Die Gemeinde hatte die Kündigungsfrist nicht eingehalten. Nun wird laut Büroleiter Theo Gätz zum Ende des Jahres gekündigt.
Eine Katastrophe für die 56-jährige Leiterin, die das Museum mit zwei Kräften für den Besucherservice managt. Die für den Besucherstrom wichtigen Sonderausstellungen könne sie dann nicht mehr vorbereiten, sagt Cordie. Die Grabungen, die ebenfalls viele Menschen angelockt hätten, sowie deren wissenschaftliche Auswertung würden gestoppt. Netzwerke mit Museen und Tourismusorganisationen könnten nicht mehr bedient werden, wenn fünf Monate pro Jahr niemand da sei.
Cordies Fazit: "Wenn man nichts investiert, kommt auch nichts bei raus."
Theo Gätz von der Verwaltung hingegen verweist auf die Sparbeschlüsse des Gemeinderats. Die Einschränkungen im Archäologiepark seien vor dem Hintergrund eines nicht ausgeglichenen Haushalts und hohen jährlichen Defiziten des Belginums von zuletzt 130 000 Euro beschlossen worden. Zudem habe die Morbacher Einrichtung mit ihren jährlich 10 000 Besuchern die Erwartungen, die bei der dreifachen Menge lägen, nicht erfüllt.
Gätz schlägt vor, Sonderausstellungen zu mieten. Den Grabungen und ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung erteilt er eine Absage: "Die sind zwar schön, bringen aber keine Besucher. Wenn das Land die Forschung will, muss es sie zahlen. Wir wollen den Schwerpunkt auf Vermarktung legen." Besucher brächten Kaufkraft, deshalb betreibe man ein Museum.
Mit dieser Einstellung trifft Gätz in Mainz auf klaren Widerspruch. "Wissenschaftliche Forschung gehört zu den klassischen Aufgaben eines Museums", teilt Wolf-Jürgen Karle, Sprecher des Bildungsministeriums mit. Schon aus Gründen der Gleichbehandlung könne das Land die Kosten für die wissenschaftliche Arbeit im Morbacher Museum nicht übernehmen. Und nicht nur das. Karle sagt auch: "Das Land hat mit Leihgaben aus dem Landesmuseum Trier das Museum überhaupt erst möglich gemacht. Einschränkungen in der öffentlichen Zugänglichkeit könnten diese Leihgaben infrage stellen." Generell stellt Karle fest, dass Staatssekretär Walter Schumacher sich dafür eingesetzt habe, dass die Gemeinde der angesehenen Wissenschaftlerin Cordie eine angemessene Stellenausstattung biete.
Das Belginum genieße einen sehr guten Ruf in der Fachwelt.Meinung

Warnschuss aus Mainz
Ein Museum ist kein Schuhgeschäft. Geld zu bringen, kann nicht das erste Ziel sein. Es geht um Kultur, Bildung oder Kunst. Natürlich muss ein Museum die Menschen ansprechen, die für Eintritt und anderes zahlen. Doch allein auf die finanziellen Aspekte kann man es nicht reduzieren. Das gilt auch für den Morbacher Archäologiepark. Die Verwaltung täte gut daran, dessen Inhalte, auch die wissenschaftlichen, ernst zu nehmen und mit der Leiterin über Kürzungen zu reden. Die Drohung aus Mainz, Leihgaben zurückzufordern, ist ein Warnschuss. m.maier@volksfreund.de