Zu Fuß von Belgien an die Mosel

Bei Irrel wären sie fast in die Irre geführt worden. Doch ansonsten gab es keine Probleme entlang der 415 Kilometer langen Strecke, die 123 Wanderbegeisterte aus Belgien und benachbarten Ländern zum vierten Mal nach Neumagen-Dhron führte.

Neumagen-Dhron. Gut gelaunt sind 123 Wanderer aus dem belgischen Vichte in Neumagen-Dhron eingetroffen. Die Fahnenträger vorneweg, haben sie nach 415 Kilometern die Dhrontalhalle angesteuert. Kurz vor dem Ziel besuchten sie Michael Stadtfeld, einen der Väter der inzwischen vierten internationalen Wanderung.

Teilnehmer kommen aus sechs Nationen



Mit der Freundschaft des Dhroners zu einem der Organisatoren der alle zwei Jahre startenden Wanderung hatte alles angefangen. Vor bald 50 Jahren hatten sie sich als Schüler kennengelernt und fortan eine Brieffreundschaft gepflegt.

Der diesjährigen Wanderung haben sich mit Wallonen und Flamen auch Engländer, Franzosen, Schweizer, Niederländer und Dänen angeschlossen. Binnen acht Tagen führte sie ihr Weg über Etappenorte wie Bettendorf und Helenenberg. Dass dabei jeder sein Tempo bestimmen konnte, hätte bei Irrel einige fast irregeleitet. Denn entlang des Weges seien Schilder verschwunden gewesen, erzählte John Depamelaere.

Die Wanderer seien aber alle in Dhron angekommen, dem Ort, für den sie unterwegs mit einheitlichen T-Shirts werben. Die für jeden Teilnehmer in acht verschiedenen Farben bestellten Hemden - für jeden Tag eines - schaffen nicht nur ein Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern ersparen auch das Wäschewaschen unterwegs. Denn geschlafen wird nicht im Hotel, sondern in Sporthallen.

Die Betreuung der 88 Wanderer von 55 belgischen Wanderclubs hatten 35 Helfer übernommen. Sie hätten gekocht, das Frühstück gerichtet und als Transportfahrer fungiert, berichteten Frans Derijcke und Ehefrau Marie-Paule Vandenabeele vom veranstaltenden Wanderclub "Textieltrekkers Vichte". Vichte ist eine Stadt in Westflandern mit einst mehr als 100 Webereien.

Von der Beliebtheit solcher Touren in Belgien zeugen laut Depamelaere die 50 Wanderer auf der Warteliste: "Das Interesse ist phänomenal." Die Leute liebten es einfach, mit Freunden große Strecken zu wandern. Auch schätzten sie "die Menschen, den Wein, die schöne Strecke und die Natur". Die Leistung der Wanderer, täglich 60 Kilometer zu gehen, sei nicht zu unterschätzen. Er selbst wandere zwar täglich, sei aber bei einer gemeinsamen Tour in Thüringen immer der Langsamste gewesen: "Ich kam immer eine Stunden später an."

Bei der anschließenden Feier erhielt jeder der 123 Wanderer auf Initiative von Gemeinde und Wanderorganisatoren eine Flasche Moselwein und ein Präsent, das an den römischen Dichter Ausonius erinnert.