Zu viele Spitzenweine?

Die Natur meint's gut mit den Winzern. Auch der 2005er wird wieder eine Fülle von Spitzenweinen der Mosel bescheren, Spät- und Auslesen sind beim Riesling die Regel, und sogar Beeren- und Trockenbeerenauslesen wird es geben.

Das ist gut für das Image des Moselweins, und das ist gut für die Spitzenweingüter, die schon immer ganz auf die Produktion hochwertiger Weine gesetzt haben und einen entsprechenden Kundenstamm bedienen können. Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Fast nur Spät- und Auslesen im Keller zu haben, ist zwar eine schöne Sache, aber diese Spitzenweine müssen auch vermarktet werden. Viele Winzer werden daher gezwungen sein, tiefzustapeln, das heißt hochwertige Weine unter "minderwertigeren" Qualitätsbezeichnungen zu verkaufen. So wird die ein oder andere Aus- und Spätlese als Kabinett- oder gar als einfacher Qualitätswein auf den Markt kommen. Und die Fassweinwinzer, die immer noch dann am meisten verdienen, wenn sie möglichst viel Wein erzeugen, schlagen kaum Kapital aus ihren geernteten Spitzenweinen. Die Kellereien, die fast die Hälfte des Moselweins vermarkten, brauchen nämlich vor allem gute, vollmundige "einfache" Weine, mit denen sie den Markt kontinuierlich beschicken können. Extrem starke Qualitäts-, Ertrags- und damit auch Preisschwankungen sind bei den Lebensmittelriesen unerwünscht. Dennoch: Auch im Lebensmittelhandel und auf den Wein-Exportmärkten zeichnen sich Trends ab, die letztlich für die Mosel von Vorteil sind. Verschnittweine mit Großlagenbezeichnungen wie Zeller Schwarze Katz, Piesporter Michelsberg, Bernkasteler Kurfürstlay, Ürziger Schwarzlay oder Longuicher St. Michael sind immer weniger gefragt, dafür gewinnen Weine, bei denen die Rebsorte und der Name der Kellerei im Vordergrund stehen, an Bedeutung. Viele Kellereien setzen daher zunehmend auf Rebsortenweine - vor allem auf den Riesling. Und weil sie wissen, dass die Zeiten von Übermengen längst passé sind, schließen sie immer öfter Lieferverträge mit Winzern ab. Damit enden auch die Zeiten von Spekulanten, die mit der Ware Moselwein meistens zum Schaden der Winzer ihre Geschäfte gemacht haben. w.simon@volksfreund.de