Zu zweit aufs Klosett

Plumpsklos gab es bis Mitte des 20. Jahrhunderts überall in den Eifeldörfern. So manches Kind hat sich nur ungerne hineingetraut.

Oberkail. (ger) Lange vor und auch nach dem Zweiten Weltkrieg war es in den Eifelorten nicht üblich, dass die Toiletten als Wasserklosett im Haus integriert waren. Denn häufig war noch nicht einmal ein Badezimmers vorhanden. So lassen sich die damaligen Plumpsklos als Außentoiletten bezeichnen.

So manche Tücke überwinden

Zwei Frauen aus Oberkail - sie wollen ihre Namen nicht in der Zeitung genannt wissen - berichten aus ihrer Kindheit in den 1930er Jahren: "Unser Plumpsklo nannten wir Abtritt oder Abe. Unser Abtritt war an der Außenwand des Schweinestalls angebracht. Geschnittenes Papier alter Zeitungen lag als Klopapier immer parat. Wie der Hintern durch das Säubern mit dem alten Zeitungspapier hygienisch tatsächlich sauber wurde, weiß ich heute gar nicht mehr. Spülung gab es jedenfalls keine." Doch eine Tücke hatte das Zeitungspapier: Es verstopfte gelegentlich den Abfluss. Im Winter kam es zusätzlich zu Vereisungen, der Abfluss gefror. "Meine Mutter löste mit heißem Wasser die Vereisung auf. Und schon konnte der Toilettengang wieder durchgeführt werden", erzählt eine der beiden Frauen. Doch ihr Abtritt hatte immerhin einen Vorteil: "Wir hatten einen Abtritt, der nicht alle paar Wochen entleert werden musste, sondern unser Klo war durch ein Rohr mit der landwirtschaftlichen Jauchegrube verbunden. Diese wurde mehrmals jährlich mit Handpumpen geleert. Mit den Worten ,Jetzt pumpst du 500 mal' wechselten wir Geschwister uns ab.

Anschließend sei die Jauche auf die Felder gefahren worden. "Mithin wurden auch unsere Fäkalien als Dünger für die Feldfrüchte genommen." Gelegentlich sei das Plumpsklo gereinigt worden, indem ein Eimer mit Wasser hineingeschüttet wurde.

Die Kinder hätten Angst gehabt, im Dunkeln zum Plumpsklo zu gehen, erzählten die zwei Frauen: "Immer dann, wenn eines meiner Geschwister sich auf den Gang zur Toilette machte, nahm ein anderes meist auch die Gelegenheit wahr. Angst hatten wir vor allem vor der Dunkelheit, denn es gab damals kaum Straßen- und Hausbeleuchtung. Es war mithin stockfinster, wenn wir aus dem Haus zur Toilette gingen. Während die eine von uns ihr Geschäft im engen Toilettenhäuschen verrichtete, wartete die andere draußen. Später haben wir dann Taschenlampen mitgenommen."

Die erste Rolle Toilettenpapier gab es übrigens erst in den 1960er Jahren. "Es war etwas Besonderes, Geld für Toilettenpapier auszugeben", erzählten sie. "Und später bekamen wir dann auch endlich ein Badezimmer mit Toilette im Haus."

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