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Zuckerfee und Tomaten sind Schätze

Zuckerfee und Tomaten sind Schätze

Wer kennt die Bengeler Zuckererbse "Simon"? Wer hat noch Samen vom Mais mit Namen Zuckerfee oder gar vom Ufo-Kürbis? All das sind Sorten, die selten geworden sind. Damit sie nicht aussterben, kümmert sich zum Beispiel der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Bengel um ihren Erhalt.

Er unterhält seit 2014 eine Saatgut-Bibliothek mit 250 Sorten von Nutz- und Zierpflanzen. OGV-Mitglieder können aus der Bibliothek kostenlos Saatgut erhalten, wenn sie wieder Saatgut von den Pflanzen gewinnen und an die Bibliothek zurückgeben. Das Besondere dieser Sorten: Sie lassen sich ohne Verlust ihrer Eigenschaften, also "sortenrein", vermehren. Das heißt, der Samen kann wieder ausgesäht werden. Das funktioniert heute leider längst nicht mehr mit den meisten Sorten aus dem Handel, häufig bekommt man etwa von Tomaten, Gurken und Kürbissen nur sogenannte Hybrid-Sorten, die sich nicht stabil vermehren lassen. Sie sind mit dem Zusatz "F1" gekennzeichnet.
Sarah Völlinger, Lehrerin an der Grundschule Alftal hat von der Saatgut-Bibliothek gelesen und will sie für die Schulgarten-AG nutzen: "Das macht mehr Sinn und auch mehr Spaß, als jedes Jahr Pflanzen zu kaufen. Und wir bekommen Sorten, die man nicht in jedem Pflanzenmarkt kaufen kann."
"In einigen Orten haben die Landsorten, häufig waren es Erbsen und Bohnen, die früher von der Mutter auf die Tochter vererbt wurden, noch überlebt. Sie sind ein wahrer Schatz, denn sie sind optimal an die jeweiligen Boden- und Klimaverhältnisse angepasst, häufig sehr robust und ertragreich. Aber diese Schätze sind bedroht, so wie die Vielfalt unserer Kulturpflanzen insgesamt, in den letzten hundert Jahren sind durch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft bereits drei Viertel aller Kulturpflanzen verschwunden", sagt Annette Fehrholz vom Bengeler Verein, der das Schulprojekt gerne unterstützt: Ein Zuckermais namens "Zuckerfee", Popp-Amaranth, blaue, gelbe und natürlich auch rote Tomaten, Magentamelde, Minigurke, Ufo-Kürbis, Limonadenpflanze, diese besonderen Sorten warten nun genau wie die Lokalsorten aus Bengel und Bausendorf, die Bengeler Zuckererbse "Simon" und die Bausendorfer Stangenbohne von Agnes Kiesgen darauf, im Schulgarten in Kinderbeuern angebaut zu werden.
Der OGV Bengel überlässt der Grundschule das Saatgut für Obst- und Gemüsesorten, Kräuter und bunte Blumen und unterstützt bei Anzucht, Pflanzenpflege und bei der Saatgutgewinnung. Dafür erhält die Saatgut-Bibliothek im Herbst einen Teil des Saatgutes von der Schulgarten-AG zurück.
Schulleiterin Christa Schuh-Daus unterstützt das Projekt, denn Natur- und Umweltschutz sind Bestandteil des Schulprogramms und: "Ich bin selbst leidenschaftliche Gärtnerin und begrüße es sehr, dass unser Schulgarten-Projekt nun noch um den Aspekt der Saatgutgewinnung erweitert wird. Unsere Schüler sind die Entscheidungsträger von morgen, je früher sie mit Themen wie Artenvielfalt und Schutz der natürlichen Ressourcen vertraut gemacht werden, desto eher werden sie sich später darum bemühen." red/sos
Extra

Ich bin immer erstaunt über die Natur, die aus Samen, Erde, Wasser, Sonne alles vom Blümchen über Obst und Gemüse bis zum Baum wachsen lassen kann. Und jede Pflanze ist anders und besonders! Die Menschen versuchen aber, bestimmte Sorten besonders stark wachsen zu lassen. So gab es früher ganz viele verschiedene Tomatenarten. Nur die, die wir im Geschäft kaufen, sind meistens von der gleichen Sorte. Damit aber die vielen anderen alten Sorten nicht komplett aussterben, gibt es sozusagen Samensammler. Und dabei helfen jetzt Kinder! Das ist toll, oder? sos