Zügig, aber teurer
Der Straßenausbau in Mülheim, das auch neue Wasser- und Kanalleitungen erhält, geht zügig voran. Nachdem teerhaltiges Material ausgebaggert wurde, steht jedoch fest, dass der Ausbau um einiges teurer als geplant ausfallen wird.
Mülheim. Die Gemeinde Mülheim und ihre Bürger werden für den Ausbau der Ortsdurchfahrt bedeutend tiefer in ihre Taschen greifen müssen. Beim Aufbaggern für das Verlegen von Kanal- und Wasserleitungen ist unterhalb der Fahrbahn teerhaltiges Material zum Vorschein gekommen. Wie hoch die Kosten für dessen Entsorgung sein werden, ist zwar noch nicht zu sagen. Der Fahrbahnuntergrund des ersten Bauabschnitts (siehe Hintergrund) ist bisher ja nur teilweise ausgehoben. Außerdem muss der Aushub vor einer Kostenermittlung noch genau untersucht werden, erklärt Werner Ruppenthal, Leiter der Verbandsgemeinde-Abwasserwerke.
Nach einer groben Schätzung von Robert Kranz, dem Bauleiter des Ingenieurbüros Garth in Bernkastel-Kues, ist mit Mehrkosten von 30 000 bis 40 000 Euro zu rechnen. Eine Bauverzögerung werde es aber nicht geben. Laut Kranz gibt es derlei unliebsame Kostensteigerungen öfter. Und das trotz vorheriger Probebohrungen, wie es auch in Mülheim zwei gegeben habe. Allerdings sei dabei kein teerhaltiges Material entdeckt worden, weil offensichtlich an zwei vor Jahren reparierten Stellen gebohrt worden sei. Da die Straße danach eine neue Fahrbahndecke erhalten habe, sei das nicht zu ahnen gewesen. Es könne ja keiner in den Untergrund hineinschauen. Ausschließen ließen sich solche Probleme nur durch "extrem aufwendige" und entsprechend teure Voruntersuchungen.
Ortsbürgermeister Horst Faust denkt vor allem an die Bürger der Gemeinde, die ja 60 Prozent der Kosten zu tragen hätten. Sie werden über "Wiederkehrende Beiträge" belastet, die solche Investitionen auf viele Schultern verteilen. Die Gemeinde ist mit den restlichen 40 Prozent im Boot. Für Faust kommt erschwerend hinzu, dass es sich bei dem Bauabschnitt, an dem derzeit gearbeitet wird, um eine ehemalige Bundesstraße handelt. Die Gemeinde habe diese wegen des Baus der Umgehung in den 1970ern übernommen. Und nun müsse sie für die Entsorgung des zuvor verwendeten schadstoffhaltigen Materials aufkommen. Ebenso wie die Bürger, die rein gar nichts dafür könnten, was damals dort verbaut worden sei.
Bei einem Kauf von Privat wäre das für Bürger und Gemeinde glimpflicher ausgegangen: "Jeder Privatmann muss unterschreiben, dass keine Stoffe drin sind."
EXTRA Hintergrund: Die Mülheimer Ortsdurchfahrt wird in drei Bauabschnitten erneuert. Der erste, aktuelle Abschnitt ist der vom Bergweg an der Brückenauffahrt vorbei bis zum Abzweig Veldenzer Straße, der zweite ab dort Richtung Sportplatz und der dritte ab Bergweg Richtung Tankstelle. In den ersten beiden Streckenabschnitten werden auch Wasser- und Abwasserleitungen erneuert. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich allein für die Verbandsgemeindewerke, die die Wasserleitungen komplett erneuert und den Kanal nach Notwendigkeit, auf rund 300 000 Euro. Die Gemeinde investiert dar über hinaus mehr als 400 000 Euro in den Straßen- und Gehwegausbau. Die Grundeigentümer tragen beim Straßenausbau über "Wiederkehrende Beiträge" 60 Prozent. Die beiden Streckenabschnitte, die anschließend aus gebaut werden. sind laut der Planung mit jeweils gut 300 000 Euro kalkuliert. (urs)