Kolumne : Zündhölzer und wilde Burschen

Moseln Sie mit! So hat ein Winzer aus Trittenheim, einer meiner Lieblingsorte am Fluss, seine Neujahrsgrüße überschrieben. Den Ausdruck kannte ich bisher noch nicht. Aber gut ist er. Ich könnte mir die drei Worte als Slogan für die Mosel vorstellen. Sie erzeugen Spannung. Mit entsprechenden Angeboten hinterlegt, hätten sie das Zeug, um noch mehr Publikum anzuziehen, das dem Wein zugetan ist.

Worte beschreiben ja oft etwas. Über die Feiertage hab ich mal wieder etwas intensiver Weinzeitschriften gelesen. „Vinum“ bewertete die nach Meinung einer achtköpfigen Jury besten deutschen Sekte.

Ich zähle hier einmal ein paar der besonderen Charakteristiken auf: Zündhölzchen, etwas für Liebhaber olfaktorischer Rätsel, schleppt einen dicken Bauch mit sich, endet kurz und unbekümmert. Das klingt teilweise originell, zieht mich aber nicht sonderlich an.

Es taucht unter anderem, wie bei manchen Weinbeschreibungen, bei mir die Frage auf: Wie ist zum Beispiel der Geschmack von Zündhölzchen? Ich weiß auch nicht, ob ich dem Geschmack von Earl-Grey-Tee im Sekt möchte.

Ein Sekt wird als „wilder Bursche“, eine anderer als „maskulin“ bezeichnet. Das klingt doch gut. So wäre man(n) vielleicht selbst gerne. Nichts zum Kuscheln, eher zum Feiern. Auch diese Beschreibung hat etwas. Weibliche Charakteristiken kommen bei den Bewertungen nicht vor.

Auch ein Brüderpaar aus dem Anbaugebiet Württemberg spielt mit Worten. Die Einstiegsweine heißen bei ihnen „Trinkhilfe“, die anspruchsvolleren Erzeugnisse laufen unter der Bezeichnung „Vogelfrei“. Ideen müssen nicht jedem gefallen, man muss sie aber zumindest haben, um sich zu behaupten. Entscheidend bleibt aber der Inhalt einer Wein-oder Sektflasche.