Zukunft braucht Erinnerung

Im Gedenken an die Reichspogromnacht lauschten 170 Schüler des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums mit den Abschlussklassen der Freiherr-von-Stein-Realschule einer szenischen Lesung, in der die Gräuel der Nazis aus ungewohnter Perspektive nachgezeichnet wurden.

Bernkastel-Kues. (red) Seit 2001 beschäftigen sich die Schauspielerinnen Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner im Auftrag der Gedenkstätte "Haus der Wannseekonferenz" mit der Rolle der Ehefrauen von Naziverbrechern. Viele dieser Frauen lebten nach der ersten Verliebtheit als treu sorgende Gattinnen, die ihren Männern den Rücken freihielten. Einige, wie die Frau des berüchtigten KZ-Kommandanten Rudolf Höß, folgten ihren Männern an den grausigen Einsatzort und bezogen in unmittelbarer Nähe Villen, die zuvor im Besitz von Juden gewesen waren. Viele Frauen hatten die Maxime Heinrich Himmlers, nach der moralische Werte nur innerhalb des eigenen Volkes Geltung hätten, derart verinnerlicht, dass sie häufig das Verwerfliche im Tun der Nazis nicht erkannten oder verdrängten. Andere wurden sich des Grauens nach 1945 in Ansätzen bewusst. Nach der Lesung ermahnte Jaghoub Khoschlessan, Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage, sich nicht durch Fremdenfeindlichkeit und rechtes Gedankengut zu entwürdigen.

"Es ist geschehen. Folglich kann es immer wieder geschehen." Dieser Satz des jüdischen Schriftstellers Primo Levi mahnt: Zukunft braucht Erinnerung. Der Vortrag der Schauspielerinnen leistete in einen Beitrag zur Erziehung zur Mündigkeit.

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