Zukunftsweisende Ideenschmiede

Über Themen wie Energie sowie Ressourcen- und Abfallmanagement haben sich zehn Delegationen aus vier Kontinenten bei der zweiten Kreislaufwirtschaftskonferenz des Umwelt-Campus Birkenfeld der Fachhochschule Trier ausgetauscht.

Birkenfeld/Trier. Wie gehen Staaten weltweit mit der Energiewende um? Und wie bekommen boomende Städte in Ländern wie Brasilien oder in den großen asiatischen Ländern ihre Müllentsorgung in den Griff? Fragen wie diese beantworteten Referenten der "2. Internationalen Kreislaufwirtschaftskonferenz" am Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) der Fachhochschule Trier. Eingeladen hatte das dort vor zehn Jahren gegründete Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS). Das Engagement der rund 80 Beschäftigten zielt darauf ab, regional vorhandene Stoffe wie Holz, Wind oder Biomasserohstoffe effizient und möglichst vor Ort zu nutzen. Wichtige Kommunikationsplattformen für sie sind regelmäßige Tagungen zu Themen wie Biomasse, Solar, Elektromobilität oder die jüngste Kreislaufwirtschaftskonferenz.
In deren Fokus standen laut Professor Peter Heck, geschäftsführender IfaS-Direktor, "visionäre, aber mögliche Modelle". Und zwar jenseits nicht zukunftsfähiger fossiler oder nuklearer Alternativen. Erforderliche Investitionen wie in ein effektives Abfallmanagement seien zwar mitunter hoch, rechneten sich aber langfristig. Laut Heck verlangt die weltweit steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien, Abwasser- und Abfallmanagement zunehmend nach ganzheitlichen Systemlösungen. IfaS zeigt solche Perspektiven auf. Und zwar in Kooperation mit innovativen Umwelttechnik-Unternehmen, die sich für den Aufbau projektorientierter Netzwerke interessieren. Einige stellten sich im Umfeld der Konferenz vor. Neben Windkraft- oder Klärschlammexperten waren beispielsweise ein pfälzischer Lehmbauer oder ein LED-Leuchten-Produzent vor Ort.
Im Zentrum der vom Wirtschafts- und Umweltministerium Mainz unterstützten Konferenz standen jedoch internationale Erfahrungsberichte. Zehn Delegationen, Experten und Regierungsvertreter stellten aktuelle Energieprojekte vor sowie erfolgreiche Problemlösungen.
Vertreten waren die Kapverden und Sri Lanka sowie Argentinien, Brasilien, Marokko, Polen, Ruanda, Serbien, die Türkei und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) der ehemaligen Sowjetunion. Der Energieminister von Sri Lanka präsentierte seine Heimat als "Land der Solar- und Windpotentiale" und José Brito (Kapverden) den Energie-Masterplan seines Landes. Nachhaltiger Abfall- und Ressourcenwirtschaft widmeten sich Vladimir Kovalev und Magno Bollmann, Bürgermeister der boomenden Stadt Sao Bento do Sul (Brasilien). Kovalev zeigte am Beispiel des Ressourcenzentrums Jaroslawl (Russland) Investitionspotenziale auf, Bollmann berichtete von Erfolgen im Umgang mit Ressourcen.
Gottfried Jung, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft im Wirtschaftsministerium, nannte die Konferenz eine "internationale Ideenschmiede". Der UCB widme sich "einer wahren Zukunftsaufgabe mit herausragender Bedeutung". Er persönlich hält das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 100 Prozent zu erhöhen, für "absolut nicht unrealistisch".
In Rheinland-Pfalz seien es bereits 2009 gut 25 Prozent - bundesweit etwa 16 Prozent - gewesen. Eine wichtige Rolle spielt für ihn dabei auch die Abfallvermeidung. Derzeit werde weltweit viel Geld dafür ausgegeben, solche potenziellen Rohstoffe zu vernichten. urs

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