Wittlich: Zum Abschluss gibt’s die Schale

Wittlich : Zum Abschluss gibt’s die Schale

Der ehemalige Bundesligafußballer Martin Wagner besucht Gefangene der Jugendstrafanstalt in Wittlich. Neben dem Sport stand auch der soziale Aspekt im Mittelpunkt.

Schon wenige Minuten nach Trainingsstart sind die ersten nass geschwitzt. Und das, obwohl Trainer Martin Wagner die 15 jungen Männer zwischen 17 und 21 Jahren nicht so hart ran nimmt. „Ihr habt Glück, dass ich nicht mehr selbst mitspielen kann, weil mein Knie kaputt ist“, sagte der ehemalige Fußball-Bundesligaprofi (siehe Zur Person) zu der Gruppe, die sich aus Gefangenen der Wittlicher Jugendstrafanstalt (JSA) zusammensetzt. Wagners Besuch in der Wittlicher Anstalt ist Teil des Projekts „Anstoß für ein neues Leben“. 15- bis 20-mal im Jahr besuchen bekannte Fußballer oder Fußballmannschaften Strafanstalten in ganz Deutschland (siehe Info). „Wir versuchen, einmal im Jahr jede Haftanstalt, mit der wir kooperieren, zu besuchen“, sagt Projektleiter Nico Kempf.

Auf dem Platz in der Sporthalle der JSA geht indes das Training weiter. „Bravo, Bravo, gut gemacht ihr Schlafmützen“, ruft Wagner bei einem Tor ironisch den Spielern zu, die den Treffer kassiert haben. Und genau mit dieser lockeren Art scheint der Ex-Nationalspieler gut bei den Jugendlichen anzukommen, die sich für das Training mit ihm im Vorfeld bewerben mussten, wie Anstaltsleiter Jürgen Thum sagt.

Wagner erzählt den Gefangenen nicht nur von den Tricks und Kniffen des Fußballs oder Anekdoten aus seiner Karriere und den Erfolgen und Misserfolgen mit dem 1. FC Kaiserslautern. Wagner gibt dem Team auch Einblicke in sein Privatleben, in seine Jugend in Offenburg, wo er als „Straßenköter“, wie er es nennt, auch Kontakt zu Kriminalität und Kriminellen hatte. Zum Beispiel, als er nach einer Schlägerei eine Nacht im Jugendarrest verbrachte. „Im Fußball lief’s top. Ich hatte eine Lehrstelle, und dann baue ich so einen Mist. Danach wusste ich, dass es bei einer Prügelei nur Verlierer gibt.“ Und er erzählte davon, wie wichtig Respekt im Leben ist.

Auch lange nach der Trainingseinheit bleiben die Jugendlichen bei Wagner, kleben an seinen Lippen, hören ihm zu, wie er einzelnen von ihnen Ratschläge gibt, ihnen Geschichten erzählt. Sie lassen sich Autogramme geben von dem Sportler, der seine fußballerischen Erfolge feierte, als die meisten von ihnen noch nicht auf der Welt waren. Und doch sagt einer von ihnen, mittlerweile ein FCK-Trikot tragend: „Sie sind so etwas wie ein Idol für mich“ und überreicht Wagner als Dank für seinen Besuch ein Geschenk der JSA. Und auch Wagner selbst hatte neben seinem Besuch noch ein Geschenk für die Jungs dabei: Nach dem Training nahm er eine runde Trophäe aus der Tasche, ein Duplikat der Meisterschale des DFB, die er bei seinem Abschied aus Kaiserslautern für den Gewinn des Titels in der Saison 1997/98 bekommen hat. „Keiner hätte gedacht, dass ich so was mal erreiche“, sagte er.

 Und die Gefangenen sind begeistert. Nicht nur von der Meisterschale, auch vom Menschen  Martin Wagner.

 Da waren Anstrengung und Schweiß schnell vergessen.

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